"Deliver Us The Moon" im Test: Allthriller für Konsole

Auf dem PC hat "Deliver Us The Moon" bereits im Vorjahr für Furore gesorgt, nun gibt es den Science-Fiction-Thriller auch für PlayStation 4 und Xbox One.
"Deliver Us The Moon" versorgte uns in der PC-Version bereits mit einer Grafik, die für einen Indie-Titel erstaunlich war. Auch bei der Konsolenversion bleibt das Spiel bei seinen Stärken und verändert nur Kleinigkeiten. Ein kurzer Rückblick: Der erste Teil des Games wurde nach einer Kickstarter-Kampagne bereits 2018 veröffentlicht, Ende 2019 war die PC-Version von KeokeN Interactive fertig.

Weil der Launch bombastisch einschlug, war eine Konsolenversion nur eine Frage der Zeit. Während nun die PS4- und Xbox-Fassung da ist, muss man auf die Ausgabe für die Nintendo Switch noch bis zum Sommer warten. Diese dürffte auch spannend werden, denn es ist kaum vorstellbar, dass das Game die absolut fantastische Grafik auch auf den eher kleinen Switch-Bildschirm bringen kann.

Die Geschichte von "Deliver Us The Moon" ist schnell erzählt. Die Ressourcen der Erde sind aufgebraucht, die Menschheit sucht nach einem Weg um im All zu überleben. Auf dem Mond wird dazu eine neue Energiequelle angezapft, der Kontakt reißt aber ab. Als letzter Astronaut der Erde soll man Jahre danach versuchen, wieder Kontakt herzustellen und das Geheimnis zu lüften, was denn da am Mond genau schiefgelaufen ist.

CommentCreated with Sketch. zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Atmosphäre statt Actionorgie

Keine Sorge, das Spiel artet nicht in einer Action-Orgie wie "Doom" aus, sondern besinnt sich auf Atmosphäre und Erkundung. Dazu gibt es einen orchestralen Soundtrack auf die Ohren, von dem sich anderen Spiele etwas abschauen können. Gestartet wird auf einer ramponierten Erde, wo man im Eiltempo aufgrund eines zerstörerischen Sandsturms die letzte Rakete fertigstellen muss, die die Erde noch verlassen kann.

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Besonders spielt sich der Mix aus First- und Third-Person-Perspektive, das Game wechselt automatisch nach Spielgeschehen hin und her. Das anfängliche Gameplay dreht sich vor allem ums Erkunden mit immer wieder auftretenden kleineren Rätseln. Sie nehmen zu, sobald man die Erde verlassen und an eine Raumstation angedockt hat – und sind neben der Grafik das Herzstück des Games. Die Rätsel glänzen mit Realismus, aber auch mit logischen Abläufen und nicht zu leichten Lösungen.

Viele Passagen unter Zeitdruck

An der messerscharfen Grafik kann man sich leider nicht in allen Momenten des Spiels satt sehen, denn trotz aller Schönheit und entdeckbarer Geheimnisse drängt meist die Zeit. Anfangs ist es der nahende Sandsturm, später der beschränkte Sauerstoff, der zur Eile antreibt. Und manchmal macht einem die Steuerung einen Strich durch die Rechnung.

Zwar funktioniert die Steuerung über Tasten und Sticks sehr einfach, weigert sich in einigen Passagen aber stur, den richtigen Befehl auszulösen. Das hatte am PC noch besser funktioniert, kann aber sicher mit einem Update behoben werden. Ein anderes Problem hat "Deliver Us The Moon" aber von der PC-Fassung übernommen: Kommt man an einer Schalttafel nicht weiter oder findet sein nächstes Missionsziel nicht, bleibt nichts anderes als Ausprobieren und Rumlaufen übrig. Kleine Hinweise wären hier nett gewesen.

Atemberaubende Grafik

Das Spiel selbst wurde von einem unabhängigen, kleinen Team mit der Unreal-4-Engine entwickelt, sieht aber dank Nvidia-RTX-Unterstützung, Ray-Tracing und Co. wie ein Multimillionen-Mammutprojekt aus – und spielt sich auch so. Beim Gang über Sand oder Metall "fühlt" man als Spieler den Unterschied beinahe, und bis auf kleine Grafikeinbrüche in weiten, offenen Flächen und einigen Textfehlern gibt es nicht mehr viel, was man beanstanden kann.



Schade, dass die Grafik nicht überall so gut zur Geltung kommt, denn viele Passagen des rund sieben- bis achtstündigen Spiels bestehen auch aus kargen Gängen von Raumstationen ohne nennenswerte Details. Darüber kann man sich ärgern, dafür ist jede Außenkulisse eine Leistung, die man aus kaum einem anderen Spiel kennt.

Storyfetzen sorgen für Freude

Die Story selbst spielt sich zwar großteils über gefundene Logbücher und Daten ab, bietet aber dennoch Spannung und gute Wendungen. Anders als bei vielen Spielen dieser Art ist man hier allerdings motiviert, sich durch die Dokumente zu lesen, da sie teils sehr persönliche und tiefgründige Geschichten offenbaren, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Im neuen Abschlussteil des Spiels, der in der vorigen Fassung noch gefehlt hat, bricht schließlich auch mehr Action-Adventure durch. Abgründe müssen überwunden, mit Drohnen Raumstation-Systeme aktiviert und per Brachialgewalt Mauern durchbrochen werden. Und ein spannendes, fertig erzähltes Ende gibt es nun auch, das zu gefallen weiß.

Ein All-Thriller für alle Spieler

Gerne wird "Deliver Us The Moon" als "Walking Simulator" verrufen, was es eigentlich auch ist. Doch einen solchen Simulator hat man als Spieler noch nie erlebt. Die Grafik ist einsame Klasse, die Atmosphäre dicht wie in einem spannenden Science-Fiction-Film und die Erkundung wird von tollen Rätseln und Sprechern sowie gut gestreuten Action-Passagen unterbrochen.



Nur ein Wunsch noch am Schluss: Schafft man es, die Ladezeiten noch etwas zu drücken, wäre das Spiele-Erlebnis im All ein noch nahtloseres, als es ohne hin schon ist. Was bei der Komnsolenversion aber noch dazu kommt, ist eine gute Wiederspielbarkeit des Games. Einige Trophäen erfordern es, gewisse Passagen auf bestimmten Wegen zu bewältigen. Mit dieser Atmosphäre macht man das gerne.

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