Samir Kesetovic ist der wohl streitbarste Funktionär der Arbeiterkammer Niederösterreich. Immer wieder wies er in der Vergangenheit auf vermeintliche und tatsächliche Missstände hin, schlug dabei auch das eine oder andere Mal weit über die Strenge. So beschimpfte er etwa die FPÖ-Politikerin Vesna Schuster auf's Tiefste – "Heute" berichtete.
Seine letzte Fehde kostete ihm nun seinen Brotjob als Krankenpfleger im St. Pöltner Spital. Über zwei Jahrzehnte hatte er dort gearbeitet. Wie berichtet hatte er kürzlich Anschuldigungen gegen seinen Arbeitgeber erhoben, weil im Spital auf der Corona-Station heimlich gefilmt worden sein soll. Die Leitung des Klinikums wehrte sich vehement gegen die Vorwürfe, die Kamera sei bekannt gewesen, zudem beim Eingang und nicht auf der Corona-Station und diene zudem dem Schutz der Mitarbeiter. Nach etwas mehr als zwei Wochen zog man nun endgültig die Reißleine.
"Der genannte Mitarbeiter musste entlassen werden, da er wiederholt gezielt Unwahrheiten über Vorgänge und Abläufe im Klinikum verbreitet hat und damit bewusst Unsicherheit bei den Patientinnen und Patienten ausgelöst hat. Das gesamte Niederösterreichische Gesundheitswesen und alle seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind unermüdlich bemüht, die größtmögliche medizinische und pflegerische Sicherheit zu garantieren. Wenn ein Mitarbeiter dieses gemeinsame Bestreben durch unseriöse Aussagen sabotiert und dadurch auch das Vertrauen in das NÖ Gesundheitswesen erschüttert, dann sind Konsequenzen leider unumgänglich und auch dienstrechtlich geboten", heißt es seitens des Uniklinikums auf "Heute"-Anfrage.
Kesetovic selbst will gegen die Entlassung vorgehen, holte sich rechtlichen Beistand von Anwalt Nikolaus Rast. Der nunmehr Ex-Pfleger ist der Meinung, dass die Entlassung zu spät erfolgte und das Spital rechtlich gesehen keine 16 Tage warten hätte dürfen. Problematisch für Kesetovic ist, dass er laut Klinikum auch nicht mehr im Betriebsrat vertreten ist, also auch dadurch nicht geschützt ist.
Dem Gewerkschafter bleibt nun noch seine Stelle als Funktionär bei der Arbeiterkammer Niederösterreich. Dort hatte er bei der letzten Wahl den Einzug mit seiner Liste "Grüne GewerkschafterInnen NÖ" geschafft. Mit den eigentlichen Grünen hat diese nichts am Hut, diese distanzierten sich mehrfach von Kesetovic. Sogar AK Niederösterreich-Präsident Markus Wieser hatte Kesetovic nach der Geschichte mit Vesna Schuster vergeblich um den Rücktritt als Kammerrat gebeten.