Francine Jordi (48) weiß genau, wie intensiv der Eurovision Song Contest sein kann. Die Schweizer Sängerin stand selbst 2002 auf der großen ESC-Bühne und blickt heute mit Respekt, aber auch viel Dankbarkeit auf diese Zeit zurück. Im Gespräch mit "Heute" spricht sie über Druck, Mut, Selbstzweifel und warum Künstler beim ESC mehr Wertschätzung verdienen.
"Heutzutage muss man jede Plattform nutzen, die man als Künstler bekommt", sagt Jordi offen. Gerade weil es so viele Künstler und gleichzeitig so wenige Möglichkeiten gebe, sichtbar zu werden, sei der ESC eine riesige Chance. "Wenn du dort mitmachst, dann mach es richtig. Dann gib ein halbes Jahr Vollgas."
Besonders wichtig sei es, die Gelegenheit wirklich zu nutzen, egal ob man gewinnt oder nicht. "Es ist ein riesiges Geschenk, überhaupt dabei sein zu dürfen." Gleichzeitig verschweigt Jordi nicht, wie belastend diese Zeit sein kann. "Du bereitest dich ein halbes Jahr auf drei Minuten vor. Dass der Text sitzt, das Kostüm stimmt, die Belichtung passt und dazu kommen unzählige Interviews."
Trotz des enormen Drucks habe sie dabei vor allem eines gelernt: mit Stress umzugehen. "Ich habe gemerkt: Ich kann das. Ich kann am Schluss dort stehen und mit Freude singen." Genau das sei für sie persönlich eine wichtige Bestätigung gewesen.
Auch heute – fast 25 Jahre später – profitiert sie noch von ihrer ESC-Teilnahme. "Wenn du einmal Teil dieser Familie bist, dann gehörst du dazu."
Besonders spannend findet Jordi die Diskussion rund um bekannte Künstler beim Song Contest. Immer wieder würden Acts kritisiert werden, wenn sie trotz großer Karriere beim ESC antreten. Für sie völlig unfair. "Ich finde es respektlos, wenn bekannte Künstler für ihr Land antreten und dann schlechtgeredet werden. In drei Minuten kann so viel schiefgehen."
Sie erinnert sich dabei an ihre eigene Generalprobe, bei der sie versehentlich das falsche Mikrofon bekam. "Man hat meine Stimme fast nicht gehört. Es geht so schnell, dass etwas passiert."
Deshalb wünsche sie sich generell mehr Wertschätzung, sowohl für etablierte Stars als auch für Newcomer. "Es braucht Mut, dort hinzugehen."
„Jeder Mensch hat eine Stärke, mit der er etwas bewegen kann. Man muss sie nur finden“Francine Jordiüber ihren "Mutmacher-Song"
Passend dazu veröffentlichte Francine Jordi nun auch ihren neuen "Mutmacher Song (viele wären gern wie du)". Die Botschaft dahinter: Menschen sollen aufhören, sich ständig mit anderen zu vergleichen. Gerade durch Social Media entstehe oft der Eindruck, nur die anderen hätten ein perfektes Leben.
"Jeder hat seine Zweifel, jeder hat Probleme", sagt Jordi. Viele würden vergessen, wie wertvoll sie eigentlich seien. "Jeder Mensch hat eine Stärke, mit der er etwas bewegen kann. Man muss sie nur finden."
Für die Sängerin ist genau das der Schlüssel zum Glück. Nicht Geld oder Erfolg allein. "Wenn du etwas mit Leidenschaft machst, dann wird es meistens auch erfolgreich."