Ein Traumtor von Romano Schmid (20.), ein Eigentor des Jordaniers Yazan Al-Arab (76.) und der Schlusspunkt von Marko Arnautovic (113.) sorgten am Mittwochmorgen für den ersten österreichischen WM-Sieg seit 13.147 Tagen. Das ÖFB-Team besiegte Jordanien im ersten Gruppenspiel 3:1 (1:0) und ist hinter Titelverteidiger Argentinien (3:0 gegen Algerien) als Zweiter voll auf Kurs Richtung Sechzehntelfinale.
Die Elf von Teamchef Ralf Rangnick wurde in San Francisco von rund 5000 Schlachtenbummler angeheizt, behielt in einem kampfbetonten Match die Oberhand. Außenseiter Jordanien verlangte Österreich aber alles ab. Ali Olwan glich zwischenzeitlich sogar aus (50.).
Die Startelf: A. Schlager – Posch, Lienhart, Alaba, Mwene – X. Schlager, Seiwald – Sabitzer, Laimer, Schmid – Kalajdzic
Romano Schmid brachte Österreich in Führung! Nach dominanter Anfangsphase, in der Österreich viel Ballbesitz hatte, aber keinen Weg fand, den Abwehrriegel zu knacken, nahm sich der Werder-Legionär einfach aus gut 20 Metern ein Herz. Schmid zirkelte den Ball ins rechte Kreuzeck – Traumtor (20.).
Dann folgte die große Schrecksekunde. Die ÖFB-Fans waren noch im Freudentaumel über das 1:0, als der Außenseiter plötzlich Zentimeter am Ausgleich vorbeischrammte. Eckball, das Leder segelte zu Ali Olwan – Latte! Alex Schlager war bereits geschlagen, durfte nach dem Alu-Treffer aber gemeinsam mit seinen ÖFB-Kollegen kräftig durchatmen. Beinahe hätte die Führung nicht einmal zwei Minuten gehalten.
Es ging weiter in höchstem Tempo hin und her. Konrad Laimer kämpfte sich in Minute 32 in den Jordanien-Strafraum vor, wurde abgedrängt (32.). Stefan Posch brach unmittelbar danach ein weiteres Mal über rechts durch die Abwehr, legte sich den Ball zu weit vor (33.). Fast das 2:0, dann wurde es aber hinten wieder äußerst brenzlig: Alex Schlager rettete per Glanz-Reflex vor dem Ausgleich, Philipp Lienhart blockte mit dem Rücken den Nachschuss (34.).
Die letzten Minuten bis zur Pause? Eine große Zitterpartie! Jordanien hatte erstmals lange Ballbesitzphasen, mehrere Standards und näherte sich dem Ausgleich abermals an. Der Außenseiter bot dem ÖFB-Team die Stirn. 1:0-Pausenführung, 64 Prozent Ballbesitz, 6:8 Schüsse.
In Halbzeit zwei brachte Rangnick nun den ÖFB-Rekordtorschützen. Marko Arnautovic ersetzte Sasa Kalajdzic, der bei seinen 24 Ballberührungen im ersten Durchgang unauffällig geblieben war.
Der Start in den zweiten Durchgang hätte kaum bitterer laufen können. Aussichtsreiche Chance Österreich, Xaver Schlager misslang der Steckpass. Der Konter traf Österreich genau ins Fußballherz. Al Olwan tat es Schmid gleich, zirkelte seinen Weitschuss aus großer Distanz via Innenstange ins lange Eck – 1:1 (50.)! Kritisch betrachtet stimmte die Rückwärtsbewegung vor allem im Mittelfeld nicht.
Rangnick sah noch zehn Minuten zu. Zehn Minuten, mit denen er nicht zufrieden sein konnte. Kevin Danso kam für David Alaba, Carney Chukwuemeka für Schlager, Paul Wanner für Phillipp Mwene – der Dreifachtausch eine halbe Stunde vor dem Ende sollte neuen Schwung bringen. Chukwuemeka sorgte sofort für Gefahr, scheiterte nur zwei Minuten nach der Einwechslung am Block eines Abwehrspielers.
Dann wurde es noch bitterer. Zuerst der Jubel, dann die große Enttäuschung: Arnautovic erlöste das ÖFB-Team mit dem vermeintlichen 2:1 aus kurzer Distanz. Das Schiedsrichterteam hatte nach Video-Studium etwas dagegen: Stefan Posch hatte den Ball in der Entstehung vom eigenen Körper an den Arm bekommen, will Referee Dahane Beida erkannt haben. Der erneute Führungstreffer wurde zurückgenommen.
Umso wichtiger war die Reaktion: Österreich behielt den Schwung der neuen Spieler, blieb am Drücker und wurde belohnt. Marcel Sabitzer brachte den Ball in die Mitte. Marko Arnautovic stieg hoch – sein Gegenspieler Al Arab bekam den Ball in den Nacken und beförderte ihn damit ins eigene Tor – 2:1 (76.).
Die Schlussphase brachte noch einmal großen Nervenkitzel. Zehn Minuten Nachspielzeit spannten die ÖFB-Fans auf die Folter. Arnautovic hätte die Wartezeit auf den ersten Sieg deutlich verkürzen können: Der Star-Stürmer lief in der 92. Minute alleine aufs Tor, scheiterte am stark parierenden Yazeed Abulaila.
Nach all seinen Frust-Momenten schlug dann als passender Schlusspunkt auch noch die Stunde des ÖFB-Rekordknipsers. Arnautovic holte selbst einen Hand-Elfmeter heraus, verwertete dann selbst seinen Penalty zum 3:1 (90+12.). Der 37-Jährige erhöhte sein Teamkonto auf 48 Treffer.