Was am 3. Dezember 2025 in der Justizanstalt Hirtenberg (NÖ) geschah, ist nichts anderes als eine Tragödie – laut "Falter"-Recherche könnte es sich aber um ein schweres Verbrechen handeln, das von Behördenseite möglicherweise sogar noch vertuscht werden sollte.
Bei der Verlegung eines akut psychotischen Häftlings erlitt dieser so schwere Verletzungen, dass der junge Mann nach Reanimationsversuchen in der Klinik Eisenstadt verstarb. Aktuell ermittelt die Staatsanwaltschaft Eisenstadt wegen des Vorsatzdeliktes der Körperverletzung mit tödlichem Ausgang unter der Ausnützung einer Amtsstellung gegen insgesamt zwölf Justizwachebeamte – bis zu 15 Jahre (!) Haft drohen, die Unschuldsvermutung gilt.
Was war passiert: Den diensthabenden Beamten war auf der Videoüberwachung ein "massiv gesteigertes Antriebsverhalten" eines erst kürzlich aus Stein (NÖ) überstellten Häftlings in seiner rund um die Uhr überwachten Isolationszelle aufgefallen. Der Haftraum in Hirtenberg war – offenbar weil die marode Justizanstalt über keine vorschriftsgemäße Zelle verfügt – entgegen der eindeutigen Anordnung des Psychiaters nicht "besonders gesichert".
Das heißt, dass sich entgegen der Vorgabe des Strafvollzugsgesetzes Gegenstände im Raum befanden, an denen sich der psychotische Insasse verletzen könnte. Im Raum befanden sich ein Betonbett und ein Tisch, auf dem der Häftling herumgeturnt haben soll. Statt eine Sedierung durch einen Arzt abzuwarten, schritten sechs mit Schutzwesten, Sturmhauben, Helmen und Schilden ausgerüstete Beamte sofort ein und gingen auf den unkooperativen Häftling los.
Laut des internen Protokolls sei der Insasse daraufhin "aufgrund nasser Bodenverhältnisse" ausgerutscht und mit dem seitlichen Kopfbereich "mit voller Wucht" auf das Betonbett gefallen, zog sich einen Schädelbruch zu. In weiterer Folge kam es zu sogenannten "Fauststößen gegen den Oberkörper, Faustschlägen gegen den Unterschenkel", und zum "Einsatz eines Schlagstocks" durch Beamte. Statt gleich die Rettung zu rufen, versuchte man den Häftling erst noch zu duschen, dann per Gefangenentransport ins Spital zu bringen.
Doch der Häftling kippte angeblich unter den Sitz des Autos, schließlich wählte man doch den Notruf. Weil es zu nebelig war, konnte aber kein Heli fliegen. Als der Verletzte nach zwei Stunden im Spital ankam, war es bereits zu spät. Die am 9. Dezember am Obduktionstisch eines renommierten Gerichtsmediziners festgestellten tödlichen Verletzungen ließen sich jedoch nicht widerspruchslos mit allen Aussagen der Einsatzkräfte in Einklang bringen. Besonders die massiven Gesichtsverletzungen am Toten – konkret ein Augenhöhlen- und Unterkieferbruch – sowie zahlreiche Hämatome an typischen Stellen deuten viel eher auf massive körperliche Gewalt in Form von Faustschlägen oder Tritten hin.
Direkt am Vorfall beteiligt sollen sechs Gefängniswärter gewesen sein. Besonders einer davon ist bei der Justiz alles andere als ein unbeschriebenes Blatt: Der intern als "Rambo" verschriene Revierinspektor soll die Amtshandlung, die mit dem Tod des Häftlings endete, sogar geführt haben.
Wie "Heute" erfuhr, wurde der Kampfsportler aus dem südlichen Niederösterreich später als andere zum Beamter pragmatisiert, da er (zu) häufig wegen Verletzungen im Krankenstand war, die durch "Zusammenstöße" mit Insassen zustande kamen. Zudem sammelte er in seiner noch kurzen Karriere bereits mehrere Verweise an. Einmal "nur" wegen unerlaubten Fernbleibens von der Arbeit, das andere Mal wegen eines "Ausrutschers", der seinesgleichen sucht.
Mitten auf der Autobahn soll der Beamte aus einem fahrenden Justizwache-Bus am Weg zurück von einer Veranstaltung in betrunkenem Zustand eine Bierflasche geworfen haben. Das Glas-Geschoss traf ein anderes Fahrzeug, erst die Autobahnpolizei (!) konnte den Beamten-Bus stoppen. Ob Anzeige erstattet wurde, ist nicht bekannt. Doch der intern gut dokumentierte Vorfall hatte eine sogenannte Disziplinarverfügung für den "Rambo"-Beamten zufolge. Das war für das Justizministerium jedoch kein Grund zur Notbremsung, was die problematische Personalie – die jetzt suspendiert wurde – betraf. Brisant: Verwandte des Verdächtigen sollen ebenfalls im Dienst der Justiz stehen.