"7 Spritzen in den Schädel" – Hasstiraden auf Mückstein

Ex-Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) und seine Familie standen vier Monate unter Polizeischutz.
Ex-Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) und seine Familie standen vier Monate unter Polizeischutz.GEORG HOCHMUTH / APA / picturedesk.com
Nach der Tragödie rund um die oberösterreichische Ärztin Lisa-Maria Kellermayr, bricht auch Ex-Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein sein Schweigen.

Anfang März hatte er nach 318 Tagen im Amt seinen Rücktritt als Gesundheitsminister bekannt gegeben. Ein wichtiger Grund dafür, so der 48-Jährige, seien die täglichen Drohungen gegen ihn und seine Familie gewesen. Wenn man das Haus nur noch unter Polizeischutz verlassen könne, halte man das nicht lange aus. Jetzt meldet sich Wolfgang Mückstein zum Fall Lisa Maria Kellermayr zu Wort.

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Der Suizid der oberösterreichischen Kollegin – Mückstein ist selbst Allgemeinmediziner – wühlt auf, sagt er im profil-Interview. "Es zeigt, wie sehr sich ein kleiner Teil der Gesellschaft in der Pandemie radikalisiert hat. [...] Im ersten Coronajahr habe ich selbst noch ordiniert. Die Kollegenschaft war schon damals sehr verunsichert, weil die Stimmung in den Wartezimmern aggressiver wurde. Dann kam die Impfung. Sie diente verunsicherten Menschen als Ventil für ihre Angst und Unzufriedenheit", so der grüne Ex-Minister.

"Wir haben Sie nicht vergessen!"

Er kritisiert, dass "in unserer Gesellschaft noch immer das Bewusstsein fehlt, dass anonyme Drohungen genauso große Ängste auslösen können wie direkte Beschimpfungen oder Drohungen auf der Straße". Man dürfe das nicht als reines "Dampfablassen" bagatellisieren. "Das machen Menschen, die mit einem Galgen vor dem Festspielhaus aufmarschieren", sagt Mückstein.

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Während seiner Amtszeit habe er regelmäßig Hassattacken bekommen. In einer etwa sei gestanden: "Wir haben Sie nicht vergessen!". In einer anderen wurde er mit Auschwitz-Arzt Mengele verglichen, ihm "sieben Spritzen in den Schädel" gewünscht, oder seine Familie konkret bedroht: "In einem Mail stand: 'Wenn Sie diese oder jene Maßnahme bis zum Datum X nicht zurücknehmen, schnappen wir uns Ihre Töchter.'" In dieser Tonart sei das über Monate gegangen, so der 48-Jährige.

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Vier Monate lang standen er und seine Familie unter Polizeischutz. "Wenn du schutzsichere Westen anprobierst, die dann immer mitgeführt werden im Auto, das macht etwas mit dir", lässt Mückstein im profil tief blicken.

Im Herbst kehrt er in seine Wiener Ordination zurück

Anonyme Drohungen müssten ähnlich ernst genommen werden wie konkrete von Angesicht zu Angesicht. "Es hätte wohl schon eine präventive Wirkung, wenn es mehr Verurteilungen gäbe." Doch genau daran scheint es zu haken. Auch im Umfeld des Ex-Ministers hat der Staatsschutz "in rund 12 Fällen" die Drohungen verfolgt. Das Ergebnis: "In zwei Fällen wurde ich über die Einstellung des Verfahrens informiert. Von den restlichen Fällen habe ich nichts mehr gehört", lautet die ernüchternde Bilanz.

Dennoch will Mückstein im Herbst in seine Wiener Ordination zurückkehren, auf Securities verzichtet er aber. Er sei jetzt "nicht mehr so interessant", so der 48-Jährige. "Der Hass tröpfelt nur noch rein."

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