Ärzte warnen: "Kinder werden Folgen tragen müssen"

Durch gezielte Maßnahmen soll die Gesundheit der Österreicher verbessert werden, wie z.B. durch ein hochwertigeres Angebot in Schulbuffets und -kantinen für unsere Kinder
Durch gezielte Maßnahmen soll die Gesundheit der Österreicher verbessert werden, wie z.B. durch ein hochwertigeres Angebot in Schulbuffets und -kantinen für unsere Kinderistock
Vier steirische Ärzte wenden sich in einem Offenen Brief an die Bundesregierung. Geht es dieser tatsächlich langfristig um die Gesundheit der österreichischen Bevölkerung oder sind die drastischen Corona-Maßnahmen in erster Linie Populismus?

Wir möchten in diesem Brief ein Plädoyer für eine verantwortungsvolle, langfristig zukunftsorientierte Politik machen, die die richtigen Schlüsse aus einer so schrecklichen Krise mit so weitreichenden Folgen wie die von Covid-19 zieht.

Wir möchten hier nicht darauf eingehen, ob nach dem initial sinnvollen Shutdown ein differenzierteres Vorgehen möglich gewesen wäre und ob die Verhältnismäßigkeit aller Maßnahmen immer gewahrt war, ob also die durch die Maßnahmen verhinderten Todesfälle in einem positiven Verhältnis zu den durch die Maßnahmen entstandenen Erkrankungen und Todesfällen stehen.

Tragen von Schutzmasken ist Gesundheitsrisiko

Für viel wichtiger halten wir es nun, über die weiteren Konsequenzen dieser Krise zu sprechen. Sich in der weiteren Strategie zur Bekämpfung von Covid-19 nur auf das "Social Distancing" z.B. das Tragen von Masken und die Entwicklung eines Impfstoffes zu verlassen wäre aus unserer Sicht ein fataler Fehler.

Warum wir dieser Meinung sind, möchten wir hier kurz erläutern:

Das Tragen von Masken z.B. ist eine Maßnahme mit noch nicht ganz klarer Evidenz, bei deren falscher Anwendung sogar ein erhöhtes Risiko für Atemwegsinfekte bestehen könnte. Generell wird das "Social Distancing", längerfristig angewendet, negative Auswirkungen auf viele Menschen und unsere Gesellschaft als Ganzes haben.

Bezugnehmend auf die Entwicklung eines Impfstoffes möchten wir anmerken, dass gerade die Viren, die schwere respiratorische Infekte verursachen, die Eigenschaft besitzen sich schnell zu verändern und ein Impfstoff der gegen Covid-19 hilft, könnte gegen ein ähnliches Virus im nächsten Jahr nur noch wenig Wirkung zeigen. So wie man es oft im Fall der Grippe sieht.

"Immer einen Schritt hinterher"

Setzen wir also nur auf diese Strategien, können wir auf diese oder ähnliche infektiöse Erkrankungen nur reagieren und sind immer einen Schritt hinterher, anstatt aktiv Maßnahmen zusetzen, welche die Gefährlichkeit eines solchen Virus drastisch reduzieren könnten.

Es ist eine wissenschaftlich gesicherte Tatsache, dass die meisten Menschen, die schwer an Covid-19 erkranken oder sterben an schweren Vorerkrankungen leiden oder litten. Hier sind in erster Linie Lungenerkrankungen wie COPD, ein schwaches Herzkreislaufsystem, dessen Ursache in erster Linie auf arteriosklerotische Veränderungen zurückzuführen ist und ein geschwächtes Immunsystem zu nennen.

Die häufigsten Ursachen für Immundefekte sind Diabetes mellitus, Tumorerkrankungen und deren Behandlung sowie Stress. Die häufigsten Ursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind ein zu hoher Konsum von tierischen Lebensmitteln, Weißmehl und Zucker sowie Rauchen, Bewegungsmangel und Stress.
Die häufigsten Ursachen für Lungenerkrankungen sind Rauchen und Umweltbelastungen.

Wahre Ursache von Erkrankungen bekämpfen

In Österreich sind im Jahre 2018 laut Statistik Austria über 32.500 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen verstorben, über 20.500 Menschen sind an bösartigen Tumorerkrankungen verstorben (die überwiegende Mehrzahl dieser bösartigen Tumore sind solche, die eine hohe Assoziation zu unserem Lebensstil haben, wie Dickdarm-, Lungen-, Prostata- und Brustkrebs). Und über 5.500 Menschen verstarben an Erkrankungen der Atmungsorgane.

