Aufgebrachte Bürger ist Gaby Schwarz gewohnt: In ihrer Rolle als Volksanwältin hat sie es mit Personen zu tun, die mutmaßlich Ungerechtigkeit seitens der Behörden erfahren haben. Dabei kann die Stimmung durchaus hochkochen – besonders wenn die Betroffenen schlussendlich doch im Unrecht sind.
Mit dem, was am 24. September 2025 passierte, hatte die erfahrene Volksanwältin jedoch nicht gerechnet. Bei einem Sprechtag im Schloss Mirabell in Salzburg kam es zu einer gefährlichen Situation. Dabei riss ein Mann die Tür zum Büro von Schwarz auf und begann sie wüst zu beschimpfen. Dann rannte er mit ausgestreckten Armen auf die Volksanwältin zu, berichtet "Profil".
Schwarz konnte gerade noch entkommen, indem sie um ihren Schreibtisch rannte und ins Büro nebenan flüchtete. Dortige Mitarbeiter alarmierten die Polizei. Der Mann wurde schlussendlich festgenommen. Den Termin hatte der Angreifer aus Tirol auf der Website der Volksanwaltschaft gefunden und war ohne Voranmeldung nach Salzburg gereist. Bereits zuvor soll er mehrfach versucht haben, mit der Volksanwaltschaft Kontakt aufzunehmen.
Besonders kurios: Die Volksanwaltschaft war für das Problem des Mannes gar nicht zuständig. Eine Behördenverfehlung lag demnach nicht vor. Viel mehr ging es um eine privatrechtliche Angelegenheit. Schwarz hätte dem Tiroler also gar nicht helfen können. Dennoch habe sie Verständnis für den Angreifer. "Wir sind oft die letzte Station, die letzte Hoffnung. Wenn die Leute da keine Hilfe bekommen, etwa weil wir nicht zuständig sind, ist die Eskalationsgefahr natürlich groß", so die Volksanwältin gegenüber dem "Profil".
Der Vorfall hatte für beide Beteiligten jedenfalls Konsequenzen. Der Angreifer wurde im Vorjahr wegen gefährlicher Drohung zu einer bedingten Haftstrafe von drei Monaten verurteilt. Für Schwarz bestehe die Gefahr, dass er jederzeit wieder auftauchen könne. Inzwischen führt der Verfassungsschutz bei Sprechtagen daher gefährdungsbezogene Sicherheitsmaßnahmen durch.
Zudem wurde ihre Wohnadresse von einem Sicherheitsexperten aus dem Innenministerium besucht. Die empfohlene Alarmanlage mit dem Kostenpunkt von 25.000 Euro habe die Volksanwältin aus eigener Tasche bezahlt. Schwarz habe nie damit gerechnet, dass sie so etwas jemals brauchen werde. Die Volksanwältin habe den Vorfall jetzt erst öffentlich gemacht, da sie auf den Schutz von öffentlich Bediensteten aufmerksam machen wolle.
Laut Schwarz würde sie viel in Rathäusern, in Bezirkshauptmannschaften und anderen Behörden herumkommen. Die meisten Amtsgebäude würden über keine Anmeldung oder Sicherheitsschleuse verfügen. Man könne einfach reinspazieren, was "in Zeiten höherer Gewaltbereitschaft und steigender Aggressionen" böse enden könne.
Laut einer Statistik der Unfallversicherungsanstalt AUVA nahmen die Fälle, bei denen Menschen während ihres Dienstes körperlich attackiert wurden stark zu. Von 2021 (1.060 Vorfälle) auf 2025 (1.752) war ein Anstieg von 65 Prozent zu verzeichnen. Knapp zwei Drittel der Angriffe würde demnach von externen Personen ausgehen. Die Statistik erfasste Spitäler, Pflegeheime und den öffentlichen Verkehr, Angriffe auf Polizisten und Beamte wurden hier nicht berücksichtigt.
Laut Meinungsforscher Christoph Hofinger seien die Ursachen Ärger über politische Entscheidungen. Als Punkte sprach er gegenüber dem "Profil" die Teuerung und den Ukraine-Krieg an. Zudem hätten auch die Algorithmen der sozialen Medien einen Einfluss. Der ehemalige Verfassungsschutzchef Omar Haijawi-Pirchner sieht den Beginn des steigenden Hasses auf staatliche Institutionen in der Coronapandemie. Ökonomische Sorgen und manche mediale Schlagzeilen würden die Hemmschwelle noch mehr sinken lassen. Er geht von einer Verschärfung des Problems aus.