Politik

"Heuchlerisch" – Kickl feuert Brief an Van der Bellen

Von besinnlicher Vorweihnachtszeit kann keine Rede sein. Zwischen der FPÖ und Bundespräsident Van der Bellen fliegen immer noch die Fetzen.

Leo Stempfl
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Bei der Angelobung durfte Van der Bellen Kickl noch über die Schulter schauen, diesmal wird er per Aussendung mit einem vollendeten Schreiben konfrontiert.
Bei der Angelobung durfte Van der Bellen Kickl noch über die Schulter schauen, diesmal wird er per Aussendung mit einem vollendeten Schreiben konfrontiert.
ROLAND SCHLAGER / APA / picturedesk.com

Das Wochenende vor Weihnachten nutze Bundespräsident Van der Bellen dazu, mehreren Zeitungen ein großes Interview zu geben. Am meisten Aufsehen erregte wohl jenes in der Sonntagsausgabe der "Kleinen Zeitung". Dort sagte der Präsident, dass FPÖ-Chef Herbert Kickl als Minister unter türkis-blau "eine große Belastung" war.

"Kickl war große Belastung" – jetzt fetzt sich FPÖ mit VdB >>

Es kam, was kommen musste, die FPÖ schoss sich auf den Präsidenten ein. "Wenn dem Bundespräsidenten vor Weihnachten nicht mehr als miese Polemik einfällt, ist er als Staatsoberhaupt nicht mehr tragbar", donnerte FPÖ-General Michael Schnedlitz via Aussendung. Der Versuch, "einen demokratisch gewählten freiheitlichen Bundesparteiobmann und Klubobmann anzupatzen", sei "entbehrlich".

Kickl legt persönlich nach

Tags darauf, am Montag, verfasste Herbert Kickl höchstpersönlich einen offenen Brief an Van der Bellen. Er sei überrascht, dass der Präsident ihm derart viel Aufmerksamkeit schenke. Er wisse nicht, ob er Van der Bellen "für glücklich oder für bedauernswert halten soll", wenn ihm zum Thema "Belastung" ausgerechnet die Zeit Kickls als Innenminister einfällt. "Eine seltsame – wenn auch zur Unvernunft der Regierung passende – Schwerpunktsetzung Ihres Unbehagens."

Wie eine kurze Nachschau zeigt, hat Van der Bellen Herbert Kickl in seinen Interviews aber überhaupt nicht von sich selbst aus angesprochen. Im Interview mit der "Kleinen Zeitung", welches Kickl in seinem Brief referenziert, war es der Interviewer, der fragte "Hätten Sie gegen Herbert Kickl damals Ihr Veto einlegen sollen?" Auch in der "Kronen Zeitung" kam dieses Thema erst durch Ansprache des Mediums auf.

Heuchlerisch oder mutlos?

Während seinen eineinhalb Jahren als Innenminister habe ihm der Präsident dieses Belastungsgefühl jedenfalls nicht zum Ausdruck gebracht, so Kickl. "War es ein anderes Empfinden damals, war es gar heuchlerische Verstellung oder war es einfach nur fehlender Mut?"

Kickl geht abschließend jedenfalls von Letzterem aus und freut sich, dass dieser Mut nun offenbar gefunden wurde. Er hofft, dass die Politik der aktuellen Regierung retrospektiv ebenfalls als Belastung eingestuft wird. "Mit den besten Wünschen für eine besinnliche Weihnachtszeit, Herbert Kickl", schließt der Bundespartei- und Klubobmann.

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