Covid -19 ist bei einem geringen Teil dieser schwerkranken Menschen letztendlich der finale Auslöser für den Tod.

Wäre es also nicht weitaus sinnvoller, sich auch vermehrt auf die wahren Ursachen der oben genannten Erkrankungen zu fokussieren und diese zu bekämpfen, als sich nur auf einen von vielen möglichen Auslösern zu konzentrieren, der dann bei diesen schwerkranken Menschen mit meist schlechter Lebensprognose zum Tod führen kann? Denn neben Covid-19 sind auch zahlreiche andere Infektionen (wie multiresistente Krankenhauskeime und andere saisonal auftretenden Erkrankungen der Atemwege wie Influenza) in letzter Instanz für den Tod dieser Menschen verantwortlich.

Zudem könnte mit diesen Maßnahmen nicht nur der Tod und eine akute Verschlechterung des Grundleidens verhindert werden, sondern in den meisten Fällen auch die Erkrankung selbst.

Typisch westlicher Lebensstil oft riskant

Hier möchten wir hinzufügen, dass es der modernen Schulmedizin ja in vielen Fällen zu verdanken ist, dass das Leben dieser chronisch schwerkranken Menschen erhalten bleibt, die Lebensqualität ist jedoch fast immer massiv eingeschränkt. Auch hier würden präventive Maßnahmen sinnvoll ansetzen und das Leid der Menschen reduzieren.

Die Lebensstilfaktoren, die letztendlich das Auftreten aller dieser auch Zivilisationskrankheiten genannten Erkrankungen massiv begünstigen sind wie gesagt Bewegungsmangel, ein zu hoher Konsum an tierischen Lebensmitteln sowie Zucker und Weißmehlen, ein zu geringer Konsum an vollwertig pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse und Hülsenfrüchten als auch Stress und Umweltbelastungen.

Hierfür besteht die höchste wissenschaftliche Evidenz: So kann man sein Risiko an einer koronaren Herzerkrankung zu erkranken laut aktuellen Studien mit der Umstellung auf eine vollwertig, pflanzenbasierte Ernährung (vegetarisch/vegan/traditionell mediterran) im Vergleich zu einer typisch westlichen Ernährung mit einem hohen Anteil an tierischen Produkten und raffinierten Kohlenhydraten um bis zu 30 Prozent senken und sein Risiko an einem bösartigen Tumor zu erkranken zwischen 15 und 20 Prozent senken. Eine solche Ernährung senkt auch den Blutdruck, das Risiko an einem Diabetes mellitus Typ II zu erkranken und von Fettleibigkeit.

Gesunde Ernährung und Sport

Auch regelmäßige körperliche Bewegung kann das Risiko für das Auftreten eines bösartigen Tumors sowie einer koronaren Herzerkrankung um 20 bis 30 Prozent senken. Auch das Risiko für Fettleibigkeit, Bluthochdruck und Diabetes mellitus sinkt deutlich.

Ähnlich erhöhte Risken für oben genannte Erkrankungen bestehen auch bei chronischem Stress.

Man kann sich nun leicht ausrechnen, wie viele schwere Erkrankungen und Tote man sich im Jahr ersparen könnte, wenn man Menschen zu einer gesunden Ernährung und regelmäßiger Bewegung animieren würde. Es sind mehrere 10.000 pro Jahr, und hier sind die Auswirkungen von anderen Faktoren wie Rauchen oder Umweltbelastungen noch nicht einmal hinein gerechnet.

Regierung blockt Expertenmeinungen ab

Viele Anregungen und Versuche von Gesundheitsexperten durch gezielte Maßnahmen die Ernährungsgewohnheiten der Bevölkerung zu verbessern, wie z.B. ein hochwertigeres Angebot in Schulbuffets und -kantinen oder eine Besteuerung von Zucker und Fleisch wurden bis jetzt meist von den Entscheidungsträgern abgelehnt und blockiert. Begründet wurde dies immer mit dem Argument der wirtschaftlichen Unzumutbarkeit für Produzenten, Verkäufer und Konsumenten sowie der Freiheit des Einzelnen.

Dabei hätten sich die wirtschaftlichen Folgen in Grenzen gehalten und wären durch Unterstützung in Härtefällen sicher abzufedern gewesen.

