Brisanter Brief aufgetaucht

Toter Häftling – Anstaltsleiter ist "stolz" auf Beamte

Nach dem Tod eines Insassen in der Justizanstalt Hirtenberg laufen Ermittlungen. Der Gefängnis-Chef ist dennoch "stolz" auf seine Mitarbeiter.
Christian Tomsits
19.02.2026, 09:08
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Die tragische Causa in der Justizanstalt Hirtenberg (Niederösterreich) lässt die heimische Justiz nicht los. Der Tod eines 30-jährigen Insassen wird derzeit nach wie vor von der Staatsanwaltschaft Eisenstadt untersucht. Gegen zwölf beteiligte Beamte besteht der Verdacht auf Körperverletzung mit tödlichem Ausgang im Amt, was mit bis zu 15 Jahren Haft bedroht ist – wir berichteten.

Ein brisanter Brief sorgt nun für Wirbel. Darin erklärt der Anstaltsleiter gleich nach Veröffentlichung der Geschichte die Vorgehensweise der Beamten am 3. Dezember 2025 zwar als "nicht optimal", dennoch ist sich der Chef bereits sicher, dass seinen Beamten – die zu sechst mit Sturmmasken auf den Insassen eingeprügelt haben sollen – "kein Vorwurf" gemacht werden könne. "Ich bin stolz auf euch und eure professionelle Arbeit", heißt es im Schreiben, das "Heute" vorliegt.

Zur Erinnerung: Von der Staatsanwaltschaft wird massives Fehlverhalten beim Transport des psychotischen Häftlings in ein Spital vermutet. Aus bisher ungeklärten Umständen wurde von den Beamten kein Arzt zugezogen, die Amtshandlung sei eskaliert. Zudem war der psychisch Kranke nackt und sich selbst überlassen zuvor in einem gesetzlich unzulässigen und für ihn gefährlichen Haftraum untergebracht worden.

Nicht zuletzt deswegen dürfte er sich am fest im Boden verankerten Betonbett einen Schädelbruch zugezogen haben, später sei er von Beamten gewürgt und schwer verletzt worden sein – die genaue Todesursache steht noch nicht fest, es gilt die Unschuldsvermutung.

Wohl wegen massiven Drucks der Öffentlichkeit – der "Falter" hatte zuerst berichtet – wurde kürzlich erst der Einsatzleiter des Vorfalls vorläufig suspendiert – gegen den Willen des Anstaltsleiters. Alle anderen Beteiligten sind bisher nur von Einsatz- und Kommandofunktionen abgezogen worden.

Neben dem Einsetzen einer Untersuchungskommission (die laut "Heute"-Infos unverständlicherweise nur in Absprache mit der Generaldirektion mit beteiligten Beamten sprechen darf) wurde die Belegschaft dennoch vom Leiter der Justizanstalt angewiesen, den besagten Haftraum "bis auf Widerruf" nicht mehr weiter zur Unterbringung von Insassen zu benutzen.

Umbau und Sanierungsarbeiten der maroden Zelle sei nun "mit Nachdruck voranzutreiben", heißt es in einem weiteren Brief vom Anfang dieses Monats. Eine "Heute"-Anfrage ans Justizministerium blieb bis dato unbeantwortet.

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