Für viele Wiener ist die Grillsaison heuer ins Wasser gefallen. Seit 8. Mai gilt in der Bundeshauptstadt ein Grillverbot. Doch wer bereits einen Grillplatz auf der Donauinsel reserviert und dafür 45 Euro bezahlt hat, bekommt sein Geld nicht zurück.
Betroffen sind laut Stadt rund 800 Reservierungen. Die zuständige MA 45 (Wiener Gewässer) begründet die Entscheidung damit, dass der reservierte Platz trotz Grillverbots genutzt werden könne – etwa für ein Picknick. Bereits bei der Online-Buchung werde zudem darauf hingewiesen, dass die Gebühr im Fall eines Grillverbots nicht rückerstattet wird, heißt es in einem ORF-Bericht.
Seit heuer kostet eine Reservierung 45 Euro. Zuvor waren es zehn Euro. Die Anhebung erfolgte nach einer Empfehlung des Stadtrechnungshofs. Insgesamt werden pro Jahr rund 2.300 Grillplätze auf der Donauinsel reserviert.
Für heftige Kritik sorgt die Regelung bei der Opposition. FPÖ-Landesparteisekretär Michael Stumpf hält die Argumentation der Stadt für unverständlich: "Brandschutz geht selbstverständlich vor, aber wenn Sie eine Konzertkarte kaufen und das Konzert abgesagt wird, sagt Ihnen auch niemand: 'Sie bekommen kein Geld zurück, Sie können ja trotzdem im Foyer sitzen'." Die Begründung der Stadt sei "absurd", so Stumpf zum ORF.
Die Wiener ÖVP fordert ebenfalls ein Umdenken. Gemeinderätin Elisabeth Olischar erklärt im ORF: "Warum es bei einem behördlich verhängten Grillverbot kein einfaches System für kostenlose Stornierungen, Umbuchungen oder Rückerstattungen gibt, ist nicht nachvollziehbar." Das zeige die Mentalität der SPÖ-NEOS-Stadtregierung. "Einnahmen würden selbst dann verteidigt, wenn die bezahlte Leistung gar nicht erbracht werden kann."
Auch ein "Heute"-Leser ist unter jenen, die zwar einen Grillplatz reserviert haben, nun aber doch nicht Grillen, aber trotzdem zahlen dürfen: "Natürlich verstehe ich das mit der Brandgefahr aufgrund der extremen Hitze. Der schlimme Brand in der Lobau hat ja gezeigt, was passieren kann", so der Floridsdorfer. Dass er jetzt um seine 45 Euro und das Grillvergnügen mit Freunden umfällt, ärgert ihn aber trotzdem: "Ich fühle mich echt verkohlt! Die Idee mit dem Picknick ist zwar nett, aber dafür reserviere ich doch keinen Grillplatz."
Immerhin soll sich das System künftig ändern. Ab 2027 können Grillplätze nur noch quartalsweise reserviert werden. Dadurch will die Stadt verhindern, dass bei kurzfristigen Grillverboten so viele Buchungen betroffen sind.