5 Tote in Österreich

Warnungen ignoriert – Lawinen reißen 20 Skifahrer mit

Für den Freitag galt die zweithöchste Lawinenwarnstufe, trotzdem wagten sich Wintersportler in den ungesicherten Bereich – mit drastischen Folgen.
Newsdesk Heute
21.02.2026, 08:44
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Schon seit Beginn der Woche gilt beinahe in allen Regionen Tirols und Vorarlbergs die zweithöchste Lawinenwarnstufe 4 von 5. Auf allen Kanälen warnen die Behörden vor einer "sehr gefährlichen Situation", in der spontane und große Lawinen am laufenden Band auftreten.

Darum ist die Lawinengefahr aktuell so groß

Viel Neuschnee und Triebschnee überlagern eine schwache Altschneedecke. Der viele Neuschnee und die mit dem starken Westwind entstehenden, umfangreichen Triebschneeansammlungen sind an allen Expositionen oberhalb der Waldgrenze sehr störanfällig. Die Gefahrenstellen sind zahlreich. Sie liegen auch im Steilgelände im Bereich der Waldgrenze.

"Die Situation ist für Wintersport gefährlich", warnten auch die Behörden im angrenzenden Salzburg. "Gefahrenbereiche sind zum Teil kaum erkennbar und verlangen eine sehr defensive Routenwahl." Größtes Gebot: Auf den markierten Pisten bleiben.

Doch all das half nichts. Im Laufe des Freitags gingen vorrangig in Tirol und Vorarlberg unzählige Lawinen ab, die leider auch weit über 20 Personen erfassten, mitrissen, verschütteten. An nur einem Tag sind fünf Tote zu beklagen. Die tragische Bilanz:

11 Uhr, Fügenberg: 1 Opfer

Gegen 11 Uhr fuhr eine neunköpfige deutsche Freerider-Gruppe im Schigebiet Hochfügen in den ungesicherten Schibereich in Richtung Pfundsalm. Einer der Gruppe, ein 19-jähriger Deutscher, wurde dabei von einer Lawine ca. 250 Meter mitgerissen.

Er konnte seinen Lawinen Airbag auslösen. Der Mann wurde komplett verschüttet, nur sein Airbag ragte noch aus dem Schnee. Seine Kameraden befreiten den 19-Jährigen. Er wurde im Krankenhaus Schwaz untersucht und unverletzt entlassen. Im Einsatz standen die Alpinpolizei und der Polizeihubschrauber.

11.15 Uhr, Nauders: 1 Toter

Gegen 11.15 Uhr fuhr ein 42-jähriger Deutscher mit seinem 16-jährigen Sohn im Schigebiet Nauders-Bergkastel. Gegen 11 Uhr verließen die beiden Schifahrer den gesicherten Schiraum und querten einen Nordhang, als sich ein ca. 400 Meter breites Schneebrett löste und beide Wintersportler ca. 200 bis 300 Meter mitriss.

Der 16-jährige blieb verletzt an der Schneeoberfläche liegen, der 42-Jährige wurde teilweise verschüttet. Der Jugendliche setzte einen Notruf ab und es wurde ein Lawineneinsatz ausgelöst. Eine Reanimation des 42-Jährigen an der Unfallstelle verlief negativ. Der 16-Jährige wurde mit dem Rettungshubschrauber in das Krankenhaus Zams geflogen. Im Einsatz standen die Bergrettung Nauders, ein Rettungshubschrauber, Liftbedienstete, Schilehrer und die Alpinpolizei.

12.30 Uhr, Kappl: 12 Opfer

Am 20. Februar 2026, gegen 12.30 Uhr löste sich im Variantenbereich des Schigebietes Kappl eine Lawine und erfasste 12 Personen im Alter von 18 bis 43 Jahren (10 Deutsche und 2 Österreicher). Sechs Personen wurden teilweise und drei Personen zur Gänze verschüttet.

Es wurde eine große Suchaktion unter Beteiligung der Bergrettungen See und Kappl, Lawinenhunden, vier Notarzthubschraubern, der Bergbahn und der Schischule Kappl, 52 freiwilligen Helfern und der Alpinpolizei eingeleitet.

