Immer mehr Menschen werden nach der verheerenden Sturzflut im Grenzgebiet zwischen Nepal und China vermisst. Behörden in der Region sprechen inzwischen von insgesamt bis zu 1.500 Personen. Die Zahl der Todesopfer in Nepal stieg auf 165, mehr als 40 Verletzte werden in Krankenhäusern behandelt. Auf chinesischer Seite wurden bislang drei Tote gemeldet.
Allein in Nepal gelten 826 Menschen als vermisst, darunter 579 Touristen aus 29 Ländern. In China wurden rund 558 Personen noch nicht erreicht, darunter 260 Ausländer. Unter den Vermissten befinden sich auch acht Deutsche sowie zahlreiche Reisende aus Indien, den USA, Malaysia, der Ukraine, Australien, Großbritannien und Kanada. Laut aktuellem Stand steht kein österreichischer Staatsangehöriger auf der Vermisstenliste.
Armee und Polizei suchen mit mehr als 5.000 Einsatzkräften nach Überlebenden. Weitere 111 speziell ausgebildete Feuerwehrleute wurden nach Tibet geschickt. Die Arbeiten werden durch gewaltige Schlammmassen erschwert: Straßen sind teilweise unpassierbar, auch Kommunikationsnetze brachen zusammen. Ein Überlebender schilderte die Katastrophe: "Es war ein riesiger Schwall Schlamm, der direkt auf uns zukam." Seine Frau wurde mitgerissen. Ein Tourismusunternehmer berichtete nach einem Hubschrauberflug: "Es gibt keine Siedlungen mehr. Alles ist einfach platt."
Die Schlamm- und Gesteinsmassen hatten am Mittwoch entlang des Bhotekoshi-Flusses Brücken mitgerissen, Staudämme beschädigt und Häuser verschüttet. Die betroffene Himalaya-Region ist bei Wanderern sowie buddhistischen und hinduistischen Pilgern beliebt.
Als Auslöser vermutet die nepalesische Katastrophenschutzbehörde eine Gletscherlawine. Diese könnte einen Zufluss des Bhotekoshi blockiert haben, wodurch sich vorübergehend ein See bildete. Nach dessen Überlaufen raste eine Welle aus Wasser, Eis und Geröll talwärts.
Die US-Erdbebenwarte USGS registrierte Erschütterungen der Stärke 5,2. Zunächst wurde ein Erdbeben vermutet, Analysen deuteten später jedoch darauf hin, "dass die seismische Energie stattdessen durch einen Gletscherabbruch und Schuttfluss erzeugt wurde". Bereits im Juli 2025 hatte eine schwere Flut in der Region Menschen getötet und eine Brücke zerstört.