Immer mehr Alleinerzieherinnen geraten durch Teuerung und Kürzungen in existenzielle Not. Auch Andrea (Name von der Redaktion geändert) ist im Alltag ständig von Sorgen begleitet.
"Es ist einfach nicht mehr gegangen", sagt sie rückblickend. Vor einigen Jahren zog Andrea zu ihrem Partner nach Oberösterreich. Doch die Beziehung scheiterte an ständigen Konflikten. Nach nur einem Jahr kehrte sie zurück nach Wien – ohne eigene Wohnung. Übergangsweise lebte sie mit ihrer dreijährigen Tochter bei ihrem Vater in einer Einzimmerwohnung, später in einer Notunterkunft.
In einer schwierigen Phase fand Andrea Hilfe im Mutter-Kind-Haus Immanuel der Caritas. Dort lebte sie zwei Jahre mit ihrer Tochter. Neben einer eigenen Wohnung gab es auch Möglichkeiten zum Austausch mit anderen Alleinerzieherinnen. "Das hat mir sehr geholfen", berichtet sie. Auch heute nutzt sie die Muki-Beratung vor Ort. Dort gibt es Unterstützung bei Alltagsfragen, Gespräche und Sachspenden wie Kleidung oder Spielzeug.
Seit zehn Jahren ist die 50-Jährige nicht mehr berufstätig. Sie leidet am Crest-Syndrom, einer seltenen, chronischen Autoimmunerkrankung. Die damit verbundenen Hautveränderungen und körperlichen Einschränkungen machten es ihr unmöglich, weiter in der Reinigung zu arbeiten.
"Irgendwann musste ich aufhören", erzählt sie. Seitdem bemüht sie sich um eine neue Arbeit, bislang ohne Erfolg. Eine abgeschlossene Schulausbildung hat sie nicht. Auch ein Antrag auf Berufsunfähigkeitspension wurde abgelehnt. Derzeit wird ihr Fall von der Arbeiterkammer geprüft.
Andrea lebt von Leistungen des AMS und Familienbeihilfe. Der Unterhalt vom Kindesvater fällt gering aus, aktuell ist das Jugendamt eingeschaltet. Größere Ausgaben stellen für die Alleinerzieherin eine enorme Belastung dar.
Heute lebt Andrea mit ihrer Tochter in einer Gemeindewohnung. Doch steigende Energiekosten setzen sie zunehmend unter Druck – so sehr, dass sie über einen Umzug nachdenken muss. Für ihre Gasheizung erhielt sie zuletzt eine Jahresabrechnung von rund 800 Euro. "Wenn solche Beträge auf einmal kommen, wird es schwierig", sagt sie.
"Die Belastung für Mütter und Kinder ist deutlich gestiegen", erzählt auch Lydia Rössler, Leiterin des Hauses Immanuel. "Auch viele ehemalige Bewohnerinnen brauchen weiterhin Unterstützung, weil die laufenden Kosten kaum mehr zu bewältigen sind."
Im Jahr 2025 wurden in den drei Wiener Mutter-Kind-Häusern der Caritas insgesamt 66 Mütter und 107 Kinder aufgenommen.