Britische Medien ließen am Dienstag die Bombe platzen, mittlerweile hat die FIFA das Vorhaben in weiten Zügen bestätigt: Der Fußball-Weltverband plant, Anteile an einer neu zu gründenden Firma zu privatisieren. Dabei handelt es sich konkret um die Tochterfirma FIFA Forward Enterprise (FFE). Sie soll demnach die kommerziellen Rechte an der Fußball-Weltmeisterschaft, genauso wie an der neu aufgestellten Klub-WM, enthalten.
Und sie soll dem Fußball-Weltverband wesentlich mehr Geld bringen. Das Unternehmen sei mit 20 Milliarden US-Dollar (rund 17,5 Milliarden Euro) bewertet. 20 Prozent, mancherorts ist auch von 30 Prozent die Rede, könnten jedenfalls an private Investoren abgegeben werden. Die FIFA selbst wolle die nötige Mehrheit von zumindest 50,1 Prozent behalten, die restlichen Anteile würden zu gleichen Teilen an die Nationalverbände gehen. Gut möglich, dass auch diese dann in weiterer Folge privatisiert werden könnten.
Mittlerweile hat der Fußball-Weltverband FIFA Details des WM-Verkaufs an seine Mitgliedsverbände kommuniziert, die "Sportschau" zitierte daraus. Demnach könne der Topf für alle 211 FIFA-Beitrittsländern in den nächsten vier Jahren mit rund zehn Milliarden US-Dollar (das entspricht rund 8,8 Milliarden Euro) gefüllt sein. Ohne den Verkauf würde dieser Betrag "nur" 2,7 Milliarden US-Dollar (2,37 Milliarden Euro) ausmachen.
Aus dem Schreiben geht jedenfalls hervor, dass sich die 211 FIFA-Mitgliedsverbände bald entscheiden müssen. Konkret bis 19. September. Dann werde eine Entscheidung fallen. Es brauche demnach die einfache Mehrheit – also 106 Stimmen. In dem Schreiben ist von einer "vollkommen demokratischen Entscheidung in den Händen der Mitgliedsverbände" die Rede. Im Falle der Zustimmung könnte schon ab 1. Jänner 2027 das Geld fließen, geplant sei, dass sie die Summe bis 2038 verdreifache. Eine schriftliche Zustimmung soll jedenfalls genügen. Wenn die Zustimmung erfolgt, erhalten alle Verbände mit dem Jahreswechsel 17,5 Millionen Euro, das ist die Hälfte einer angepeilten Zahlung von 35 Millionen Euro, die an jeden Verband fließen solle. Bei einer Ablehnung werde dieses Angebot zurückgezogen.
Es regt sich aber Widerstand. Vor allem bereits vonseiten der UEFA. Der Fußball "stehe nicht zum Verkauf", heißt es. Ebenso kritisch waren die Stimmen, die vonseiten des nord- und mittelamerikanischen Kontinentalverbandes CONCACAF und der asiatischen Konföderation AFC kamen. Die UEFA drohte derweil sogar mit einem Boykott von FIFA-Bewerben. Die Folge daraus: Anteile wären damit freilich höchstens einen Bruchteil wert. Denn wer will in eine WM investieren, die womöglich ohne Deutschland, England, Frankreich, Spanien, Portugal und potenziell Italien, sofern sich die Azzurri wieder einmal qualifizieren, stattfindet? "Heute haben wir von der FIFA-Deadline gehört, um den Vorschlag anzunehmen oder das einmalige Angebot zurückzuziehen. Das sagt schon alles aus, was man über diesen Plan wissen muss", erklärte die UEFA.
Viele "Kleinen" könnte Infantino allerdings auf seine Seite bekommen. Denn jeder Fußballverband wird dieselbe Summe erhalten. Was sich für europäische Nationen da schon recht lukrativ anhört, steigert sich für so manchen Verband in Afrika, Asien, Ozeanien oder Mittelamerika gewaltig. Dem stehen aber Bedenken gegenüber: Erstens erhalten die Verbände zwar jetzt hohe Geldsummen, künftig aber weniger, denn die Investoren wollen ja auch eine Rendite sehen. Und zweitens hält sich durchaus die Sorge, dass genau diese Anteilseigner auch mit relativ wenig Prozenten trotzdem Einfluss ausüben – gerade auch aus kommerzieller Sicht.
Auch für Infantino selbst könnte sich das neue Firmen-Konstrukt auszahlen. Nämlich ab dem Jahr 2031. Dann darf der Schweizer nach drei Amtszeiten nämlich nicht mehr als FIFA-Präsident wiedergewählt werden. Stattdessen könnte er einfach fliegend zum Geschäftsführer der neuen Firma werden. Freilich samt einer satten Gehaltserhöhung. Sogar eine Verzehnfachung steht im Raum, ein Salär von rund 60 Millionen Dollar pro Jahr. In etwa das, das auch der NFL-Commissioner Roger Goodell erhält.
Dem könnten aber noch zwei große Parteien im Weg stehen: einerseits der FIFA-Rat, der weit nicht so stark aufseiten Infantinos steht. Hier könnte es eine Blockade geben. Oder sogar die US-Justiz, denn der Demokrat Jamie Raskin hat bereits angekündigt, Infantino vor den US-Justizausschuss zitieren zu wollen.