Das warme Wetter sorgt derzeit für deutlich mehr Einsätze beim Wiener Fundtierservice. Allein von April bis Ende Mai 2026 wurden bereits 14 Schildkröten und 46 Ziervögel gefunden und eingefangen.
"Die Vermutung liegt nahe, dass die Schildkröten nach dem Winterschlaf wieder aktiver sind und nach draußen gesetzt werden und dann aus ihren Gehegen entkommen. Ziervögel entfliegen in den meisten Fällen aus geöffneten Fenstern, wenn bei wärmeren Temperaturen wieder mehr gelüftet wird", erklärt Ruth Jily, Leiterin des Veterinäramts.
Besonders dramatisch ist die Entwicklung bei Katzen: Seit Jänner mussten bereits sieben Fundkatzen tierärztlich versorgt werden, nachdem sie aus Fenstern oder von Balkonen gestürzt waren. Vier dieser Fälle wurden allein im vergangenen Monat registriert. Nicht alle Tiere überleben einen solchen Sturz.
Jily appelliert deshalb an Tierhalter, ihre Wohnungen entsprechend abzusichern: "Eine geeignete Absturzsicherung für Katzen ist nicht nur sinnvoll, sondern gesetzlich vorgeschrieben. Unsere Amtstierärzt*innen kontrollieren daher auch das Vorhandensein. Stürzt eine Katze aus dem ungesicherten Fenster wird der Tierhalter angezeigt!"
Wer in Wien Fenster oder Balkone für Katzen ungesichert lässt, verstößt gegen das Tierschutzgesetz. Es drohen Verwaltungsstrafen von bis zu 7.500 Euro. Kommt die Katze durch einen Sturz zu Schaden oder stirbt, kann dies zudem als Tierquälerei geahndet werden.
Gemäß der 2. Tierhaltungsverordnung müssen Fenster und Balkone, zu denen Katzen Zugang haben und bei denen Absturzgefahr besteht, mit geeigneten Vorrichtungen (zum Beispiel Katzennetzen oder Gittern) versehen werden. Dies gilt auch für gekippte Fenster, da hier die Gefahr besteht, dass die Katzen sich einklemmen und Quetschungen der Wirbelsäule oder Lähmungen ("Kippfenster-Syndrom") erleiden.
Wer sein Haustier vermisst, sollte regelmäßig die Fundtierseite des Veterinäramts besuchen. Hilfreich bei der Identifizierung sind aktuelle Fotos des Tieres sowie bei Vögeln vorhandene Ringnummern. "Der Brustpanzer einer Schildkröte ist so individuell wie ein Fingerabdruck. Deshalb empfiehlt es sich, ihn zu fotografieren, bei Jungtieren am besten alle ein bis zwei Jahre, sind die Tiere ausgewachsen verändert sich die Zeichnung nur noch wenig", erklärt Jily.
Fundmeldungen nimmt das Veterinäramt rund um die Uhr unter der Hotline 01 / 4000 8060 entgegen. Die Tierrettung des TierQuarTier holt die Tiere ab und bringt sie zu einer geeigneten Versorgungsstelle. Dort werden sie 30 Tage lang betreut. Meldet sich niemand, werden sie an neue Plätze vermittelt.