Im März 1945 wurde die Staatsoper am Wiener Ring durch Bomben schwer getroffen. Große Teile des Hauses gingen in Flammen auf – Bühne, Werkstätten und der Zuschauerraum waren zerstört. Zehn Jahre später, am 5. November 1955, öffnete die Oper mit der Premiere von "Fidelio" wieder ihre Türen für das Publikum.
Die Eröffnung war damals weit mehr als nur ein Neustart für die Oper. Die Premiere wurde weltweit übertragen und war gleichzeitig die Geburtsstunde des österreichischen Livefernsehens. In ganz Österreich versammelten sich die Menschen in Wirtshäusern und Sälen, um das große Ereignis zumindest im Fernsehen mitzuerleben. Die Wiedereröffnung galt für viele als sichtbares Zeichen des Wiederaufbaus nach den Jahren der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg – ein Symbol für ein neues Österreich.
Im Opernhaus selbst steht die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit im Vordergrund. Die Ausstellung "Zerstörung und Wiederaufbau" zeigt ab 5. November im Balkonumgang der Oper, bis Ende Jänner historische Fotos und Gegenstände aus der Zeit des Wiederaufbaus. Sogar der offizielle Schlüssel der Wiener Staatsoper, der Karl Böhm 1955 überreicht wurde, ist zu sehen.
Im Rahmen der Ausstellungseröffnung wird auch eine Gedenktafel enthüllt. Diese erinnert an die Opfer des Nationalsozialismus, die im Haus gearbeitet haben. Gleich nach dem "Anschluss" 1938 wurde eine Liste von Mitarbeitern veröffentlicht, die sofort beurlaubt oder gekündigt werden sollten. In weiterer Folge wurden jüdische und politisch andersdenkende Beschäftigte ausgegrenzt, verfolgt und ermordet. Die Gedenktafel befindet sich im Arkadengang der Oper und sorgt, laut Danielle Spera, dafür, dass "die Erinnerung lebendig bleibt".
Die Doku "Wiener Staatsoper – Weltbühne für Österreich" (5. November, 22.30 Uhr, ORF 2) beschäftigt sich mit der Bedeutung der Staatsoper für das Selbstverständnis der Republik im Wandel der politischen Systeme. Die zentrale Aussage: Erst als am 5. November 1955 die Staatsoper am Ring wieder bespielt wurde, war Österreich wirklich frei.
Zeitzeugen und Fachleute kommen zu Wort und erzählen, wie eng Kultur und Politik in Österreich zusammenhängen. Auch der ehemalige Politiker Peter Marboe berichtet von der Eröffnung der Oper, bei der er 1955 selbst dabei war.