Der tödliche Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik sorgt weltweit für Aufsehen. Drei Passagiere sind gestorben, mehrere weitere Menschen sind infiziert oder zeigen Symptome. Besonders ungewöhnlich: Laut WHO könnte sich das Virus erstmals direkt zwischen Menschen an Bord verbreitet haben.
Für den Linzer Lungenexperten Bernd Lamprecht ist die Ursache in der Regel eine ganz andere. Er sagte im Interview mit den "OÖN": "Das Hantavirus wird in erster Linie durch Nagetiere wie Mäuse übertragen." Die Ansteckung erfolgt meist indirekt - etwa wenn virushaltiger Staub eingeatmet wird.
Dass das Virus auch hierzulande vorkommt, ist vielen nicht bewusst. Lamprecht stellt klar: "Das Virus kommt durchaus auch in Österreich vor." Jedes Jahr würden Infektionen registriert, besonders in Regionen mit vielen Nagetieren.
In Österreich kommt das Hantavirus regelmäßig vor, vor allem in Regionen mit vielen Nagetieren wie der Steiermark. Die Übertragung erfolgt meist indirekt, etwa wenn virushaltiger Staub aus getrocknetem Kot oder Harn von Mäusen eingeatmet wird. Jährlich werden rund 100 Infektionen gemeldet, wobei die Zahlen schwanken können. Typische Symptome sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, in manchen Fällen auch Atemnot oder Probleme mit den Nieren. Die Erkrankung verläuft oft mild, kann aber bei Menschen mit Vorerkrankungen schwer werden. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist in Europa äußerst selten. Einen Impfstoff gibt es derzeit nicht. Besonders riskant sind Tätigkeiten wie das Reinigen staubiger Räume, Arbeiten in Schuppen oder im Wald, wo Kontakt mit belastetem Staub möglich ist.
Die Situation auf dem Schiff ist dennoch außergewöhnlich. Der erste Erkrankte dürfte sich noch vor Reiseantritt infiziert haben. Danach könnte es laut WHO bei engem Kontakt zu weiteren Ansteckungen gekommen sein. Insgesamt gibt es bestätigte und mehrere vermutete Fälle, ein Patient wird derzeit intensivmedizinisch betreut. Das Schiff liegt vor den Kapverden fest, die Behörden lassen aus Sicherheitsgründen niemanden an Land.
Wie gefährlich das Virus ist, hängt stark vom Verlauf ab. Viele Infektionen bleiben mild, doch es gibt auch schwere Fälle. Typische Beschwerden sind Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Wird die Lunge betroffen, kann es zu Atemnot kommen, in komplizierten Verläufen sogar zu Nierenversagen.
Besonders gefährdet sind Menschen mit Vorerkrankungen. Gerade bei ihnen kann die Infektion lebensbedrohlich werden - wie die aktuellen Todesfälle zeigen.
Auch in Österreich lauert ein Risiko im Alltag: etwa beim Putzen von Räumen, in denen sich Mäuse aufgehalten haben, oder bei Arbeiten im Wald. Dort kann belasteter Staub unbemerkt eingeatmet werden.