Die Bilder vom Grenzübergang Gyirong sind dramatisch: Schlamm, Wasser und Geröll schießen durch das Gebiet an der Grenze zwischen Nepal und China. Menschen laufen in Panik davon, während die Wassermassen alles mitreißen, was ihnen in den Weg kommt.
Die Naturkatastrophe traf Nepal am frühen Mittwochmorgen. Im Rasuwa-Tal in Zentralnepal schwoll der Fluss Bhotekoshi nach starkem Regen und dem Abfluss aus einem Gletschersee auf tibetischer Seite massiv an.
Schlamm, Geröll und Wasser bahnten sich durch die engen Schluchten, lösten Erdrutsche aus und zerstörten laut lokalen Medien mehrere Siedlungen, Brücken und Kraftwerke.
In ersten Meldungen war von acht Todesopfern die Rede. Die Zahl der Toten steigt stündlich an, gegen 16 Uhr MESZ wurde bekannt: Mindestens 95 Menschen haben die Katastrophe nicht überlebt. Hunderte Menschen gelten weiter als vermisst.
Besonders groß ist die Sorge um Reisende in der Grenzregion zu Tibet. Nach offiziellen Angaben werden 384 Touristen und Trekkingteilnehmer vermisst. 291 von ihnen sind ausländische Staatsangehörige, 93 stammen aus Nepal.
Unter den Vermissten sollen auch Urlauber aus Europa sein. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur und der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua sollen sich Deutsche unter den Vermissten befinden; eine genaue Zahl wurde nicht genannt.
Konkretere Angaben gibt es zu anderen Nationalitäten: Vermisst werden demnach auch 12 Reisende aus Großbritannien. Zudem ist von Urlaubern aus Spanien die Rede.
Außerhalb Europas werden unter anderem 105 Touristen aus Indien, drei aus den USA und vier aus Südafrika vermisst. Das Gebiet ist wegen seines Himalaja-Panoramas bei Urlaubern und Trekkinggruppen beliebt.
Wie verheerend die Flutwelle war, schilderte Lehrer Suman Chalise aus dem nepalesischen Bezirk Nuwakot. Der 34-Jährige sagte laut "Bild" einer Nachrichtenagentur: "Ich habe gesehen, wie die Fluten acht oder neun Lastwagen mit sich rissen, außerdem Häuser und Menschen. Es war absolut entsetzlich."
Die Wassermassen beschädigten auch zwei Kraftwerke und mehrere Brücken. Mehrere Orte wurden nach den Berichten schwer getroffen oder weggespült. Die nepalesische Regierung erklärte den betroffenen Landstrich für vorerst drei Monate zum Katastrophengebiet.
Für die Rettungsarbeiten schickt die Armee 14 Hubschrauber in die Region. Sie sollen Einsatzkräfte unterstützen und Menschen aus den überfluteten Gebieten bringen. Am Grenzübergang Gyirong gibt es laut den Berichten ebenfalls zahlreiche Opfer und Vermisste. Die genaue Zahl ist noch unklar.