Buwog Tag 76

20. Februar 2019 16:14; Akt: 20.02.2019 16:23 Print

Kabinettschef mit großen Erinnerungslücken

Spannende Zeugen sagten am Mittwoch im Buwog-Prozess aus. Grassers Sekretärin sprach über lustige Anfragen von Bürgern, sein Kabinettschef fiel durch seine fehlende Erinnerung auf.

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Matthias Winkler, einstiger Pressesprecher und Kabinettschef von Karl-Heinz Grasser, hat wie es scheint so gut wie keine Erinnerung mehr an seine damalige Tätigkeit. Im Gericht am Mittwoch fiel er vor allem durch seine Erinnerungslücken auf.

Die relevante Zeit der Buwog-Privatisierung vor 15 Jahren war ihm, der sich selbst als “engsten beruflichen Vertrauten” Grassers beschrieb, heute offenbar schleierhaft. Er könne sich weder an den medialen Rummel rund um die Privatisierung, die wichtige Öffnung der Angebote oder den entscheidenden Tag des Zuschlags erinnern, sagte er aus.

Buwog ein Randthema
“Weil das eher Randthemen für mich waren”, meinte er. Inhaltlich habe er nirgends mitgearbeitet, seine Aufgabe sei die Kommunikation gewesen. Über damalige Pressekonferenzen zum Thema Buwog konnte man ihm jedoch auch nichts mehr entlocken.

Einmal konnte die Richterin seiner Erinnerung aus diesem Jahr dann doch auf die Sprünge helfen. Denn den Angeklagten Karl Petrikovics wollte Winkler zunächst nicht gekannt haben. Erst beim Stichwort “Wirtschaftsforum St. Moritz” erinnerte er sich plötzlich lebhaft daran, dass er Petrikovics im Jahr 2004 ebendort kennengelernt hatte. Über dem Rest des Jahres 2004 - und eben auch die Buwog-Privatisierung - lag jedoch weiterhin der Schleier des Vergessens.

Praktische Erinnerungen
Bei der Befragung durch Grassers Anwalt Norbert Wess lüftete sich dieser Schleier dann ein wenig. Ausführlich beschrieb er Grassers zuvorkommenden und überdurchschnittlich positiven Umgang mit all seinen Mitarbeitern. Sogar der Anliegen seines Chauffeurs habe er sich angenommen. Und: auch heute noch würden die Mitarbeiter des Finanzministeriums von Grasser schwärmen. Er wisse das, weil er noch immer ab und zu dort vorbeischaue.

Schwiegermuttergeld
Obwohl Winkler nie das Gefühl hatte, dass Grasser etwas vor ihm verheimlichen würde, konnte er keine Angaben zum Schwiegermuttergeld machen. Winkler, der heute Chef ausgerechnet jenen Hotels ist, in dem Grasser während dem Prozess absteigt, will mit ihm nie über private Angelegenheiten gesprochen haben.

Terminkalender sehr akkurat
Am Vormittag war eine weitere Zeugin, Grassers damalige Sekretärin, am Wort. Aus ihrer Sicht wurde der Terminkalender, den sie für Grasser führte, sehr genau und akkurat betreut. Termine, die vermerkt waren, hätten mit ziemlicher Sicherheit so stattgefunden, sagte sie aus.

Das ist interessant, weil das Grasser in seiner Aussage durchaus in Zweifel gezogen hat. Kurzfristige Absagen oder Änderungen bei den Teilnehmern eines vermerkten Termins seien nicht immer korrekt eingetragen gewesen, hieß es von ihm.

Meischberger als privater Besucher
Walter Meischberger hat die Zeugin nur als “Besucher” im Ministerium wahrgenommen. Dass er auch beruflich mit Grasser gearbeitet hätte, davon hat sie nichts bemerkt: “Er hat nicht mit Grasser zusammengearbeitet. Er war befreundet mit dem Minister.” Aber: “Ob er ihn beraten hat, weiß ich nicht”, räumte sie ein.

Krawatten-Anfragen
Um die offizielle E-Mailadresse Grassers kümmerte sich ebenfalls das Sekretariat. Die Zeugin wusste unter anderem von kuriosen Bürgeranfragen zu berichten. So wäre etwa mehrmals die Frage gekommen, wo Grasser seine Krawatten kaufe. Diese habe sie höflich aber stets gleich beantwortet: “Wir wissen nicht, wo der Minister seine Krawatten kauft.”

