1. Studie belegt "Leben als Film"-Phänomen vor Tod

Einige der wiederbelebten Studienteilnehmer sprachen davon, dass sie "auf ein Ziel zusteuerten".
Einige der wiederbelebten Studienteilnehmer sprachen davon, dass sie "auf ein Ziel zusteuerten".Getty Images/iStockphoto
In einer Studie berichtete jeder Fünfte an der Schwelle des Todes von "luziden Erfahrungen". Gehirnstrommessungen konnten diese nun belegen.

Die wissenschaftlichen Fortschritte des 20. und 21. Jahrhunderts haben zu einer bedeutenden Entwicklung im Verständnis des Todes geführt. Gleichzeitig erinnern sich Menschen, die eine Begegnung mit dem Tod überlebt haben, seit Jahrzehnten an unerklärliche luzide (klaren; Anm.) Episoden mit erhöhtem Bewusstsein. Diese Erlebnisse wurden unter dem populären, aber wissenschaftlich schlecht definierten Begriff "Nahtoderfahrungen" zusammengefasst.

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Jeder Fünfte hat "luzide Erfahrungen"

In einer neuen Studie, die von Dr. Sam Parnia und einem Forscherteam der New York University's Grossman School of Medicine veröffentlicht wurde, wurden 567 Männer und Frauen untersucht, die in einem Krankenhaus eine Herz-Lungen-Wiederbelebung erhielten, als ihr Herz aufhörte zu schlagen. Obwohl sich weniger als 10 Prozent der Patienten so weit erholten, dass sie aus dem Krankenhaus entlassen werden konnten, berichtete jeder fünfte Überlebende der Studie zufolge von einer Bewusstseinserweiterung und "einzigartigen luziden Erfahrungen". Die Überlebenden berichteten den Forschern, dass sie eine "Wahrnehmung der Trennung vom Körper, die Beobachtung von Ereignissen ohne Schmerzen oder Ängste und eine sinnvolle Bewertung des Lebens, einschließlich ihrer Handlungen, Absichten und Gedanken gegenüber anderen" erlebten, so die Universität.

Gehirnstrommessungen belegen Aktivität des Gehirns

Parnia, Direktor für Intensivpflege und Wiederbelebungsforschung an der NYU Langone, ist seit langem darauf fixiert, was mit dem menschlichen Gehirn nach dem Tod geschieht. Die Berichte der Überlebenden, so die Forscher, unterscheiden sich von "Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Illusionen, oder Träumen". "Es handelt sich um reale Erfahrungen, die auftreten, wenn wir sterben", so Parnia. 

Der Arzt hat bei den Patienten, die ins Leben zurückgeholt wurden, und bei solchen, die sich "am Rande des Lebens oder des Todes" befanden, die Gehirnströme überwacht. "Wir haben die Gehirnwellen bei Menschen bis zu einer Stunde nach ihrer Wiederbelebung identifiziert. Das sind Gehirnwellen, die man normalerweise sieht, wenn Menschen bewusste Denkprozesse haben oder wenn sie ihre Erinnerungen abrufen. Diese erinnerten Erfahrungen und Gehirnwellenveränderungen können die ersten Anzeichen der sogenannten Nahtoderfahrung sein, und wir haben sie zum ersten Mal in einer großen Studie erfasst“, sagt Parnia. Die Identifizierung messbarer elektrischer Anzeichen klarer und erhöhter Gehirnaktivität zusammen mit ähnlichen Geschichten von erinnerten Todeserfahrungen legt nahe, dass das menschliche Bewusstsein, ähnlich wie andere biologische Körperfunktionen, zum Zeitpunkt des Todes möglicherweise nicht vollständig aufhört.

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In die Tiefen des menschlichen Bewusstseins vordringen

Einige der Studienteilnehmer sprachen davon, dass sie "auf ein Ziel zusteuerten". Parnia erklärt: "Während das Gehirn herunterfährt, werden viele seiner natürlichen Bremssysteme freigegeben. Diese Enthemmung ermöglicht den Zugang zu den Tiefen des menschlichen Bewusstseins, einschließlich gespeicherter Erinnerungen, Gedanken von der frühen Kindheit bis zum Tod und anderer Aspekte der Realität. Auch wenn niemand den evolutionären Zweck dieses Phänomens kennt, so wirft es doch faszinierende Fragen über das menschliche Bewusstsein auf, selbst nach dem Tod."

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