Orth an der Donau

100.000 € Kosten – verkehrtes Boot als neue Haltestelle

Das neue Boot-Wartehäuschen in Orth an der Donau erfüllt praktische Zwecke. Das Projekt ist aber wegen der hohen Kosten nicht unumstritten.
Erich Wessely
01.07.2026, 05:15
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Das Künstler- und Architektenduo Michael Hieslmair und Michael Zinganel ("Tracing Spaces") hat für die an der Bundesstraße zwischen Schloss Orth und der Neuen Mittelschule gelegene und sanierungsbedürftige Haltestelle "einen außergewöhnlichen Ersatz geschaffen", heißt es seitens der Landeseinrichtung "Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich". Das Künstlerduo hatte sich zuvor in einem Wettbewerb mit ihrer Idee durchgesetzt.

Dabei würden verschiedene ortsspezifische und thematische Fäden aufgenommen. "Orth befindet sich, wie der Name Auskunft gibt, an der Donau, die aber im Ortszentrum selbst kaum spürbar ist. Dieser Umstand, wie die Tatsache, dass der Fluss, vor allem historisch betrachtet, der Bundesstraße ähnlich, als zentraler Verkehrsweg diente und Orth hierbei einen wichtigen Personen- und Warenverkehrsknotenpunkt in der transnationalen Bewegung entlang der Donau darstellte, sind grundlegende Bezugspunkte für ihre Überlegungen", heißt es.

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Die beiden Künstler: Michael Hieslmair und Michael Zinganel
Heribert Corn

"Skulpturaler Blickfang"

In Referenz an diese geographische wie gesellschaftspolitische Bedeutung des Flusses haben die Künstler die Bushaltestelle "als skulpturalen Blickfang für ein weites Themenfeld rund um die Donau in Verbindung mit Mobilität und Migration konzipiert. Der formale Impuls für die Haltestelle stammt aus einer archetypischen Form der Donauschiffe, der so genannten Ulmer Schachtel".

Großzügiger Wetterschutz

Die neue Haltestelle biete den Wartenden – allen voran den Schülerinnen und Schülern der angrenzenden Neuen Mittelschule für Informatik, aber auch Pendlerinnen und Pendlern sowie den Besuchern des Nationalparks und des Schlosses – nun großzügigen Wetterschutz.

Die umgedrehte, zwölf Meter lange Holzzille wurde jetzt als neue Haltestelle eröffnet – aber nicht ohne Kritik. Denn das Kunstprojekt sorgte bereits im Vorfeld für Diskussionen, weil es nicht günstig war. Insgesamt kostete das Werk rund 100.000 Euro – 80 Prozent übernahm dabei das Land, 20 Prozent der Kosten steuerte die Gemeinde bei.

Die zuständige Landesabteilung und die Gemeinde stehen aber voll hinter dem Projekt: Bürgermeisterin Elisabeth Wagnes (ÖVP) sagte gegenüber dem "ORF NÖ": "Ich möchte den Bürgerinnen und Bürgern sagen, dass wir wissen, dass es sich um Steuergeld handelt. Aber: Das ist mehr als eine Buswartestelle. Es ist ein Kunstobjekt, das hier auch unsere lokale Geschichte darstellt." Mit dem Werk sei ein "guter Coup" gelungen.

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"Macht auf mehreren Ebenen Sinn"

Kritiker monieren dennoch die hohen Kosten für ein einziges Buswartehäuschen. Die Unterstützer sehen aber einen Mehrwert. Das spezielle Wartehäuschen könnte noch zu einem Touristen-Hotspot avancieren. "Da macht es auf mehreren Ebenen Sinn – sowohl auf der funktionalen als auch auf der inhaltlichen Ebene – etwas zu schaffen, das über das klassische Buswartehäuschen hinausgeht", so Katrina Petter, Leiterin der Abteilung Kunst im öffentlichen Raum des Landes Niederösterreich, gegenüber dem "ORF NÖ".

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