Kanzler gewinnt Vertrauen, doch ER ist der bekannteste

Der bekannteste Politiker sitzt nicht auf der Regierungsbank, sondern in den Reihen der 183 Abgeordneten.
Der bekannteste Politiker sitzt nicht auf der Regierungsbank, sondern in den Reihen der 183 Abgeordneten.HERBERT NEUBAUER / APA / picturedesk.com
Am meisten Vertrauen gewann Neo-Kanzler Nehammer, der beliebteste ist der Bundespräsident. Doch am bekanntesten ist ein anderer.

Nicht nur Bundeskanzler Karl Nehammer, sondern natürlich auch Außenminister Alexander Schallenberg waren in den vergangenen Tagen in Brüssel, wo gerade der EU-Gipfel stattfindet. Zudem gab es ein Zusammentreffen der Europäischen Sozialdemokraten, SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner traf sich dabei unter anderem mit dem neuen deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz. 

Diesen hat auch Nehammer zum Antrittsbesuch nach Österreich eingeladen, doch ob sich das heuer noch ausgehen wird, ist fraglich. Der Fokus lag beim Gipfel hingegen auf Diskussionen rund um die Aufnahme der Kernenergie in die Liste nachhaltiger Energieerzeugung. "Wahrscheinlich verlieren wir den Krieg", resümierte Nehammer die Gespräche in Anbetracht der in Österreich eher ablehnenden Haltung der Atomkraft gegenüber.

Nehammer größter Gewinner

Um ablehnende Haltungen sollte es auch im APA/OGM-Vertrauensindex gehen, der unterdessen hierzulande erhoben wurde. Wie immer werden dort 800 Österreicher zu den heimischen Spitzenpolitikern befragt und ob diese einem positiv oder negativ aufgefallen sind, der Saldo daraus ergibt ein Politiker-Ranking (mit einer Schwankungsbreite von 3,5 Prozent).

Jenes fällt für Neo-Kanzler Nehammer durchaus erfreulich aus: Mit plus 15 Punkten hat er den größten Vertrauenszuwachs aller Politiker. Für Platz 1 reicht das jedoch nicht, hier thront nach wie vor Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Er verzeichnet zwar ein Saldo von 38 Punkten, gegenüber der September-Befragung ist das aber ein Minus von vier Punkten.

Der Abstand auf den zweiten Rang ist nach wie vor enorm. Erst mit 23 Punkten folgt Justizministerin Alma Zadić, die wohl durch die ausbleibenden Angriffe der ÖVP auf die Justiz sechs Punkte dazugewinnen konnte.

PRW nicht beliebteste SPÖ-Politikerin

Arbeitsminister Martin Kocher verlor fünf Punkte, liegt mit insgesamt elf aber trotzdem noch auf Rang 3. Dahinter folgt als bestbewertete SPÖ-Politikerin nicht die Chefin, sondern die dritte Nationalratspräsidentin Doris Bures (plus vier auf neun). Erst dann reiht sich Karl Nehammer auf Rang 5 ein, durch die plus 15 Punkte kommt er auf ein positives Saldo von sieben.

Es folgen drei grüne Regierungsmitglieder: Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (plus drei auf fünf), Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (minus fünf auf drei) und Vizekanzler Werner Kogler (minus vier auf zwei). Drei weitere Politiker sind im Vertrauenssaldo gerade so noch im Plus: Der kurz vor Abfrage ins Finanzministerium gehechelte Magnus Brunner (plus sechs auf zwei), NEOS-Vorsitzende Beate Meinl-Reisinger (plus zwei auf eins) und der neue Bildungsminister Martin Polaschek (Saldo +1).

Kickl bekanntester Politiker

Endlich nicht mehr im negativen Spektrum sondern einen ausgewogenen Index weist Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) auf, sie gewann ganze elf Punkte hinzu. Kurz-Kanzler Schallenberg (ÖVP) verlor 13 Punkte auf minus neun, Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) minus neun auf minus 23, Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) minus sieben auf minus sechs.

Seit langer Zeit "Dauerabonnent" für den letzten Platz im Vertrauensranking, so OGM-Chef Wolfgang Bachmayer laut "APA", ist FPÖ-Chef Herbert Kickl. Er verlor weitere acht Punkte an Vertrauen und liegt nun bei einem Negativ-Saldo von minus 57. Seine Äußerungen polarisieren derart, dass er mittlerweile der bekannteste Politiker des Landes ist – noch vor dem Bundespräsidenten oder den drei Bundeskanzlern der letzten Monate.

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