Russland zählt zu den großen Rohölproduzenten der Welt – doch beim Benzin muss Moskau nun offenbar im Ausland nachhelfen. Ein Frachter mit rund 30.000 Tonnen AI-92-Benzin aus Marokko wird derzeit im russischen Arktis-Hafen Murmansk entladen.
Der Tanker unter Panama-Flagge soll die Ladung Mitte Juli im marokkanischen Hafen Tanger aufgenommen haben. Als Lieferant nannten die Branchenquellen den russischen Ölkonzern Lukoil. Eine Stellungnahme des Unternehmens lag zunächst nicht vor.
Hintergrund ist die angespannte Lage am russischen Treibstoffmarkt. Wiederholte ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien hatten in den vergangenen Wochen zu Ausfällen, Engpässen und steigenden Preisen geführt. Moskau reagierte bereits mit mehreren Maßnahmen, darunter Benzinimporte per Bahn aus Belarus und Kasachstan sowie ein Exportverbot für Treibstoff.
Bereits zuletzt waren in mehreren russischen Regionen Beschränkungen beim Kraftstoffverkauf gelockert oder aufgehoben worden. Betroffen waren unter anderem Moskau, St. Petersburg sowie Regionen im Süden Russlands. Der russische Vizeregierungschef Alexander Nowak erklärte, die Lage stabilisiere sich "schrittweise".
Ganz entspannt ist der Markt aber offenbar nicht. In dem früheren Bericht hieß es, mehrere Raffinerien hätten nach Angriffen ihre "Tätigkeit wieder aufgenommen". Zugleich blieb das Exportverbot für Benzin und Diesel vorerst aufrecht.
Die neue Lieferung aus Marokko zeigt damit, wie groß der Druck auf Russlands Versorgung geworden ist. Der Sprit aus Murmansk soll über die Kola-Station weiter per Bahn verteilt werden. Dort wird laut Handelsdaten AI-92-Benzin bereits für die Schienenlieferung angeboten.
Das Sommerbenzin AI-92 ist der in Russland am häufigsten verwendete Benzintyp und kommt landesweit zum Einsatz.