"Die Ferienzeit ist für viele Wanderzeit. Gleichzeitig beobachten wir aber zunehmend einen Trend zu mangelnder Tourenvorbereitung und Unachtsamkeit. Das müssen wir als Gesellschaft offen ansprechen", warnt Karl Weber, Landesleiter der Bergrettung NÖ/Wien.
Die Bergrettung musste im Juli im Schnitt zwei Mal täglich ausrücken. Die Zahl der verletzten Personen stieg von 29 (Juli 2025) auf heuer 40, aber auch die Zahl der unverletzt geretteten Personen nahm von 14 auf 18 (plus 29 Prozent) zu. Mitten in der Hauptsaison bestätige sich damit jener Trend, der die Bergrettung jetzt bereits seit Jahren begleitet.
Wie gefährlich bereits kleine Fehler bei der Tourenplanung sein können, zeigte ein schwerer Einsatz am Herminensteig am Schneeberg. Zwei Wanderer hatten die markierte Route verlassen und gerieten in steiles Gelände. Einer der beiden stürzte über einen Felsabsatz ab und erlitt schwere Verletzungen. Der Einsatz verdeutlicht, dass das Verlassen markierter Wege und das Vertrauen auf vermeintliche Abkürzungen im alpinen Gelände rasch lebensbedrohliche Folgen haben können. "Auch hier gilt wieder: Je schlechter ich vorbereitet bin, desto höher die Verletzungsgefahr", so Weber.
Dazu führen laut Bergrettung höhere Geschwindigkeiten, anspruchsvollere Strecken und die zunehmende Verbreitung von E-Mountainbikes "regelmäßig zu schweren Verletzungen".
Der August ist traditionell einer der einsatzstärksten Monate der Bergrettung, man setzt noch mehr auf Prävention und Information.
"Sucheinsätze zählen weiterhin zu den aufwendigsten Alarmierungen. Erst vor wenigen Tagen suchten Bergretter der Ortsstelle Puchberg gemeinsam mit der Alpinpolizei, einer Drohnengruppe und Suchhunden bis tief in die Nacht nach Jugendlichen im Bereich des Herminensteigs am Schneeberg.", so Martin Angelmaier, Landesleiter-Stellvertreter der Bergrettung NÖ/W.
Die Vermissten konnten schließlich unverletzt aufgefunden werden. Solche Einsätze binden innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Einsatzkräfte und erfordern eine enge Zusammenarbeit aller Organisationen. "Deshalb investieren wir laufend in neue Technologien, um unsere Einsatzkräfte bestmöglich zu unterstützen. Drohnen helfen dabei, Suchgebiete rascher und effizienter abzusuchen und unsere terrestrischen Suchmannschaften gezielt einzusetzen. Gleichzeitig rüsten wir auch in der medizinisch-technischen Ausstattung stetig nach. Etwa durch moderne Vitalparameter-Monitore, die unsere Alpinärztinnen, Alpinärzte sowie Alpin-Sanitäterinnen und Sanitäter immer häufiger im Einsatz verwenden."
Auch die anhaltenden Hitzeperioden machen sich im Einsatzgeschehen bemerkbar. Kreislaufprobleme, Erschöpfung und Dehydrierung führen immer häufiger zu medizinischen Notfällen im alpinen Gelände. Am Wasserfallsteig am Muckenkogel bei Lilienfeld musste ein Wanderer nach einem vermuteten Schlaganfall gemeinsam mit dem Notarzthubschrauber und der Bergrettung aus schwierigem Gelände gerettet werden. Die Zahl medizinischer Notfälle ist gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres deutlich gestiegen.
Die Landesorganisation NÖ/W ist eine der sieben rot-weiß-roten Landesorganisationen, die ehrenamtlich arbeiten und 24/7/365 für Personen, die im unwegsamen Gelände Hilfe benötigen, da sind.
Die erste Bergrettung weltweit wurde vor knapp 130 Jahren (1896) im niederösterreichischen Reichenau/Rax gegründet - von hier aus wurde das Modell Bergrettung in die ganze Welt exportiert.
Es gibt 29 Ortsstellen (kurz OS, oder Zentralen) in ganz NÖ. Die OS Wien ist verantwortlich für das Einsatzgebiet am westlichen Teil des Schneeberges. Die Landeszentrale befindet sich seit 2023 wieder im nö. St. Pölten, wobei der ehem. ÖAMTC Stützpunkt zukunftsfit gemacht und generalsaniert wurde.
Die Bergrettung NÖ/W hat knapp 1.400 ehrenamtliche Mitglieder und derzeit vier hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Mit knapp 900 Einsätzen pro Jahr verrichtet die Bergrettung hier mehr Einsätze als z.B. in Salzburg. Das hängt auch damit zusammen, dass die Bergretterinnen und Bergretter hier einen Teil der Pistendienste verrichten.
"Hitze, Gewitter und Wetterumschwünge werden im alpinen Gelände nach wie vor unterschätzt. Wer früh startet, Wetterberichte laufend beobachtet und bereit ist, eine Tour rechtzeitig abzubrechen, erhöht seine Sicherheit wesentlich", sagt Weber.
So musste am 29. Juli eine Klettergruppe in der Route "Traum und Wirklichkeit" von der Bergrettung Hohe Wand aufgrund des herannahenden Gewitters gerettet werden. Beim Versuch, die Route rasch zu verlassen, klemmte sich das Abseilseil ein. Die alarmierte Bergrettung erreichte die Gruppe noch vor dem Gewitter, befreite das Seil und ermöglichte den Kletterern eine sichere Rückkehr ins Tal. Alle Beteiligten blieben unverletzt.
Kosten für Bergrettungseinsätze können je nach Rettungsmittel, Personalaufwand und Dauer zwischen wenigen hundert bis hin zu mehreren tausend Euro kosten.
Bei Unfällen im alpinen Gelände übernimmt die Sozialversicherung keine Bergungskosten. Diese Kosten können unter Umständen sehr hoch sein (z.B. bei einem Such- oder Hubschraubereinsatz). Durch den Förderbeitrag von 36 Euro kann man eine Bergungskosten-Vorsorge abschließen und sich als Förderer bis 30.000 Euro auf Bergungskosten versichern lassen. Ein Teil des Förderbeitrags wird für die konstante Erneuerung des Bergematerials verwendet.
Die sieben Sicherheitstipps der Österreichischen Bergrettung sollen dazu beitragen, Einsätze im Vorhinein zu verhindern. Dass rund ein Drittel aller Bergrettungseinsätze Unverletzten-Rettungen sind, zeigt, dass viele Einsätze vermieden werden könnten, wenn Tourenplanung, Ausrüstung und Verpflegung sorgsam geplant würden: https://bergrettung-nw.at/tipps/