Der Drogenkonsum in Österreich wird immer gefährlicher. Anlässlich des Welt-Drogen-Tages am 26. Juni schlägt Christian Korbel von der Österreichischen Ärztekammer Alarm: "Der Drogenkonsum in Österreich ist weitgehend stabil, birgt aber weiterhin ein hohes Gefahrenrisiko. Besorgniserregend ist insbesondere die Zunahme an hochriskantem Mischkonsum, der immer öfter Krankenhausbehandlungen nötig macht und im schlimmsten Fall zum Tod führen kann."
Besonders gefährlich sei die Kombination mehrerer Substanzen, etwa Opioide mit Alkohol, Psychopharmaka oder anderen Drogen. Laut Ärztekammer waren bei den im Jahr 2024 untersuchten drogenbezogenen Todesfällen in 84 Prozent der Fälle Opioide im Spiel.
"Vor allem bei Jugendlichen unter 25 Jahren nimmt diese hochriskante Mischung verschiedener Drogen deutlich zu. Es kommt dadurch immer wieder zu Notaufnahmen in Krankenhäusern und mitunter auch zu Todesfällen, da der Mischkonsum das Risiko für Überdosierungen massiv erhöht", warnt Korbel.
Die häufigste Sucht in Österreich ist weiterhin die Nikotinabhängigkeit. Rund 24 Prozent der Menschen rauchen täglich. Gleichzeitig beobachten Experten vor allem bei Jugendlichen einen Wandel: Statt klassischer Zigaretten greifen viele zu E-Zigaretten, Tabakerhitzern oder Nikotinbeuteln.
"Acht Prozent der 15-Jährigen konsumieren täglich E-Zigaretten", gibt Korbel zu bedenken. Dass diese Produkte ebenfalls Nikotin enthalten, ändere nichts an der Suchtgefahr.
Auch Alkohol bleibt ein großes Problem. Zwar gehen problematischer täglicher Konsum und alkoholbedingte Erkrankungen langfristig zurück, dennoch konsumieren laut Ärztekammer noch immer rund 15 Prozent der Erwachsenen Alkohol in problematischem Ausmaß.
Bei den illegalen Drogen bleibt Cannabis die am häufigsten konsumierte Substanz. Sorgen bereitet außerdem die Zunahme synthetischer Cannabinoide, die zusätzliche Gesundheitsrisiken bergen.
Auch Kokain wird wieder häufiger konsumiert. "Gesunkene Preise bei gleichzeitig stärkerer Dosierung haben dazu geführt, dass Kokain längst keine Droge der Reichen mehr ist", sagt Korbel.
Je regelmäßiger illegale Drogen konsumiert würden, desto größer sei die Gefahr einer Abhängigkeit. Zu den wichtigsten Warnzeichen zählen laut dem Experten Kontrollverlust über den Konsum, die Vernachlässigung von Familie, Freunden oder Hobbys sowie der weitere Konsum trotz gesundheitlicher Schäden.
Um Suchterkrankungen und Todesfälle zu verhindern, fordert die Ärztekammer einen leichteren Zugang zu Hilfsangeboten. Betroffene müssten möglichst früh Unterstützung erhalten – nicht nur medizinisch, sondern auch bei Wohnsituation, Arbeit, Ausbildung und sozialer Reintegration. Außerdem brauche es mehr Fachärzte für Psychiatrie.