Thimbleweed Park im Test

16. Februar 2018 16:16; Akt: 16.02.2018 16:54 Print

Die 80er haben angerufen, sie wollen ihr Spiel zurück

von Lukas Urban - Die Masterminds der klassischen LucasArts-Adventures lassen die guten alten Zeiten neu aufleben.

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Alles ist wie früher in Thimbleweed Park: Die Grafik ist pixelig, die Rätsel absurd und die Steuerung funktioniert nicht direkt, sondern über den Mauszeiger, der in den Konsolenfassungen per Analogstick gesteuert wird. Türen öffnen sich nicht mit einem einfachen Tastendruck, sondern müssen erst mit dem passenden Verb, also in diesem Fall "öffnen" ausgewählt werden. Es ist ein sehr klassischer Ansatz, der aber auch noch heute funktioniert. Alles beginnt mit einer Leiche, die unter einer Brücke gefunden wird. Sie verpixelt (ja, nicht "verwest") schon, als die FBI-Agenten Angela Ray und Antonio Reyes die Fundstelle inspizieren. Bei ihren Ermittlungen sind weder der merkwürdige örtliche Sheriff noch der ebenso schrullige Gerichtsmediziner hilfreich. In der Haut fünf verschiedener Charaktere - später kommen nämlich noch der soziopathische Clown Ransome, der Geist Franklin und die Spieleprogrammiererin Delores hinzu - deckt man immer mehr und zunehmend absurder werdende Geheimnisse der kleinen Stadt Thimbleweed Park auf. Die Herkunft der Masterminds hinter dem Spiel, Ron Gilbert und Gary Winnick, merkt man jeder Sekunde an. Immerhin waren sie die treibenden Kräfte hinter den LucasArts-Klassikern Monkey Island und Maniac Mansion. Nettes Detail: Die Handlung von Thimbleweed Park findet 1987 statt - es ist auch das Erscheinungsjahr von Maniac Mansion. Zwar bestehen Charaktere und Umgebungen aus groben Pixelgrafiken, doch mittels Parallax-Scrolling, Beleuchtungseffekten und Animationen erhält das Game trotzdem einen modernen Charakter. Außerdem werden zwei Schwierigkeitsmodi angeboten: ein gemütlicher mit leichteren Rätseln und eine schwere Einstellung, die aber als Standardmodus zu verstehen ist. Die abgedrehte Mischung aus Twin Peaks und Akte X glänzt mit gut ausgearbeiteten Charakteren und einer absurden Story, die Erinnerungen an alte LucasArts-Zeiten weckt.

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Thimbleweed Park ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Crowdfunding tot geglaubte Genres zurückbringen kann. Das klassische Point-and-Click-Adventure galt außerhalb des deutschen Sprachraums als nicht rentabel, bis die Gamedesign-Legenden Ron Gilbert und Gary Winnick ihre Kickstarter-Kampagne für ein Game der alten LucasArts-Schule starteten. Über 15.000 Fans finanzierten die Entwicklung mit 626.250 Dollar. Und sie haben genau das erhalten, was sie wollten.

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Die Leiche verpixelt

Alles ist wie früher: Die Grafik ist pixelig, die Rätsel absurd und die Steuerung funktioniert nicht direkt, sondern über den Mauszeiger, der in den Konsolenfassungen per Analogstick gesteuert wird. Türen öffnen sich nicht mit einem einfachen Tastendruck, sondern müssen erst mit dem passenden Verb, also in diesem Fall "öffnen" ausgewählt werden. Es ist ein sehr klassischer Ansatz, der aber auch noch heute funktioniert.

Alles beginnt mit einer Leiche, die unter einer Brücke gefunden wird. Sie verpixelt (ja, nicht "verwest") schon, als die FBI-Agenten Angela Ray und Antonio Reyes die Fundstelle inspizieren. Bei ihren Ermittlungen sind weder der merkwürdige örtliche Sheriff noch der ebenso schrullige Gerichtsmediziner hilfreich. In der Haut fünf verschiedener Charaktere – später kommen nämlich noch der soziopathische Clown Ransome, der Geist Franklin und die Spieleprogrammiererin Delores hinzu – deckt man immer mehr und zunehmend absurder werdende Geheimnisse der kleinen Stadt Thimbleweed Park auf.

