Vom Krankenbett auf die Skiflugschanze! Stefan Kraft reist ohne Trainingssprung zur Skiflug-WM in Planica. Seine Kollegen Gregor Schlierenzauer, Michael Hayböck hatten einen Trainingstag, Philipp Aschenwald hat einige Trainingssprünge mehr in den Beinen. Die Vorbereitung auf das Saisonhighlight in Slowenien verlief alles andere als optimal.
Alle vier Athleten hatten sich mit dem Coronavirus infiziert, wurden erst diese Woche auf den letzten Drücker fit, um zur Flug-WM anreisen zu können. Am Donnerstag stehen bereits das erste Flugtraining und die Qualifikation auf dem Programm.
ÖSV-Sprungtrainer Andreas Widhölzl, der selbst an Covid-19 erkrankt war, kommt mit niedrigen Erwartungen zum Austragungsort. Im "Kurier" will er aber das Gute in einer schwierigen Situation sehen: "Zumindest haben wir jetzt die Herdenimmunität in der Trainingsgruppe Skisprung."
Bei den ÖSV-Adlern regiert seit Wochen das Corona-Chaos. Erst steckten sich jene vier Athleten und ihr Trainer an, die Österreich nun in Planica vertreten. Am vergangenen Wochenende wurden dann beim Weltcup in Russland auch Daniel Huber, Manuel Fettner, Jan Hörl und Thomas Lackner positiv getestet. Sie wurden aus Nischnij Tagil ausgeflogen, um einer mehrtägigen Quarantäne in Russland zu entgehen, fallen für die Weltmeisterschaft aber jedenfalls aus.
Vor wenigen Tagen hatten Widhölzl und seine Kollegen noch zittern müssen, ob überhaupt Top-Athleten für den Wettkampf zur Verfügung stehen würden. Jetzt treten die Österreicher "eher als Außenseiter" an, wie der Coach sagt. Immerhin hatte Schlierenzauer in seinem Blog noch vergangene Woche von hohem Fieber und der psychischen Belastung seiner Corona-Erkrankung berichtet.
Selbst einem Gesamtweltcupsieger wie Kraft wird es wohl viel Überwindung kosten, nach dreiwöchiger Pause den ersten Sprung auf einer Schanze zu machen, auf der der Japaner Ryöyü Kobayashi im Vorjahr noch 252 Meter weit gesegelt ist.
Die Springer selbst verbreiten mit ihrer positiven Sicht auf die Dinge Optimismus. Auf die WM und die besonderen Umstände angesprochen, reagierten Stefan Kraft und Gregor Schlierenzauer wie folgt.
Kraft: "Ich bin froh, dass ich wieder fit bin. Ich habe heute noch eine sportärztliche Untersuchung absolviert und die ist positiv verlaufen. Die Vorbereitung ist sicher nicht ideal, aber noch eine Woche warten, das hat auch keinen Sinn. Ich möchte nicht noch länger zu Hause sitzen und mir die WM im Fernsehen anschauen, mit dem Wissen, dass ich eigentlich dabei sein könnte. Dafür brenne ich zu sehr für meinen Sport und das Skifliegen ganz besonders."
Schlierenzauer: "Es stehen ein paar spannende Tage vor mir und vor dem gesamten Team. Es fühlt sich gut an, wieder an der Schanze zu sein und wieder in den Rhythmus zu finden. Ich möchte von Sprung zu Sprung besser werden. Es geht jetzt mehr oder weniger vom Bett direkt auf eine der größten Schanzen der Welt."
Donnerstag, 10. Dezember
14:00 Uhr: Offizielles Training
16:00 Uhr: Qualifikation
Freitag, 11. Dezember
15:00 Uhr: Probedurchgang
16:00 Uhr: Wettkampf (Einzel: Durchgang 1+2)
Samstag, 12. Dezember
15:00 Uhr: Probedurchgang
16:00 Uhr: Wettkampf (Einzel: Durchgang 3+4)
Sonntag, 13. Dezember
15:00 Uhr: Probedurchgang
16:00 Uhr: Wettkampf (Team)