Die Anschuldigungen gegen den Salzburger Ex-Lehrer wiegen schwer: Der Mann war im Frühjahr suspendiert worden, nachdem mehrere Kinder von unangemessenen Berührungen und anderem grenzüberschreitenden Verhalten berichtet hatten. Die Bildungsdirektion erstattete Anzeige, die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Vergangene Woche wurden die ersten Kinder im Rahmen sogenannter kontradiktorischer Vernehmungen befragt. Dabei werden Minderjährige kindgerecht von einer Sachverständigen vernommen. Die Aussagen werden aufgezeichnet, Staatsanwaltschaft und Verteidigung können zugeschaltet werden und über die Sachverständige Fragen stellen. So sollen die Kinder bei einem möglichen späteren Prozess nicht erneut direkt mit dem Beschuldigten konfrontiert werden.
Opferanwältin Sabina Moser berichtet laut den "Salzburger Nachtichten", dass die Kinder bei ihren Aussagen bereits bekannte Vorwürfe schilderten. Demnach soll der Lehrer ihnen wiederholt ins Ohr geflüstert haben. Außerdem hätten Kinder beschrieben, bei ihm auf dem Schoß oder Knie gesessen zu sein.
Die Kinder hätten dabei deutlich gemacht, dass sie sich auf dem Schoß unwohl fühlten, sagt Moser. "Auch dieses Flüstern ganz nahe beim Ohr war sicherlich von den meisten nicht gewünscht."
Für die Familien gehe es nun vor allem darum, dass die Vorwürfe vollständig aufgeklärt werden. "Es ist ihnen wichtig, dass nichts unter den Teppich gekehrt wird. Das ist auch für die Kinder wichtig: Wenn sie später einmal Fragen haben, sollen sie wissen, dass ihnen zugehört wurde", sagt die Opferanwältin.
Nach Bekanntwerden der Vorwürfe meldeten sich weitere Familien. Sie berichteten von ähnlichen Erlebnissen mit der Lehrkraft, teilweise aus Jahren zuvor. Eine von der Bildungsdirektion eingerichtete Ombudsstelle verzeichnet mittlerweile zehn Meldungen.
Darunter seien auch Frauen, die inzwischen im Berufsleben stehen und von Erlebnissen aus ihrer eigenen Schulzeit berichteten, erklärt Ombudsmann Hans Rathgeb. Alle geschilderten Fälle seien an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden.
Auch die Kinder- und Jugendanwaltschaft betreut mehrere betroffene Familien. Kinderschutzbeauftragte Janina Schönleben berichtet von Fällen, die teilweise viele Jahre zurückliegen. "Teilweise haben sie das damals den Eltern erzählt und die konnten damit nichts anfangen."
Für die Kija-Expertin ist körperliche Nähe im Schulbereich ein Thema, bei dem genauer hingesehen werden müsse. "Aber vielen Eltern und Kindern ist das nicht so bewusst, weil das im Kindergarten noch normal ist."
Man könne deshalb etwa in Kinderschutzkonzepten festlegen, dass Kinder nicht auf den Schoß genommen werden. Auch Eltern und Kinder müssten wissen, welche Grenzen gelten und an wen sie sich wenden können. Die laufende Aufarbeitung sei jedenfalls wichtig: "Jeder Fall, der aufkommt, bietet eine Chance, etwas zu verbessern." Die gerichtlichen Vernehmungen sind noch nicht abgeschlossen. Nach derzeitigem Stand sollen insgesamt knapp 20 Kinder befragt werden.