"Long hot summer effect"

31. Juli 2018 11:14; Akt: 31.07.2018 13:10 Print

Warum uns die Hitze aggressiv macht

von Nikolai Thelitz - Die vielen Gewalttaten in den letzten Tagen sind kein Zufall: Bei hohen Temperaturen sind wir laut Wissenschaftlern deutlich aggressiver.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Freitag hatte ein aggressiver Dealer im Zuge einer Suchtmittelkontroller bei der U6 Station Dresdner Straße einen Polizisten blutig geschlagen. Am Abend kam es in Simmering zu einem Großeinsatz, nachdem mehrere Personen von einem Mann im Stiegenhaus attackiert wurden.

Umfrage
Haben Sie schon genug von der Hitze?
14 %
9 %
77 %
Insgesamt 2497 Teilnehmer

Auch in Villach gab es am Wochenende einen Vorfall. Etwa 15 Personen gingen vor dem Hauptbahnhof aufeinander los, prügelten mit Flaschen und Stöcken aufeinander ein.

Verantwortlich für die Häufung von Straftaten könnte das heiße Wetter sein: Forscher weisen immer wieder einen Zusammenhang zwischen erhöhter Aggressivität und hohen Temperaturen nach. Das Ganze ist in der Wissenschaft als "long hot summer effect", also als "langer, heißer Sommer-Effekt" bekannt – benannt nach dem Sommer 1967, als in den USA in mehreren Städten Rassenunruhen ausbrachen.

Footballspieler foulen bei Hitze häufiger

Psychologe Craig A. Anderson und seine verschiedenen Forschungspartner konnten in zahlreichen Studien nachweisen, dass wir bei Hitze aggressiver sind. Laut den Forschern werden im Sommer mehr Gewalt- und Sexualverbrechen begangen und es gibt mehr gewaltsame Aufstände, je heißer das Wetter ist. Zudem reagierten Probanden in Experimenten bei höherer Temperatur aggressiver. Ein Forscherteam der Universität Michigan zeigte auf, dass auch die Baseballspieler ein aggressiveres Verhalten zeigen. Forscher der Texas Tech University fanden heraus, dass Footballspieler bei Hitze mehr Fouls begehen.

Und auch wer von anderen negativ bewertet wird, schlägt bei Hitze heftiger zurück: In einem Experiment der US-Forscher Paul A. Bell und Robert A. Baron verteilten die Teilnehmer bei hohen Temperaturen längere Elektroschocks an Personen, die sie vorher kritisiert hatten – bis zu einer Temperatur von 30 Grad. Bei 33 Grad sind die Kritisierten hingegen schon gutmütiger. Erhielten die Teilnehmer ein positives Feedback, schockierten sie das Gegenüber weniger lang. Auch hier nahm die Dauer aber mit der Temperatur zu.

Auch Polizisten reagieren laut einer Studie holländischer Forscher bei Hitze gereizter. So zückten die Beamten in einer Simulation bei 21 Grad zu 60 Prozent die Waffe, bei 27 Grad wurde die Waffe zu 85 Prozent gezückt. Die Polizisten schätzten zudem die gleiche Situation bei Hitze als kritischer ein als bei lautigten Temperaturen.

"Die Hitze macht auch Polizisten zu schaffen"

"Im Sommer findet das Leben eher draußen statt, da kann es gut sein, dass es zu mehr Konflikten und Aggression kommt", sagt Johanna Bundi Ryser, Präsidentin des Verbandes Schweizerischer Polizei-Beamter. Zwar habe man dazu keine Untersuchungen gemacht, aber eine Tendenz sei durchaus denkbar. "Es gibt mehr Anlässe und Feiern im öffentlichen Raum, wo Alkohol konsumiert wird, entsprechend sind die Leute eher enthemmt und gewaltbereit."

Lesen Sie hier mehr zum Thema Hitze:

>>> Hitze-Mythen: Was Sie jetzt keinesfalls tun sollten

>>> Ab wann bekommen wird eigentlich "Hitzefrei"?

>>> Das sind 10 Hitze-Tipps des Roten Kreuzes

Sehen Sie hier: Wann bekommen wir Hitzefrei:
Wann bekommen wir "Hitzefrei"?


Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:


Jetzt kommentieren

Kommentar lesen

Hier können Sie einen Kommentar zum Thema verfassen:

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Southpaw am 31.07.2018 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Zitat:

    "Die vielen Gewalttaten in den letzten Tagen sind kein Zufall" Genau! Sie sind die direkte Folge einer unkontrollierten Zuwanderung von gewaltbereiten jungen Männern.

  • Alex am 31.07.2018 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht agressiv

    Also mir ist heiß, aber da bin ich eher fertig und nicht agressiv.

  • Aveo am 31.07.2018 13:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber nicht!

    Wenn mein Gegebüber agressiv wird und ich dann zu ihm sage: "Oh-warum bist du denn so wütend" hab ich doch erst recht eine kleben... Meines Erachtens nach- kein besonders guter Tip!

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Aveo am 31.07.2018 13:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber nicht!

    Wenn mein Gegebüber agressiv wird und ich dann zu ihm sage: "Oh-warum bist du denn so wütend" hab ich doch erst recht eine kleben... Meines Erachtens nach- kein besonders guter Tip!

  • Southpaw am 31.07.2018 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Zitat:

    "Die vielen Gewalttaten in den letzten Tagen sind kein Zufall" Genau! Sie sind die direkte Folge einer unkontrollierten Zuwanderung von gewaltbereiten jungen Männern.

  • Alex am 31.07.2018 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht agressiv

    Also mir ist heiß, aber da bin ich eher fertig und nicht agressiv.