Der 26-jährige Sardorjon K. arbeitete als Trainer und Ausbilder an einer örtlichen Sportschule in der usbekischen Region Saikhunabad. Sevara (Name geändert) war seine ehemalige Schülerin. Am 17. Juli, nur zwei Wochen nachdem sie volljährig geworden war, traf der ehemalige Trainer sie in einem belebten Park.
Dort soll er sich unter Ausnutzung des früheren Vertrauensverhältnis an die junge Frau herangemacht haben. Der körperlich überlegene Mann habe sie danach zum Geschlechtsverkehr zwingen wollen, berichtet die Frauenrechtsorganisation Nemolchi.
Sevara reagierte richtig: Sie setzte sich mit aller Kraft zur Wehr und schrie lautstark um Hilfe. Genau dadurch wurde der Täter überrumpelt und konnte schließlich gestoppt und festgenommen werden.
Wie weit wäre der ehemalige Trainer gegangen, wenn die 18-Jährige keinen Lärm gemacht hätte? Diese Frage spielte vor Gericht dann offenbar keine Rolle.
Im Ergebnis des Verfahrens wurde der 26-Jährige wegen sexueller Belästigung zu fünf Tagen Haft verurteilt. Und auch Sevara wurde abgestraft! Sie soll ein Bußgeld in Höhe von 1.236.000 Soʻm – drei Tagessätze, etwa 90 Euro – wegen Störung der öffentlichen Ruhe und Missachtung der Verhaltensregeln in der Öffentlichkeit zahlen.
Das Urteil sorgt für Verwunderung und Fassungslosigkeit. "Es bleibt die Frage, wessen Ruhe sie genau gestört hat: die der Passanten, die hörten, wie das Mädchen belästigt wurde, oder die des Trainers selbst, der daran gehindert wurde, die Sache zu Ende zu bringen?", fragt Nemolchi.
Völlig absurd: Fünf Tage Haft kämen den Staat demnach zudem billiger als das 18-jährige Opfer nun Strafe zahlen muss. "Anstatt dass ihr Recht auf Unversehrtheit anerkannt wurde, erhielt Sevara eine Gegenanklage, und nun wird jede Frau, die sich in einer ähnlichen Situation befindet, wissen: Ein Hilferuf kann sie eine stattliche Summe kosten."