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Dies steht in keiner Relation zu dem Herunterfahren einer gesamten Volkswirtschaft wie jetzt im Falle von Covid-19 und konsekutiven wirtschaftlichen Verlusten im mehrstelligen Milliarden Euro Bereich sowie massivste Einschränkungen der persönlichen Freiheit, obwohl in realistischen Schätzungen die Zahl an hypothetischen Covid-Todesfällen auch im Worst-Case-Szenario weit unter der liegt, die jedes Jahr bewusst durch lebensstilassoziierte Erkrankungen in Kauf genommen wird. Dass in diesem Bereich Tote weit weniger emotional akzeptiert werden, kann man an der Aufhebung des Rauchverbotes in der Gastronomie im Jahre 2018 erkennen.

Regionale Produkte fördern

Aus diesem Grund bitten wir gerade jetzt die gesamte Bevölkerung, alle kritischen Medien und insbesonders die Ärzteschaft genaues Augenmerk darauf zu legen, welche Maßnahmen nun ergriffen werden und auf welche Art und Weise die stark angeschlagene Wirtschaft unterstützt und subventioniert wird.

Werden nun Bewegungsprogramme für Ältere und Jugendliche, psychosoziale Einrichtungen sowie kleinstrukturierte Bio-Landwirtschaft gefördert? Gibt es eine Aufwertung des ärztlichen Gesprächs? Wird der Bevölkerung der Umstieg von einer klassisch westlichen Ernährung zu einer vollwertigen, überwiegend pflanzlichen Ernährung durch Informationskampagnen und Subvention dieser Lebensmittel erleichtert? Werden regionale Produkte vermehrt gefördert?

Oder erhalten, wie üblich, Industriezweige mit einer schlechten ökologischen Bilanz und die industrielle Landwirtschaft einen Großteil der Förderungen.

Corona-Maßnahmen nur Populismus?

Dies würde das Fortschreiten des Klimawandels weiter beschleunigen und eine Zunahme von Lungenerkrankungen und damit schwere Verläufe von Viruserkrankungen begünstigen. Angesichts der globalen Auswirkungen des Klimawandels auf unser soziales Gefüge und damit unsere Gesundheit wäre dies jedoch eine der harmloseren Konsequenzen.
Eine Subvention der industriellen Landwirtschaft, vor allem der Tierhaltung, hätte eine weitere Verschlechterung der Ernährungsgewohnheiten der Bevölkerung zur Folge. Auch Antibiotika-Resistenzen würden weiterzunehmen und damit die Zahl an Todesopfern durch multiresistente Keime. Diese beträgt zurzeit schon 5.000 Tote in Österreich pro Jahr. Auch hier sind ältere Menschen mit schweren Vorerkrankungen ähnlich wie bei Covid-19 besonders gefährdet. Nicht zu vergessen, die Auswirkung auf unser Klima und die Tatsache, dass die industrielle Tierhaltung auch oft der Ursprung der Viren war, die in den letzten Jahren eine Gefahr für ein pandemisches Geschehen bargen, da sie ein optimaler Platz für die Vermehrung und Mutation von Viren wie COVID-19, Schweine- oder Vogelgrippe sind.

Wir bitten Sie nun aufmerksam zu beobachten, was in weiterer Folge geschehen wird und unsere Entscheidungsträger daran zu messen, welche Maßnahmen sie in Zukunft setzen werden, denn unsere Kinder werden die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen tragen müssen.

Sollte jetzt wieder die Wirtschaft das Argument sein künftige präventive Maßnahmen, die uns jährlich Zehntausende von schwer erkrankten Menschen und Toten ersparen könnten, nicht umzusetzen muss man an der Aufrichtigkeit und Menschenliebe der Entscheidungsträger zweifeln.

Daran wird man erkennen können, ob es Ihnen tatsächlich langfristig um die Gesundheit der österreichischen Bevölkerung geht oder ob die drastischen Maßnahmen im Falle von Covid19 in erster Linie Populismus waren.

Dr. med. univ. Stefan Friedrich, Arzt für Allgemeinmedizin
Dr. med. univ. Gernot Träger, Arzt für Allgemeinmedizin
Priv. Doz. Dr. med. Georg Hammer, Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilunde
Dr. med. Andrea Cronenberg, Fachärztin für Neurologie

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