Selbstversuch

06. Mai 2019 09:33; Akt: 07.05.2019 16:06 Print

Zuckerentzug: Protokoll eines Junkies

von Gudrun Angerer - Seit rund drei Wochen verzichte ich auf Süßes. Was ich dabei über mich und mein Umfeld gelernt habe.

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Ich hätte euch an dieser Stelle gern berichtet, dass ich geheilt bin. Dass mich die Schokolade in den Regalen nicht mehr anlacht, dass ich beinahe beiläufig ablehne, wenn mir jemand ein Stück Kuchen anbietet.

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Werde ich es schaffen, einen Monat auf Zucker zu verzichten?

Doch das wäre gelogen.

Seit über drei Wochen verzichte ich nun auf Zucker. Ich spekulierte darauf, dass ich nach rund zwei Wochen (positive) Veränderungen bemerken und weniger Entzugserscheinungen haben würde. Aber leider ist der Junkie in mir noch immer stark, das Abhängigkeitsempfinden nicht weniger geworden.

Dennoch werde ich auch die letzten sieben Tage durchhalten und danach zusammenfassend berichten.

Was ich bisher gelernt habe

Meine Sucht ist teuer:

Im Zuge meines Experiments errechnete ich auch meinen monatlichen Konsum an Süßigkeiten und kam auf eine erschreckende Summe: Jedes Monat gebe ich für Süßkram circa 150 Euro aus. Da überlegt man sich doch, sein Geld etwas anders anzulegen oder die Verteilungsdynamik zumindest zu ändern.

So viel Zucker esse ich normalerweise – täglich

Die Versuchungen lauern an jeder Ecke:

Ich möchte niemandem etwas vormachen: Die letzten drei Wochen waren schwer und ich hatte ein paar schwache Momente, die mich innere Überwindung gekostet haben, keinen Rückfall zu riskieren bzw. zu cheaten.

Zu Ostern war es besonders schlimm. Ich war in meiner steirisch-ländlichen Heimat umgeben von Köstlichkeiten aller Art – inklusive fünf (!) selbstgemachter Mehlspeisen meiner lieben Tanten. Aber egal, wie viele Seitenhiebe ich mir von meinem humorvoll triezenden Cousin doch anhören konnte, ich blieb standhaft.

Ein paar Situationen in der Redaktion waren auch schwer zu bewältigen: Einmal ereilte uns eine Lieferung einer neuen Eis-Sorte zum Testen. Laut schmatzend meinten meine Kollegen, sie wären nicht gut – ihre Blicke und die Tatsache, dass sie sich Nachschub holten, sprachen jedoch eine andere Sprache.

Nachdem ich den Life-Channel betreue, mache ich auch Artikel über Rezepte und Ernährung. Stellt ihr doch mal eine Auswahl der besten Osterrezepte zusammen, während euer Gehirn nach Zucker schreit!

Meine Ablenkungsversuche sind ziemlich traurig:

Gewisse Experten behaupten, nach zehn Tagen gehe der Zustand der Entzugserscheinungen vorbei – in meinem Fall muss ich widersprechen. Ich fühle jeden Tag das Übergewicht der guten Verlockungen. Von der Eis-Saison fange ich jetzt nicht an.
In meiner Verzweiflung greife ich als Ersatz zu Lippenpflege-Produkten mit Geschmack.

Und ich steckte einen Teil meines Budgets, das ich sonst für Süßigkeiten ausgegeben hätte, in Beauty-Produkte mit Schokoladen-Namen. Ziemlich verzweifelt, hm?

Meinen morgigen Geburtstag feiere ich dann jedenfalls in ein paar Tagen mit ein paar Kilo Mehlspeismasse nach.

Ich danke euch übrigens recht herzlich für eure Tipps und freundlichen Anmerkungen, die eine große Motivation auf dem Entzug als Zucker-Junkie sind. Gern mehr davon in den Kommentaren!

So reagiert der Körper auf Zuckerverzicht:

Das passiert bei Zuckerverzicht

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sochal am 12.04.2019 17:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zucker ist fast überall.

    Ich denke in erster Linie sollte man auf alles was Fertignahrung ist verzichten. Zudem auf Joghurts und alles andere was in Tüten, Becher oder ähnlichem verpackt ist verzichten. Wahrscheinlich wird die Challenge in die Hose gehen, da sich die wenigsten Menschen bewusst sind wo überall Zucker enthalten ist.

