So viele wissen gar nicht, dass sie Corona haben

Dass sich das Coronavirus so schnell ausbreiten kann, liegt daran, dass die meisten Betroffenen nichts von ihrer Infektion wissen. Darum ist Abstand halten so wichtig.
Die Zahl der bestätigten weltweiten Covid-19-Fälle hat die 200.000er-Marke überschritten. Doch die tatsächliche Zahl dürfte weitaus höher liegen. Für jeden Fall dürfte es fünf bis zehn weitere geben, die unerkannt bleiben, wie die "New York Times" schreibt. Und diese unbemerkten Infektionen, obwohl weniger ansteckend, dürften für die mehr als zwei Drittel der Infektionen verantwortlich sein, wie Forscher im Fachjournal "Science" schreiben.

Für die Studie erstellten sie ein Modell der Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 basierend auf Zahlen aus 375 chinesischen Städten inklusive Wuhan, die bis zum 23. Jänner erhoben wurden. Danach verhängte die chinesische Regierung ein Reiseverbot und begann rigoros zu testen.

Für die meisten Fälle verantwortlich

Es zeigte sich, dass in dieser Zeit sechs von sieben Fällen oder 86 Prozent der Fälle unbemerkt blieben. Jeffrey Shaman von der Columbia-Universität in New York und Co-Autor der Studie sagte in einer Mitteilung: "Die Explosion der Covid-19-Fälle in China wurde hauptsächlich durch Personen mit milden, eingeschränkten oder Symptomen, die unerkannt blieben, vorangetrieben."

CommentCreated with Sketch. zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. "Unerkannte Fälle können viel größere Teile der Bevölkerung dem Virus aussetzen, als das sonst der Fall wäre", so Shaman weiter. "Diese verborgenen Übertragungen werden weiterhin eine enorme Herausforderung für die Eindämmung dieses Ausbruchs darstellen."

15.000 Fälle in Österreich?

Die Studie ist eine der ersten, die sich mit der Frage beschäftigte, wie viele Menschen infiziert herumlaufen und wie ansteckend diese sind. Auf Österreich übertragen, bedeuten die Ergebnisse, dass es hierzulande bereits über 15.000 Fälle geben könnte und die Mehrheit nichts davon weiß und so die Viren unkontrolliert verbreiten kann. Die Studie gibt damit dem Gebot der Stunde, Abstand halten, weiteres Gewicht.

Denn obwohl die unbemerkten Fälle milder waren, bedeutet das nicht, dass von ihnen angesteckte Personen ebenfalls nur milde Symptome zeigen. "Nur weil man die Krankheit von jemandem mit milden Symptomen bekommt, heißt das nicht, dass man auch nur milde Symptome hat. Man kann trotzdem auf der Intensivstation enden", so Shaman.

Mehr Tests

Die Forscher betonen, dass es unabdingbar sei, im Westen die Tests massiv auszuweiten, wie das in China und auch in Südkorea geschehen ist, wo die Fallzahlen im Gegensatz zu Europa kaum noch zunehmen. In Wuhan konnten mit Beginn des Lockdowns und der Ausweitung der Tests die Mehrheit der Fälle, etwa 65 Prozent, ausfindig gemacht werden. Zuvor waren es gerade einmal 14 Prozent.

Wenn man nicht aktiv möglicherweise infizierte Personen suche und sie teste, bleibe die Mehrheit der Ansteckungen unbemerkt, erklärte Shaman während einer Pressekonferenz anlässlich der Veröffentlichung der Studie laut QZ.com.

Die Erkenntnisse der Studie sprechen laut den Forschern dafür, dass es eine massive Steigerung bei der Bestimmung und der Isolierung von derzeit noch nicht erfassten Fällen brauche, um Sars-CoV-2 vollständig unter Kontrolle zu bringen.





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