Wo ist der Oberste Führer des Iran? Diese Frage stellen aktuell nicht nur seine Feinde in Israel und den USA, sondern auch einige Personen in der Islamischen Republik. Modschtaba Chamenei gilt seit Kriegsbeginn und der Tötung seines Vaters – dem früheren Ober-Mullah Ajatollah Ali Chamenei – als verschwunden.
Bei dem Angriff soll auch er verletzt worden sein. Seitdem sei der neue Oberste Führer im Iran nicht mehr öffentlich aufgetreten. Auch Bild- oder Tonaufnahmen liegen nicht vor. Ein Video des Staatsfernsehens, welches Chamenei bei einem Meeting mit Beratern zeigen soll, entpuppte sich als Fake. Es soll bereits aus der Zeit vor dem Krieg stammen.
Somit glauben viele Leute im Iran daran, dass der Ober-Mullah bereits tot ist. Dieses Gerücht heizt nun auch der Historiker Arash Azizi mit einem Essay im Magazin "The Atlantic" an. Darin beruft sich Azizi auf mehrere Quellen aus dem Iran. Manche werden sogar namentlich erwähnt.
Besonders brisant: Unter den Personen befinden sich auch Regierungsmitarbeiter. Sie glauben daran, dass ihr Oberster Führer bereits tot oder hirntot sein könnte. Die Männer sollen ihren Verdacht bereits am Anfang des Monats geäußert haben. Kurz darauf wurden die Hardliner Mohsen Rezaei und Ahmad Vahidi per Dekreten des Büros des Ajatollahs in Schlüsselpositionen befördert.
Neben den Regierungsvertretern und Außenminister Abbas Araghchi hätten auch einige enge Freunde und Verwandte keinen persönlichen Kontakt mehr zu Chamenei gehabt. Laut der Darstellung des Historikers wollen den Ober-Mullah nur weniger als fünf Menschen nach Kriegsausbruch gesehen haben. Mohammad Hossein Khoshvaght – ein Verwandter Chameneis – nannte "Sicherheitsgründe" als Erklärung dafür.
Ihm zufolge soll der Ober-Mullah am Leben sein. Hinter den Gerüchten um den Tod des Obersten Führers sieht Khoshvaght "psychologische Kriegsführung". Demnach wolle der Feind so iranische Offizielle und die Bevölkerung demoralisieren. Die Zweifel sind jedoch bereits gesät.
Gegenüber der Plattform "IranWire" sagten zwei iranische Regierungsquellen, dass man davon ausgehe, dass sich Chamenei in einem schlechten Zustand befinde und jederzeit sterben könnte. Zudem gab es vor wenigen Wochen einen Aufruf im nationalen Messengerdienst. Demnach solle die Bevölkerung für ihren Ober-Mullah beten und Schafe opfern.