20.000 Euro Startkapital für alle 18-Jährigen: Diese Forderung steht in Deutschland zur Diskussion. Ziel ist es, mehr Chancengleichheit zwischen Jugendlichen aus allen finanziellen Hintergründen zu schaffen. Finanziert werden soll dieses "Grunderbe" durch eine Erhöhung der Erbschaftssteuer.
Was die 18-Jährigen mit dem Geld anstellen, stehe ihnen frei. Wäre ein solches Startkapital überall denkbar und überhaupt umsetzbar?
Bei SP-Nationalrätin Tamara Funiciello in der Schweiz stößt die Idee auf Anklang. "Ein Startkapital von 20.000 Franken wäre eine tolle Rückverteilungsmaßnahme", findet sie. Fast alle reichen Leute hätten geerbt, deshalb würde ein Grunderbe für alle die Chancen auf einen sozialen Aufstieg etwas ausgleichen.
"Es müsste allerdings an Bedingungen geknüpft sein. Wer sowieso schon viel Geld hat, sollte nicht noch mehr bekommen." Dass hohe Erbschaften stark besteuert würden, sei sowieso längst überfällig, sagt die Co-Präsidentin der SP-Frauen weiter. Man müsse aber auch sagen, dass andere Maßnahmen – wie faire Löhne und kostenloser Zugang zu Ausbildungen – genauso wichtig sind für eine gerechtere Gesellschaft.
FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen hält gar nichts davon: "Das ist eine reine Umverteilungsübung nach Gießkannenprinzip." Er spricht von ökonomischem sowie politischem Unsinn. "Das trägt überhaupt nicht zu einer Chancengleichheit bei", so der FDP-Mann.
Auch, dass über das Geld frei verfügt werden könne, ist für Wasserfallen unverständlich. "Das führt nur zu finanziellem Schlendrian", ist er sich sicher. Es gehe nicht, einfach allen 20.000 Franken in die Hand zu drücken, damit das Geld dann verprasst werden könne.
Auch EVP-Nationalrätin Lilian Studer ist skeptisch. "Ich finde es richtig, dass man als junger Mensch nicht einfach von Anfang an ein Startkapital bekommt, sondern lernen muss, mit seinem Geld umzugehen", sagt sie. Für eine bessere Chancengleichheit müsse man stattdessen schon früher anfangen: Kinder sollen an der Schule die Bildung erhalten, die ihren Fähigkeiten entspricht.
Sogar seitens der SP gibt es klare Gegenstimmen zum Vorschlag aus Deutschland. "Viel wichtiger ist es, den Jugendlichen zu ermöglichen, sich kostenfrei aus- und weiterzubilden", sagt die SP-Nationalrätin und Berufsschullehrerin Martina Munz. Gerade in der höheren Berufsbildung nach einer abgeschlossenen Lehre müsse heute noch ein großer Teil der Kosten selbst übernommen werden.
"Hier wäre es wichtig, dafür zu sorgen, dass man solche jungen Menschen nicht in die Überschuldung schickt oder verhindert, dass sie sich nicht weiterbilden, weil sie es sich nicht leisten können", so Munz. Statt den Jungen einfach Geld in die Hand zu drücken, das sie wahlfrei ausgeben könnten, sei es wichtiger, sie mit Bildung zu beflügeln und ihnen zu ermöglichen, auf eigenen Beinen stehen und ein Berufsfeld ausüben zu können, das ihnen Freude macht.