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Das Vermächtnis von LucasArts

Die Herkunft der Masterminds hinter dem Spiel, Ron Gilbert und Gary Winnick, merkt man jeder Sekunde an. Immerhin waren sie die treibenden Kräfte hinter den LucasArts-Klassikern Monkey Island und Maniac Mansion. Nettes Detail: Die Handlung von Thimbleweed Park findet 1987 statt – es ist auch das Erscheinungsjahr von Maniac Mansion. Vom Verben-Menü bis zu den schrulligen Charakteren fühlt man sich in vergangene Zeiten versetzt – allerdings nicht ohne zeitgemäße Verbesserungen.

Das beginnt schon bei der Optik. Zwar bestehen Charaktere und Umgebungen aus groben Pixelgrafiken, doch mittels Parallax-Scrolling, Beleuchtungseffekten und Animationen erhält das Game trotzdem einen modernen Charakter. Noch dazu können die Texteinblendungen im Menü nach Belieben eingestellt werden – von moderner Schrift bis zum klassischen Pixel-Look, den man aus den 80er Jahren kennt.

Sogar die Übersetzung ist Fanservice

Außerdem werden zwei Schwierigkeitsmodi angeboten: ein gemütlicher mit leichteren Rätseln und eine schwere Einstellung, die aber als Standardmodus zu verstehen ist. Beide Modi verfügen über unterschiedliche Puzzles. Das Game bietet eine englische Sprachausgabe und Texte in Deutsch, Englisch oder einer Reihe anderer Sprachen. Auch bei der deutschen Übersetzung gibt es Fanservice. Diese stammt von Boris Schneider-Johne, der bereits Monkey Island kongenial ins Deutsche übertragen hatte.

Fazit: Auch heute noch unterhaltsam

Klar, das Spielprinzip von Thimbleweed Park ist mehrere Jahrzehnte alt. Trotzdem ist es nach wie vor spaßig, nicht zuletzt auch dank moderner Nachbesserungen. Die abgedrehte Mischung aus Twin Peaks und Akte X glänzt mit gut ausgearbeiteten Charakteren und einer absurden Story, die Erinnerungen an alte LucasArts-Zeiten weckt. Feine Komödie in Videospielform!

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mk__ am 16.02.2018 21:45 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt weitaus bessere Alternativen!

    Thimbleweed Park versucht leider viel zu sehr den Humor von früher einzubauen... somit wirkt so gut wie jeder Scherz gekünstelt... Das Ende des Spiels ist einfach absurd und wirkt also ob es schnell fertig gemacht wurde. Wer wirklich gute moderne Point&Click erleben will sei zu Daedalic geraten und die Book of Unwritten Tales Serie!

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Mk__ am 16.02.2018 21:45 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt weitaus bessere Alternativen!

    Thimbleweed Park versucht leider viel zu sehr den Humor von früher einzubauen... somit wirkt so gut wie jeder Scherz gekünstelt... Das Ende des Spiels ist einfach absurd und wirkt also ob es schnell fertig gemacht wurde. Wer wirklich gute moderne Point&Click erleben will sei zu Daedalic geraten und die Book of Unwritten Tales Serie!

    • Jawollus am 17.02.2018 06:34 Report Diesen Beitrag melden

      Nostalgie

      Sehe ich auch so. Das Spiel versucht einfach zu krampfhaft Retro zu sein. Manche Gags wirken wie 1:1 aus Monkey Island oder Zak McKracken übernommen. Ist ja schön, wenn ein Spiel nostalgische Gefühle weckt, aber Nostalgie sollte halt nicht auf "Muß" mit Brecheisen und Holzhammer geweckt werden, sondern eher subtiler...

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