Nach dem Tod eines Insassen der Justizanstalt (JA) Hirtenberg im Bezirk Baden ermittelt die Staatsanwaltschaft Eisenstadt gegen zwölf Justizwachebeamte. Den Männern wird laut Recherchen des "Falter" vorgeworfen, im vergangenen Dezember während eines Häftlingstransports einen Häftling misshandelt zu haben. Dieser starb später an den Folgen schwerer Verletzungen.
Wie das Justizministerium bereits am 15. Jänner mitteilte, sollte der psychisch kranke Strafgefangene aufgrund einer medizinischen Anordnung in die psychiatrische Abteilung einer Krankenanstalt überstellt werden. Nach bisher vorliegenden Informationen habe sich der Insasse jedoch massiv gegen den Transport gewehrt. Dabei seien sowohl der Mann selbst als auch sechs Justizwachebeamte in unterschiedlichem Ausmaß verletzt worden.
Der Häftling wurde nach dem Transport in ein Krankenhaus gebracht, verstarb jedoch noch am Abend desselben Tages. Die beteiligten Justizwachebeamten wurden vorläufig von Einsatz- und Kommandofunktionen abgezogen. Parallel zu den strafrechtlichen Ermittlungen läuft eine interne Evaluierung des Einsatzes.
Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt ermittelt gegen die zwölf beteiligten Beamten wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang unter Ausnützung einer Amtsstellung, bestätigte Sprecherin Petra Bauer. Beschuldigteneinvernahmen habe es bislang noch keine gegeben. Untersucht würden derzeit die genauen Umstände, die zum Tod des Mannes geführt haben. Ein Obduktionsgutachten liegt noch nicht vor.
Laut "Falter" stellte ein Gerichtsmediziner jedoch bereits massive Verletzungen am Leichnam fest, darunter mehrere Brüche, wie auch einen Schädelbruch.
Der Insasse war dem Bericht zufolge im November 2025 von der Justizanstalt Stein ins dortige Anstaltsspital und Anfang Dezember in die JA Hirtenberg verlegt worden. Am 2. Dezember wurde er von einem Psychiater begutachtet. Dieser beschrieb den Mann als "akut psychotisch, desorganisiert und nicht in der Lage, Gefahren für sich und andere einzuschätzen". Laut Befund wirkte der Häftling akustisch halluzinierend, aggressiv und stark angespannt, zudem habe akute Fremdgefährdung bestanden.
Angeordnet wurde die sofortige Unterbringung in einem besonders gesicherten Haftraum sowie eine Videoüberwachung. Laut "Falter" sollen sich in der Isolationszelle – entgegen ärztlicher Weisung – ein Betonbett und ein Tisch befunden haben. Parallel wurde ein Platz auf der Psychiatrie einer Krankenanstalt organisiert.
Bei einer medizinischen Kontrolle am Morgen des 3. Dezember reagierte der Häftling laut Bericht nicht auf Zurufe. Über die Überwachungskamera sei anschließend ein "massiv gesteigertes Antriebsverhalten" festgestellt worden. Der Mann wurde aufgefordert, vom Tisch zu steigen, andernfalls würde er mittels unmittelbaren Zwangs aus dem Haftraum gebracht.
Sechs mit Schutzwesten, Helmen und Schildern ausgerüstete Beamte betraten daraufhin die Zelle. Laut Protokoll sei der Insasse aufgrund nasser Bodenverhältnisse ausgerutscht und mit dem seitlichen Kopfbereich "mit voller Wucht" auf das Betonbett gefallen. In weiterer Folge wurden seine Beine fixiert, wogegen er sich heftig wehrte. Dabei soll es zu Fauststößen gegen den Oberkörper, Faustschlägen gegen den Unterschenkel sowie zum Einsatz eines Schlagstocks gekommen sein.
Nachdem dem Mann Fußfesseln angelegt worden waren, wurde er laut "Falter" in der Dusche mit einem Schlauch abgespritzt. Dabei habe er Beamte gebissen und bespuckt und sei erneut mit dem Kopf gegen Wand und Fliesenboden gefallen. Anschließend wurde ihm eine Spuckschutzhaube aufgesetzt, der Insasse an Kopf, Oberkörper, Armen, Beinen und am Hals fixiert – laut Bericht dürfte auch eine Halsklammer eingesetzt worden sein.
Der Mann wurde danach in einen Gefangenenbus gebracht. Kurz nach dem Losfahren musste der Transport angehalten werden, weil der Insasse unter die eingebauten Sitze gerutscht war und keine Reaktion mehr zeigte. Die Rettung wurde alarmiert, der Mann fast zwei Stunden lang reanimiert. Am Abend verstarb er im Krankenhaus Eisenstadt. Für alle Beteiligen gilt die Unschuldsvermutung.
Die Familie des Verstorbenen ging zunächst von einem natürlichen Tod aus. Die Eltern wurden laut Justizministerium von der Leiterin des Sozialen Dienstes der JA Hirtenberg informiert. Ein Obduktionsergebnis liege bislang nicht vor. Die Generaldirektion unterstütze die Ermittlungen "seit Beginn vollumfänglich".
"Der Ablauf der Ereignisse wird vollständig aufgeklärt und im Detail aufgearbeitet", teilte das Justizministerium auf APA-Anfrage mit. Ergebnisse sollen künftig in Einsatzleitfäden sowie Aus- und Fortbildungsmaßnahmen der Justizwache einfließen.
Volksanwältin Gabriela Schwarz (ÖVP) erklärte, die Vorwürfe müssten "lückenlos aufgeklärt" werden. Die stellvertretende Klubobfrau der Grünen, Alma Zadić, bezeichnete die Berichte als "schockierend". Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, würden sie "dem Ansehen des Rechtsstaates massiv schaden". Gegen das Justizministerium erhob sie Vertuschungs-Vorwürfe.