Wirtschaft

Wird Konto-Überziehung jetzt billiger?

Viele Menschen müssen aufgrund der Corona-Krise ihr Konto überziehen. Die Zinssätze dafür sind zum Teil sehr hoch. Die Arbeiterkammer fordert deshalb verbraucherfreundlichere Zinssätze.
11.05.2020, 15:39

Die Corona-Krise bringt viele in finanzielle Schwierigkeiten, manche haben sogar ihren Job verloren. Zumindest kurzfristig bleibt vielen nur, ihr Konto zu überziehen um laufende Kosten zu begleichen. Doch ein Minus am Konto kann sehr teuer werden. Die Arbeiterkammer (AK) fordert daher verbraucherfreundlichere Zinssätze fürs Überziehen und ein Aussetzen von Strafzinsen. Nicht mehr als 5 Prozent sollen Banken bei Kontoüberziehungen verlangen, fordert AK-Verbraucherschützerin Gabriele Zgubic.

Die Arbeiterkammer fordert von den Banken, ihren Kunden mit einem Sonder-Zinssatz entgegenzukommen. Dieser soll nach Vorstellung von Zgubic fünf Prozent betragen, fix auf ein Jahr sein und damit nicht teurer sein als ein Konsumkredit. Der Corona-Zinssatz soll vor allem jenen Bankkunden durch die Krise helfen, die auf die Kontoüberziehung angewiesen sind. Außerdem sollte der Überschreitungszins, etwa vier Prozent, entfallen, wenn der vereinbarte Kontorahmen - meist in der Höhe von zwei bis vier Monats-Nettogehältern - überzogen wird.

"Kein Zusatzgeschäft mit Kontoüberziehungen"

"Für die Banken sind die Zinsen der Kontoüberziehung ein gutes Geschäft, für die Bankkundinnen und Kunden ist es ein teures Geschäft", wie Zgubic gegenüber dem "Kurier" sagte. "Eine Kontoüberziehung kostet im Schnitt 10,5 Prozent und bei einer Überschreitung des Rahmens, die in Coronazeiten noch öfter notwendig sein wird, gibt es noch einen weiteren Zinsaufschlag", so Zgubic. "Die Zinsen für Guthaben am Konto sind hingegen de facto null."

Der günstigste Zinssatz für ein Minus beträgt 5,375 Prozent, der höchste 13,5 Prozent. Zum Vergleich: Die Zinsen für neu abgeschlossene Konsumkredite sind - laut Statistik der Österreichischen Nationalbank - mit 5,06 Prozent verzinst (Februar 2020).

"Die Banken, die in den vergangenen Jahren hohe Gewinne verzeichneten, sollen aus der Krise kein Zusatzgeschäft bei Kontoüberziehungen machen", so Zgubic. Die Arbeiterkammer hätte nämlich in letzter Zeit auch viele Anrufe von Konsumenten erhalten, weil einige Banken ihre Kontorahmen offenbar überraschend gekürzt oder gar gekündigt haben.

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