Betrügerin aufgeflogen

38-Jährige lebte 14 Monate als "Kind" bei Familie

Eine 38-Jährige gab sich in Brasilien als zwölfjähriges Mädchen aus und lebte 14 Monate bei einer Familie. Dann flog die unglaubliche Täuschung auf.
Nick Wolfinger
23.08.2026, 22:52
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Ein unglaublicher Betrugsfall sorgt in Brasilien für Aufsehen. Amanda Maria Souza de Oliveira gab sich als zwölfjähriges Mädchen namens "Gabriele" aus und wurde von einer Familie in Joinville im Bundesstaat Santa Catarina aufgenommen. 14 Monate lang lebte sie dort als vermeintliches Kind.

Tatsächlich war Amanda bei ihrer Festnahme bereits 37 Jahre alt. Wenige Tage später wurde sie 38. Die Familie glaubte hingegen, einem misshandelten Mädchen ein neues Zuhause zu geben.

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Über einen Pastor kam sie zur Familie

Den Kontakt zu ihren späteren "Eltern" bekam Amanda über eine Kirchengemeinde. Dort suchte sie Hilfe und kam über einen Pastor mit der Familie in Verbindung.

Dabei gab sie sich zunächst noch gar nicht als Kind aus. Amanda behauptete anfangs, 18 Jahre alt zu sein, Erfahrung als Bäckerin zu haben und Arbeit zu suchen. Nach und nach gewann sie das Vertrauen der Familie.

Dann änderte sie ihre Geschichte grundlegend: In Wahrheit, behauptete Amanda nun, sei sie erst elf Jahre alt und vor ihrem gewalttätigen Vater geflüchtet. Die Familie glaubte ihr und nahm sie schließlich bei sich auf. Aus Amanda wurde "Gabriele", die später ihren angeblich zwölften Geburtstag feierte.

So erklärte sie ihr erwachsenes Aussehen

Dass die vermeintliche Zwölfjährige deutlich älter aussah, hatte Amanda ebenfalls erklärt. Ihr gewalttätiger Vater habe sie als Kind gezwungen, Hormone einzunehmen. Zudem behauptete sie, Autistin zu sein.

Um ihre Rolle glaubwürdig zu machen, sprach sie mit hoher Kinderstimme und verhielt sich wie ein kleines Mädchen. Laut Ermittlern benutzte sie sogar Schnuller und Fläschchen. Die Familie richtete ihr ein Kinderzimmer mit Spielzeug ein und veranstaltete eine Geburtstagsfeier für ihre vermeintlich zwölfjährige "Tochter".

Schule und Behörden sollten allerdings nichts von "Gabriele" erfahren. Amanda behauptete, ihr Vater könnte sonst herausfinden, wo sie sich aufhielt.

Nach 14 Monaten flog alles auf

Dann wurde eine Verwandte der Familie misstrauisch. Sie begann im Internet zu recherchieren und suchte nach Fällen, bei denen sich Erwachsene als Kinder ausgegeben hatten. Dabei stieß sie auf Amanda. Fotos aus einem früheren Fall ließen kaum Zweifel zu. Die Verwandte schickte eines davon an das Paar, der Mann wandte sich daraufhin an die Polizei.

Die Ermittler verglichen die Fälle und kamen zu dem Schluss: Die zwölfjährige "Gabriele" war in Wahrheit eine erwachsene Frau. Am 2. Juni rückten Polizisten zum Haus der Familie aus.

Plötzlich war die Kinderstimme weg

Als die Polizisten das Haus betraten, saß "Gabriele" gerade auf ihrem Bett und aß. Um sie herum lagen Puppen, an den Wänden hingen Kinderzeichnungen. Noch immer sprach sie mit jener hohen Stimme, mit der die Familie sie als Zwölfjährige kennengelernt hatte.

Dann sprach einer der Polizisten sie mit einem Namen an, den ihre Gastgeber nicht kannten: "Amanda." Die Tarnung war aufgeflogen.

Amanda stand auf, strich ihre Shorts mit Herzmuster glatt - und ließ ihre Kinderstimme schlagartig fallen. Mit der Stimme einer erwachsenen Frau fragte sie die Polizisten: "Soll ich mitkommen?"

Schon 2010 gab sie sich als Kind aus

Der Fall in Joinville war offenbar kein Einzelfall. Bereits 2010 soll sich Amanda im Alter von 22 Jahren gegenüber Behörden als Zwölfjährige ausgegeben haben. In den folgenden Jahren trat sie laut Ermittlungen immer wieder unter erfundenen Identitäten als minderjähriges Mädchen auf. Nach ihrer Festnahme räumte sie ein, auch in anderen Teilen Brasiliens mit ähnlichen Geschichten aufgetreten zu sein.

Nun wurde Amanda wegen Betrugs und falscher Identität verurteilt. Sie erhielt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, sechs Monaten und zehn Tagen sowie zusätzlich vier Monate und 18 Tage Haft. Die Strafen sollen zunächst im halboffenen Vollzug verbüßt werden.

Darum wollte Amanda ein Kind sein

Amanda räumte ein, Menschen getäuscht und belogen zu haben. Eine betrügerische Absicht bestritt sie jedoch. Sie habe als Kind emotionale Vernachlässigung erlebt und später jene Aufmerksamkeit, Zuneigung und Geborgenheit gesucht, die ihr damals gefehlt hätten.

Wenn sie den Menschen gesagt hätte, dass sie eine erwachsene Frau sei, so ihre Erklärung, hätte sich niemand um sie gekümmert.

{title && {title} } NW, {title && {title} } 23.08.2026, 22:52