Anwältin erzählt alles

14. März 2018 15:14; Akt: 14.03.2018 15:49 Print

Praterstern-Bluttat: Darum stach Jafar S. wirklich zu …

Im Live-Interview mit "Heute" sprach Jafar S.’ Anwältin Astrid Wagner erstmals über die Hintergründe der Blutnacht. Sie erzählt, warum er die Arztfamilie attackierte.

Astrid Wagner verteidigt den Messerstecher vom Wiener Praterstern. Jetzt spricht sie bei "Heute".

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Rasend vor Wut soll Jafar S. vergangene Woche in Wien auf eine österreichische Arztfamilie eingestochen haben. Nur 30 Minuten nach dem Messerangriff bei der U1-Station Nestroyplatz ging Jafar S. am Praterstern auf einen Landsmann los.

Übersetzer bei zweitem Treffen

Seit Dienstagvormittag hat der Verdächtige, der in der Wiener Josefstadt in Untersuchungshaft sitzt, eine Anwältin. Nachdem er gestern nur wirre Angaben zum Tag der Tat machte, besuchte Verteidigerin Astrid Wagner ihren Mandanten am Mittwoch erneut – und hatte einen Dolmetscher für Farsi dabei. Direkt nach dem Klientengespräch im Halbgesperre der Justizanstalt kam Wagner zum Live-Interview in die "Heute"-Redaktion nach Wien-Heiligenstadt.

Kein Gewand, dafür Koran

Dabei schilderte Wagner, dass ihr Klient weiterhin keine Kleidung hat – "er trägt ein knielanges, weißes Nachthemd und dazu Schlapfen". Der Verdächtige sitzt mit sieben anderen Afghanen in einer Großraumzelle. Zu den Delinquenten hat er kein gutes Verhältnis: "Sie sind nicht nett zu mir, sie geben mir keine Zigaretten". Während er auf Bekleidung und Rauchware verzichten muss, scheint zumindest ein Problem für Jafar S. gelöst: Er hat mittlerweile einen Koran erhalten, in dem er fleißig schmökert, um nicht wieder vom Teufel beseelt zu werden. Am Montag hat er sich – wie berichtet – versucht, das Leben zu nehmen. Er dürfte sich mit einer Schere in der Nähe der Pulsader geritzt haben. "Jafar S. hat äußerlich aber keine Verletzungen mehr", so Wagner.

Ausraster wegen Portier

Die Frage, die sich das Land seit dem entsetzlichen Amokangriff stellt: Warum rastete der Afghane, der seit 2015 in Österreich lebte, drogensüchtig wurde und bereits inhaftiert war, derart aus. "Er ist an diesen Tag offenbar aus einer Caritas-Einrichtung im 15. Bezirk hinausgeflogen", schildert Anwältin Wagner. Dann ist der Mann offenbar in die Leopoldstadt gefahren, um sich am Nestroyplatz ein Zimmer zu nehmen. "Du bekommst eines, aber nur, wenn du mit mir schläfst", soll der Portier in dem Beherbergungsbetrieb zu Jafar S. gesagt haben – behauptet zumindest der Verdächtige. "Darüber war er so erbost. Schwul zu sein ist in seiner Kultur das schlimmste", so Wagner.

Fröhliche Familie erboste ihn

Durch diese Begebenheit massiv aufgeladen, stürmte Jafar S. auf die Straße. Und erblickte dort eine glückliche Familie, die fröhlich dem Feierabend entgegen spazierte. "Das ertrug er nicht. Er bildete sich ein, dass die Herrschaften ihn auslachen würden", so Wagner. Also stach er zu. Rasend vor Wut. Immer wieder. Im Verhör durch die Kripo hatte er als Motiv angegeben, "einfach in schlechter Stimmung" gewesen zu sein.

Arzt (67) rettete Tochter wohl Leben

Am Dienstag kam auch heraus, warum der Mediziner derart schwer verletzt wurde – weil er seiner Tochter (16) zur Hilfe kam, auf die sich Jafar S. gestürzt hatte. "Heute"-Recherchen zufolge wird der schwer verletzte Mann noch immer auf der Intensivstation eines Wiener Unfallspitals behandelt.

Jetzt sind Experten am Zug

Wie geht es jetzt für Jafar S. weiter? Wegen seines offenkunden wirren Geisteszustandes soll der 23-jährige Afghane nun von einem Psychiater untersucht werden. Auch ein toxikologisches Gutachten steht aus. "Es kann ja sein, dass er high war", so Anwältin Wagner. Sie wird ihn am Freitag wieder im Gefängnis besuchen. Morgen, Donnerstag, spricht er mit seinem zweiten Verteidiger Wolfgang Blaschitz. Die Staatsanwältin ermittelt gegen Jafar S. wegen vierfachen Mordversuchs. Wenn er zum Zeitpunkt seines grausamen Verbrechens zurechnungsfähig war, droht ihm eine lebenslange Freiheitsstrafe. Für Jafar S. gilt die Unschuldsverumutung.

