Die Arbeiterkammer Niederösterreich hat im Jahr 2003 begonnen, in den sogenannten "Steuersparwochen" den Leuten beim Steuerausgleich unter die Arme zu greifen. Damals wurden im ersten Jahr 230.000 Euro an zu viel gezahlten Steuern zurückgeholt.
Mittlerweile ist diese Hilfe übers ganze Jahr möglich und nicht mehr nur auf ein paar Wochen beschränkt. So konnten im Vorjahr bereits 20,9 Millionen Euro für 16.000 Menschen zurückgeholt werden – so viel wie noch nie zuvor. Insgesamt waren es in den vergangenen 23 Jahren stolze 244 Millionen Euro, wie Markus Wieser, Präsident der Arbeiterkammer Niederösterreich, betont. Er zeigt sich sehr zufrieden mit dieser Entwicklung.
Wer Unterstützung beim Steuerausgleich benötigt, kann sich jederzeit einen Termin in der jeweiligen Bezirksstelle der Arbeiterkammer ausmachen. Das geht telefonisch unter 057171-26000 oder direkt über die Website der Arbeiterkammer. Auch Webinare werden angeboten und laut Steuerexpertin Julia Scharitzer sehr gut angenommen.
Präsident Wieser sieht aber noch ein anderes Problem: Es gibt viele Steuern, die zu viel gezahlt und nicht zurückgeholt werden können. Er argumentiert, dass man die verschiedenen Abgaben für die Menschen überdenken müsse.
"Früher war der Anteil der Arbeitnehmer an der Wertschöpfung eines Betriebes mindestens 80 Prozent. Und daran orientiert sich auch das Steuersystem. Die Arbeitsrealität heute ist aber, dass die Wertschöpfung nur noch zu 60 Prozent vom Menschen und zu 40 Prozent von Maschinen geleistet wird. Die Steuern aber leisten nach wie vor zu 80 Prozent Menschen, wie vor 50 Jahren. Das wird sich irgendwann nicht mehr ausgehen", sagt Wieser.
Seiner Meinung nach sollte ein größerer Teil der Automatisierung in die Wertschöpfung einbezogen werden, damit der Sozialstaat auch weiterhin finanziert werden kann. Diese Diskussion gibt es laut Wieser schon seit 2019, aber durch den verstärkten Einsatz von Künstlicher Intelligenz bekommt das Thema jetzt noch mehr Bedeutung.
Wieser fordert außerdem, das Werbekostenpauschale auf 300 Euro zu erhöhen. Seit 1988 liegt es bei 132 Euro und wurde seither nicht angepasst.
Neu ist heuer: Das Kilometergeld wurde auf 50 Cent pro Kilometer angehoben, das Taggeld beträgt nun maximal 30 Euro pro Tag (bisher 26,40 Euro). Für die meisten wird die Erhöhung des Pendlereuros auf sechs Euro pro Kilometer erst nächstes Jahr beim Steuerausgleich spürbar – die Änderung gilt aber schon seit 1. Jänner.
Auch die Absetzbeträge für Familien wurden erhöht: Alleinverdiener können sich jetzt 601 Euro pro Jahr holen, heißt es von der Arbeiterkammer.