Wer Esther Graf trifft, merkt schnell: Die ganz großen Zahlen scheinen ihr erstaunlich egal zu sein.
Im Wiener "Jaz in the City" blättert die Sängerin durch das "Heute"-Freundebuch und lacht: "Ich weiß gar nicht, wann ich mich zuletzt in ein Freundebuch eingetragen habe. Richtig cool."
Während sie Seite für Seite ausfüllt, erzählt sie von ihrer Kindheit. Von der Vorfreude auf den Schulbeginn, wenn es endlich zum Libro ging. Ein neues Federpennal, unbenutzte Buntstifte – und dieser unverwechselbare Geruch von ganz neuen Schulsachen.
Dabei vergisst man fast, dass vor einem gerade eine der erfolgreichsten österreichischen Pop-Künstlerinnen sitzt.
Denn ihre Geschichte beginnt alles andere als glamourös. Esther Graf stammt aus Altersberg in Kärnten. Ein Ort, in dem gerade einmal rund 122 Menschen leben.
Heute hören ihr auf Spotify rund 1,8 Millionen Menschen jeden Monat zu. Ihr erfolgreichster Song wurde bereits mehr als 82 Millionen Mal gestreamt. Ihr Gesicht war schon am Times Square in New York zu sehen. Dimensionen, die sich kaum greifen lassen.
Doch genau das versucht Esther offenbar gar nicht erst: "Eine Karriere macht ja viel mehr aus. Ich möchte mich gar nicht so viel über diese Zahlen definieren", sagt sie im "Heute"-Gespräch.
Viel wichtiger seien für sie jene Menschen, die tatsächlich zu ihren Konzerten kommen: "Ich freu mich vor allem über die Fans, die sich die Musik anhören und auch live dabei sein wollen." Denn Streaming-Zahlen erzählen eben nicht die ganze Geschichte.
"Ich arbeite immer sehr daran, dass die Leute auch mein Gesicht erkennen", erzählt sie weiter. "Es gibt diese Momente, da kennen die Leute einen Song, wissen aber gar nicht, von wem er ist. Und ich muss sagen, das passiert bei mir hier und da auch."
Diese Bodenständigkeit zieht sich durch das gesamte Gespräch. Keine Spur von Starallüren. Stattdessen spricht Esther lieber über Schnitzel als Lieblingsessen, über ihre Angst vorm Fahrradfahren oder darüber, dass sie sich im selben Hotel, in dem das Interview stattfindet, erst kürzlich einen Zeh gebrochen hat.
Vielleicht ist genau das ihr Erfolgsgeheimnis.
Nun veröffentlichte sie ihr zweites Album "Wofür es sich zu leben lohnt". Es umfasst 16 Songs und bietet einen intimen, ehrlichen Blick auf emotionale Themen wie Selbstliebe, zwischenmenschliche Beziehungen und die schönen Momente des Lebens. "Also es ist für alle was dabei und der Titel gibt dem Ganzen ein Dach."