Für Tirols Bergretter war das Wochenende ein Einsatzmarathon. Nach aktuellem Stand musste die Bergrettung Tirol in der vergangenen Woche zu insgesamt 40 Lawineneinsätzen ausrücken. Rund 450 Einsatzkräfte standen im Dauereinsatz. Für sieben Wintersportler, überwiegend Variantenfahrer, kam jede Hilfe zu spät.
Die enorme Belastung sei nur durch das Ehrenamt möglich gewesen, betont Peter Haidacher von der Landesleitung der Bergrettung Tirol. "Wir sind alles Ehrenamtliche, eine bezahlte Einsatzorganisation hätte diese Herausforderungen sicher nicht bewältigen können", schildert er gegenüber der "Krone". Die Einsatzkräfte seien extrem gefordert gewesen.
Viele Wintersportler würden zudem irrtümlich glauben, eine Bergung sei kostenlos. Tatsächlich verrechnet die Bergrettung für jeden Einsatz Pauschalen. In Tirol fallen diese höher aus als in anderen Bundesländern, was unter anderem mit der Größe des Einsatzgebiets zusammenhängt. "Sie werden vermutlich demnächst österreichweit vereinheitlicht", kündigt Haidacher, in der Landesleitung Tirol für Finanzen zuständig, an.
Gerade bei Lawinenabgängen sind oft mehrere Hubschrauber im Einsatz. Dadurch können schnell Rechnungen in Höhe von mehreren Tausend Euro entstehen. Die Einnahmen fließen in Ausrüstung und Infrastruktur der Bergrettung – die ehrenamtlichen Retter selbst erhalten dafür kein Entgelt.
Die dramatischen Tage haben auch bei den Einsatzkräften Spuren hinterlassen. "Jede Suchaktion bedeutet psychischen Stress", sagt Haidacher. Besonders entscheidend seien die ersten zehn bis 15 Minuten nach einem Lawinenabgang – sie können über Leben und Tod entscheiden.
Haidacher richtet auch einen Appell an Wintersportler: "Jeder hat das Recht auf sein Risiko, aber kein Recht auf Rettung um jeden Preis." Unabhängig davon, ob ein Unglück aus Leichtsinn passiert sei oder nicht, werde geholfen. "Wir retten, unabhängig davon, ob ein Unglück aus Leichtsinn passierte oder nicht."
Ob leichtsinniges Verhalten künftig höhere Kosten nach sich ziehen soll, sei eine politische Frage. Hier müsse entschieden werden, ob die "Preise" für Einsätze steigen.
Wer Fördermitglied der Bergrettung wird, zahlt 36 Euro pro Jahr und erhält dafür eine Bergekostenversicherung bis zu 30.000 Euro jährlich – ähnlich wie beim Alpenverein. Da viele Wintersportler inzwischen versichert sind, bleibt die Bergrettung in der Regel nicht auf den Kosten sitzen.