Noch vor dem Eintreffen der Einsatzkräfte am Lawinenkegel konnten alle Beteiligten per Kameradenrettung aus der Lawine befreit werden. Eine Person erlitt bei dem Lawinenunfall eine schwere Verletzung am Bein zu. Sie wurde mit dem Rettungshubschrauber geborgen. Eine weitere Person erlitt eine Hüftprellung.

14.45 Uhr, Stubaital: 1 Opfer

Gegen 14.45 Uhr fuhren ein 54-jähriger Neuseeländer und sein 25-jähriger Sohn vom Schigebiet Schlick in Telfes im Stubaital aus Variantenabfahrten im freien Schiraum. Dabei löste sich eine Lawine und riss den 25-Jährigen ca. 200 Meter mit.

Der Neuseeländer kam bewusstlos in der Sturzbahn zu liegen. Es wurde ein Notruf abgesetzt. Der 25-Jährige erlangte selbständig wieder das Bewusstsein. Ein Bergeversuch mit dem Polizeihubschrauber musste witterungsbedingt abgebrochen werden.

Im Auslauf der Rinne konnten der 25-Jährige und sein Vater von der Alpinpolizei und der Mannschaft der Bergrettung Vorderes Stubai und Neustift sowie einem Bergrettungshundeführer ausgemacht und ins Schigebiet begleitet werden. Der 25-jährige wurde im Anschluss terrestrisch ins Tal transportiert und von der Rettung mit Verdacht auf eine Gehirnerschütterung in die Klinik Innsbruck eingeliefert.

15 Uhr, Arlberg: 5 Opfer, 3 Tote

Am 20. Februar 2026, gegen 15 Uhr fuhren fünf Freerider im Schigebiet von St. Anton im Bereich des Gampbergs im freien Schiraum, auf einer Seehöhe von ca. 2000 Metern in eine nordseitige Abfahrt im Bereich der sogenannten "Gertrud-Gabl-Rinne". Dabei löste sich ein Schneebrett, welches alle fünf Schifahrer erfasste und mitriss.

Die Lawine löste sich auf einer Breite von ca. 450 Metern in dem sehr steilen Nordhang, ging durch teilweise felsdurchsetztes Gelände durch Rinnen und offene Flächen ab, verteilte sich über den kompletten Hang und hatte eine Sturzbahnstrecke von ca. einem Kilometer. Im Auslaufbereich stauten sich mehrere Lawinenkegel mit mehreren Metern Ablagerungshöhe. Unbeteiligte Zeugen setzten einen Notruf ab und es wurde eine großangelegte Suchaktion eingeleitet.

Zwei Personen, ein US-Amerikaner und ein Pole konnten nur noch tot aus der Lawine geborgen werden, ein 23-jähriger Niederländer wurde schwer verletzt aus der Lawine geborgen und mit dem Rettungshubschrauber in das Krankenhaus Zams geflogen. Ein 21-jähriger Österreicher wurde an der Unfallstelle reanimiert und in die Klinik Innsbruck geflogen, wo er wenig später verstarb. Ein 19-jähriger Ire wurde von dem Schneebrett mitgerissen, aber nicht verschüttet. Er erlitt lediglich leichte Verletzungen.

15.30 Uhr, Sonnenkopf: 1 Toter

Gegen 15.30 Uhr fuhren zwei mit Notfallausrüstung ausgestattete Snowboarder, ein 39-jähriger Mann aus der Schweiz und ein 47-jähriger Mann aus Deutschland, im Schigebiet Sonnenkopf im Gemeindegebiet von Klösterle von der Piste Nr. 9 ins freie Gelände ab.

Dabei löste der 39-Jährige in einem rund 40 Grad steilen Hang ein Schneebrett aus und wurde etwa 250 Meter mitgerissen sowie vollständig verschüttet. Der 47-jährige Begleiter setzte umgehend einen Notruf ab und begann mit der LVS-Suche. Aufgrund der erheblichen Lawinengefahr wurde er vom Rettungshubschrauber "Gallus 2" unverletzt geborgen. Der ebenfalls alarmierte Polizeihubschrauber "Libelle Vorarlberg" führte zeitgleich einen Erkundungsflug durch.

Der Verschüttete konnte schließlich durch die Einsatzkräfte in einer Tiefe von 1,35 Metern geortet und ausgegraben werden. Die Reanimation verlief erfolglos, der 39-Jährige verstarb an der Unfallstelle.

{title && {title} } red, {title && {title} } 21.02.2026, 08:44
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