40 Lawineneinsätze binnen weniger Tage, 450 Bergretter im Dauereinsatz und zehn Tote zwischen 15. und 24. Feber – Tirol wurde von einer massiven Lawinen-Serie erschüttert. Allein von Freitag bis Sonntag wurden 71 Lawinenabgänge bei der Leitstelle gemeldet, viele davon nach ersten Einschätzungen von Variantenfahrern ausgelöst. Das alles, obwohl großteils Warnstufe vier galt – die zweithöchste Stufe der fünfteiligen Skala.
Das Land hatte sogar zwei AT-Alerts ausgeschickt, auch der Lawinenwarndienst warnte eindringlich davor, den freien Skiraum und Variantenabfahrten zu nutzen. Die Botschaft war klar: Die Situation ist brandgefährlich. Trotzdem wagten sich zahlreiche Wintersportler ins Gelände. Für die Einsatzkräfte bedeutete das stundenlange Suchaktionen – selbst dann, wenn sich am Ende herausstellte, dass niemand verschüttet war. Jeder Lawinenkegel muss im Ernstfall abgesucht werden.
Rund 450 Mitglieder der Bergrettung standen in der vergangenen Woche im Einsatz, unterstützt von Hundestaffeln und Hubschraubern. Die Belastung sei enorm gewesen, hieß es aus den Reihen der Retter. Viele hätten an ihre Grenzen gehen müssen. Auch Lawinen ohne Personenbeteiligung sorgen für Großeinsätze, weil eine Entwarnung erst nach gründlicher Suche möglich ist.
Jetzt fordert die Tiroler Sicherheitslandesrätin ein Ende der "Vollkaskomentalität". Wer bei Warnstufe vier ins Gelände fährt und dadurch einen Such- oder Bergeeinsatz auslöst, soll das künftig deutlich in der Geldbörse spüren. Zwar werden alpine Rettungseinsätze in Österreich grundsätzlich verrechnet, viele Wintersportler sind jedoch entsprechend versichert. Genau das sieht das Land als Problem.
Versicherungen sollten sich das Geld bei grob fahrlässigem Verhalten zurückholen. Zusätzlich wird eine Staffelung der Einsatzkosten nach Lawinenwarnstufe überlegt. Ein Einsatz bei Stufe vier könnte deutlich teurer werden als bei Stufe drei. Grob fahrlässiges Verhalten müsse finanziell spürbare Folgen haben, so die klare Ansage. Nach zehn Lawinen-Toten in nur wenigen Tagen ist der Ruf nach Konsequenzen laut. Ob höhere Rechnungen tatsächlich für mehr Vernunft im Gelände sorgen, wird sich allerdings erst im nächsten Winter zeigen.