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  • DerKörperDankt am 12.04.2019 17:50 Report Diesen Beitrag melden

    Oder es sind im Mai 3 Tafeln

    Reduzieren Sie erst langsam. Lassen Sie Limonaden weg, lernen Sie Tee lieben und experimentieren Sie mit verschiedenen Sorten als Limoalternative. Ganze Kräuter, nicht in Teebeuteln (versteckter Zucker). Wenn Sie zum Caffee 2 Löffel Zucker nehmen, dann ab jetzt mal nur noch einen usw. Achten Sie auch auf "versteckten Zucker" und vermeiden Sie Fertigprodukte. Durch langsame, kontinuierliche, bewusste Reduktion, entsteht eine langanhaltende, echte Umstellung und keine mühsame Zwangsenthaltung von Dingen, die man doch gerne hat, die einen Rückfall (Jojo-Effekt) vorprogrammieren.

  • Southpaw am 12.04.2019 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wünsche Ihnen...

    ...alles Gute und sie schaffen das. Ich habe vor kurzem mit Red Bull aufgehört. Auch möchte ich mehr selbst gemixten Saft trinken. Aber bei mir ist auch viel das Bier saufen :(

Die neuesten Leser-Kommentare

  • franka am 06.05.2019 13:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich

    verzichte seit einen Jahr auf Zucker. trinke nur Wasser oder stark verdünnten Saft. esse auch keine Schokolade oder Kuchen, mir graut davor. viel zu süß

  • Drakensang am 06.05.2019 11:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Paracelsus

    meinte schon "Die Menge macht das Gift!" Ob das nur Alkohol oder Zigaretten sind. Natürlich ist Zucker überhaupt so eine spezielle Angelegenheit, da er ja auch - wie hier bereits erwähnt wurde - sehr oft versteckt auftritt. Vielleicht könnte man die Sucht nach was Süßem durch Substitution mit etwas anderen in den Griff bekommen. Gechmäcker ändern sich auch ... ich kann mich noch erinnern wie ich ein Glas Nutella innerhalb von 2-3 Tagen leer gemacht habe. Jetzt brauche ich einen ganzen Monat für eine 75g-Packung von Manner schnitten. Detto machte ich es mit Zigaretten - ich ersetzte sie durch Dampfen - und seit ich intensiv koche kommt mir weder Maggi in die Suppe oder Glutamat mehr ins Essen.

  • Steuerzahler am 06.05.2019 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Zucker ist teuer

    Preishammer Zucker: 300g vegetrarische Gummizucker im Penny Deutschland: 90 Cent. Das gleiche Produkt im österreichischen Penny: 1,78 Mehrkosten von 110% - nein Danke, da spare ich lieber das Geld und spiele Lotto damit. Ja Abends nach der Arbeit ist es schwer ohne Zucker, aber man muss durchhalten!

  • So mach ichs am 06.05.2019 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Seit 20 Jahren verzichtete ich auf Süßes

    Anfangs süßte ich den Tee noch mit Honig, heute drinke ich nur noch Wasser (mit Zitrone) und Tee. Kein Kaffee, kein Kakao, keine Fruchsäfte und schon gar nicht Limos. Man gewöhnt sich schnell daran. Selten probiere ich was Süßes. Nach nur 1-2 Bissen muss ich stoppen. Viel zu süß für meine entwöhnten Geschmacksnerven. Der Magen rebelliert auch, wenn er Süßes bekommt. Checke immer die Kohlenhydrate-Angabe, rechne die 100 g auf das tatsächliche Gewicht der Verpackung und teile das Ergebnis durch 3 = Inhalt an Würfelzucker. Unglaublich, wieviel Zucker wir konsumieren!

    • Karl am 06.05.2019 10:21 Report Diesen Beitrag melden

      ...

      Sehr leiwand, ich verzichte seit 4 Jahren auf Zucker. Ich kann es nur empfehlen.

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  • Herta Hirschel am 25.04.2019 23:41 Report Diesen Beitrag melden

    Fruktose, man findet es überall

    Sicher geht das alles wenn man es denn will aber es heisst auch sich mit dem Essen und den eigenen Gewohnheiten einfahc mehr auseinandersetzen. Das haben andere Menschen ganz automatisch, also ich denn mit fruktosemalabsorption konfrontiert wurde, wusste ich zu allererst auch nicht, wo denn der Zucker überall enthalten ist, da staunt mannicht schlecht. Aber ich habe gelernt damit umzugehen und mich da umzuorientieren, ich habe aber auch Fructosin welches ich nutze, wenn ich gerne mal Obst essen möchte oder mal ein Stück kuchen, dann lässt sich das sehr einfach anwenden. Aber große Umstellung.