Tragödie vom Achensee

Heli-Absturz mit vier Toten – neuer Streit um Ursache

Über die wahre Unfallursache des Hubschrauber-Absturzes 2011 in den Achensee wird bis heute diskutiert. Ein neues Buch soll nun Aufklärung schaffen.
Newsdesk Heute
23.02.2026, 10:36
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Vier Tote, ein Wrack am Grund des Achensees – und bis heute Streit um die wahre Ursache: Der Absturz des Polizeihubschraubers OE-BXF zählt zu den schwersten Unglücken in der Geschichte der österreichischen Flugpolizei.

Am 30. März 2011 stürzte ein EC 135 der Flugpolizei in den Tiroler Achensee. Drei österreichische Polizeibeamte und ein Schweizer Grenzschützer kamen ums Leben. Der Helikopter mit dem Funknamen "Police Foxtrot" war unmittelbar vor dem Absturz aus dem Horizontalflug nach rechts abgekippt und in einen steilen Sturzflug geraten. Dabei wurde kurzzeitig eine Sinkrate von bis zu 5.000 Fuß pro Minute erreicht – ein extrem hoher Wert, der laut Experten nicht absichtlich geflogen wird.

Zwei unterschiedliche Berichte

Eine hochkarätig besetzte interne Untersuchungskommission der Flugpolizei legte 2012 einen umfassenden Bericht vor. Die Ursache konnte nicht eindeutig geklärt, jedoch auf drei plausible Szenarien eingegrenzt werden: ein akutes gesundheitliches Problem des erfahrenen Piloten, eine plötzliche Beeinträchtigung durch "Flicker Vertigo" oder Vogelschlag.

Acht Jahre später veröffentlichte jedoch die beim Verkehrsministerium angesiedelte Sicherheitsuntersuchungsstelle des Bundes (SUB) einen eigenen Bericht. Darin wurde überraschend dem Piloten die alleinige Verantwortung für den Absturz zugeschrieben.

Laut dieser Darstellung habe Chefinspektor Markus Pumpernick – mit über 2.500 Flugstunden, fast 5.000 Starts und Landungen und mehr als zehn Jahren unfallfreier Dienstzeit – ohne erkennbaren Anlass ein riskantes Manöver durchgeführt, sich in der Flughöhe verschätzt und sei deshalb in den See gestürzt.

Scharfe Kritik

Für diese These wurden laut Kritikern keine handfesten Beweise vorgelegt. Kritisiert wurden zahlreiche fachliche Mängel und offensichtliche Fehler. Zudem wird beanstandet, dass an der Erstellung Personen beteiligt gewesen seien, die keine Qualifikation als Hubschrauber-Einsatzpiloten hatten.

Noch am Abend des Unglücks soll es laut Darstellung vor Zeugen zu einer Vorverurteilung des verstorbenen Piloten gekommen sein. Ein Ermittler der SUB habe sinngemäß erklärt, der Unfall müsse nicht weiter untersucht werden, für ihn sei bereits klar: Pilotenfehler aufgrund von Leichtsinn. Zu diesem Zeitpunkt lagen der Hubschrauber und drei der vier Leichen noch in 104 Metern Tiefe auf dem Grund des Achensees.

Am 30. März 2011 stürzte ein Polizeihubschrauber in den Tiroler Achensee. Vier Personen kamen ums Leben. Über die wahre Absturz-Ursache wird bis heute diskutiert.
www.der-rasende-reporter.info

Das Innenministerium ließ den ursprünglichen Bericht der Flugpolizei ab 2019 durch ein internationales Expertengremium aus Deutschland und der Schweiz erneut prüfen. Laut schriftlicher Stellungnahme des Ministeriums vom Februar 2026 bestätigte dieses Gremium im Jahr 2022 "im Wesentlichen" die Erkenntnisse der ersten internen Unfallkommission von 2012.

Buch zur Absturz-Aufarbeitung

Der Luftfahrtjournalist Patrick Huber hat beide Berichte für sein 26. Buch detailliert ausgewertet und auf Plausibilität geprüft. In "Der Unglücksflug von ,Police Foxtrot’ – das Rätsel um den Achensee-Absturz" zeichnet er den letzten Flug der OE-BXF minutiös nach, analysiert gemeinsam mit Piloten die möglichen Ursachen und arbeitet fachliche Mängel sowie Ungereimtheiten im umstrittenen SUB-Bericht heraus.

Ergänzt wird das Werk durch ein ausführliches Interview mit dem ehemaligen Leiter der Flugpolizei Werner Senn. Huber belegt seine Darstellung mit Quellen, Aussagen von Piloten und detaillierten Analysen. Sein Buch versteht sich zugleich als faktenbasierte Aufarbeitung und als Würdigung jener vier Männer, die im Dienst der öffentlichen Sicherheit ihr Leben verloren.

{title && {title} } red, {title && {title} } 23.02.2026, 10:36
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