Fehlender Termin
Besonders interessant in der Befragung der Sekretärin war auch ein fehlender Termin im Kalender. Dieser fand bei Grasser statt, just in der heißen Phase des Buwog-Bieterverfahrens. Der Privatbeteiligtenvertreter wollte von der Zeugin wissen, wie es sein kann, dass Grasser mit etwa sieben Leuten einen Termin abhält, ohne dass sie das in den Kalender einträgt oder mitbekommt (sie saß im Zimmer davor).

Die Frau konnte sich das nicht erklären, bezweifelte sogar, dass der Termin stattgefunden hat. “Es ist aktenkundig, dass es diesen Termin gab”, hieß es dann. Eine weitere Aufklärung der Sache konnte die Zeugin trotzdem nicht liefern.

Am Donnerstag werden weitere Zeugen aussagen. Unter anderem eine Frau, die Matthias Winkler widerspricht und ihn als “Mastermind” Grassers bezeichnet, der über Vieles Bescheid wusste.

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(csc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Seifensieder am 20.02.2019 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Warum werden Zeugen

    die sich in solchen Fällen "an nichts mehr erinnern" können, nicht in Beugehaft genommen? Diese Möglichkeit hat das Gericht ja. Da würde uns mach langer Prozess erspart bleiben.

    einklappen einklappen
  • Bert.K am 20.02.2019 19:38 Report Diesen Beitrag melden

    Hilfsschulmaturanten

    haben ein besseres Gedächnis als diese Manager und Politiker ! Hoffentlich glaubt die Richterin nicht das sich eine schlechte Schauspieltruppe im Raum befindet , sondern höchstbezahlte Manager und Politiker welche reif sind für längere Zeit im Knast zu verschwinden !

  • Masoch am 21.02.2019 08:37 Report Diesen Beitrag melden

    Sacher

    Der Winkler ist doch der Mann von der Gürtlerin (Tochter), denen gehört das Hotel Sacher. Warum spaziert der noch immer im Finanzministerium herum? Wird da gepackelt? An der Steuer vorbei gearbeitet? Das sollte auch gleich bei Gericht geklärt werden wenn man schon dabei ist. Zu den Erinnerungslücken sage/schreibe ich nix, da haben eh 99,99% die gleiche Meinung. Und der Bodensatz der anderer Meinung ist steht aktuell gerade vorm Kadi.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Erinnerungslücke am 22.02.2019 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Erinnerungen

    Zwei Politiker unterhalten sich am Telefon. Der Eine: Bundeskanzler Klima. Der Andere: Ex-Bundeskanzler "Vranz" Vranitzky. Es geht in dem Gespräch um Beratung im Wert von einer Million Schilling. Keiner der beiden kann sich erinnern, worum es genau gegangen ist. Und dann soll ICH mich erinnern, was gestern war? Vorgestern? Vorvorgestern? ...

    • Max Maxin am 22.02.2019 17:29 Report Diesen Beitrag melden

      durchgreifen

      Führerschein gleich weg und inen Sachwalter wenn es im Oberstüberl Erinnerungslücken gibt.

    einklappen einklappen
  • ray becker am 21.02.2019 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    so schauts aus

    schon witzig dass bei leuten in Schlüsselpositionen meistens die Erinnerung am schlechtesten ist. wieso sind sie dann befähigt für diese Positionen?

  • Karli am 21.02.2019 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    schlechter Scherz

    Die Grundvoraussetzung für einen Job im Finanzministerium ist ein schlechtes Gedächtnis und der Finanzminister darf sich bei Finanzen nicht auskennen.

  • Masoch am 21.02.2019 08:37 Report Diesen Beitrag melden

    Sacher

    Der Winkler ist doch der Mann von der Gürtlerin (Tochter), denen gehört das Hotel Sacher. Warum spaziert der noch immer im Finanzministerium herum? Wird da gepackelt? An der Steuer vorbei gearbeitet? Das sollte auch gleich bei Gericht geklärt werden wenn man schon dabei ist. Zu den Erinnerungslücken sage/schreibe ich nix, da haben eh 99,99% die gleiche Meinung. Und der Bodensatz der anderer Meinung ist steht aktuell gerade vorm Kadi.

  • Wolfgang am 21.02.2019 07:23 Report Diesen Beitrag melden

    Schüssel

    Was weiß Hr. Grasser über die ÖVP da er immer noch gedeckt wird.