Die Chronik des Messer-Angriffs:

>>> Praterstern-Angreifer verübt Selbstmordversuch

>>> Faschiertes und Püree für den Praterstern-Stecher

>>> Wiener Amokläufer war bereits 2016 im Gefängnis

>>> Amokläufer in Wien erst kürzlich aus Haft entlassen

>>> Praterstern-Angreifer: Protokoll der Flucht

>>> Erstes Foto: Das ist der Praterstern-Angreifer

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wiener1403 am 14.03.2018 16:05 Report Diesen Beitrag melden

    Wer bezahlt das

    Ist doch schon komisch. Kaum kommen diese "Leute" mit dem Gesetz in konflikt, ist auch schon ein(e) Verteidiger(in) mit klingendem Namen zur Stelle. Wer bezahlt das (den oder die) eigentlich? Soziale NGO`s mit unseren Spenden?

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  • genau betrachtet am 14.03.2018 16:00 Report Diesen Beitrag melden

    Geritzt

    Selbstmordversuch-geritzt- heute nichts mehr zusehen. An vier anderen Menschen sind jedoch schwere Verletzungen verübt worden. Klingt eher nach Selbstmitleid mit der Masche, "tue ich mir ein bisschen weh und nennen es Suizidversuch". Vielleicht geht es mit der Wagner ja durch. Erbärmlich

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  • Bärli am 14.03.2018 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Kopfkino

    Dieser Typ im kurzen Nachthemd mit anderen, ihm nicht wohl gesonnenen Häftlingen zusammen? Da fängt das Kopfkino zu laufen an. Der Arme hat sich ein bissi mit der Nagelschere geritzt und schon wird von Suizid gesprochen? Da läuft die Verteidigung schon voll in Richtugn Freispruch wegen Gott weiß was an! Es kann schon sein, daß auch Top-Anwälte zu Pflichtmandaten genötigt werden. Sollten diese und andere Mandate aber freiwillig übernommen werden, sollte man diese Anwälte meiden. Aber die meisten können sie sich das eh nicht leisten.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Nelly am 15.03.2018 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Versuchte mord und wir dürfen auch noch bezahlen f

    Ich verstehe es nicht warum überhaupt Untersuchungshaft, so ein Gutachten dort ein Gutachten usw usw... das einzige Gutachten was erstellt werden soll wann sein Flieger wieder in Heimat abfliegt!!!!

  • Paul Quast am 15.03.2018 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    "Mich wundert, dass ich so föhlich bin"

    Pflichtverteidiger und Unzurechnungsfähigkeit sind wohl schon vorab von den Sponsoren der "Einreisen" zuge- sichert. Ich wünschte mir gerade hier eine Volks- Abstimmung darüber, ob ausser wirklich asylberechtigten Personen die anderen nicht doch wieder generell herausgeschafft werden sollten. Soll erst der von der CIA vorausgesagte Bürgerkrieg eine Entscheidung bringen ?

    • Stummer am 15.03.2018 11:14 Report Diesen Beitrag melden

      Wegen lachen wenn nieder stechen

      Das ist kein Grund auf eine Familie ein zu stechen. Darf man nicht mehr lachen. Und warum spricht er sich angesprochen. In unserm Land fühlt man sich nicht mehr sicher.

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  • jj.l. am 15.03.2018 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    sol das jetzt eine

    entschuldigung sein? was soll der käse? deswegen sticht man keine leut ab. den portier hätt er auf die frechheit eine auflegen können das wär noch verständlich gewesen

  • Bussi am 15.03.2018 10:36 Report Diesen Beitrag melden

    Frau

    Wieso bekommt der noch ein Coran was ist nur mit der Welt los so einen mach ich auf die gleiche Weise nieder!

  • Steve am 15.03.2018 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Juhu, wieder einer Frei...

    Ich verstehe nicht wie Anwälte damit leben können, das sie solche Strafen verteitigen wollen. Und bei uns noch mit erfolg. Die sehen nur das Geld. Meiner Meinung nach sollten solche Verbrecher gar keine Anwälte bekommen. Geht aber auch nicht, weil jeder hat das gleiche Recht. Also wenn ich da der Anwalt vom Afghanen wäre, ich würde absichtlich verlieren. Was wenn der dann frei herrum rennt, und auf meine Familie los geht? Nur weil ich einen Witz hörte und lachen musste.