In der Nacht auf Freitag riss ein plötzliches Wackeln zahlreiche Menschen aus dem Schlaf. Um 1.59 Uhr bebte beim Semmering im Grenzgebiet zwischen Niederösterreich und der Steiermark die Erde. Das Erdbeben erreichte laut dem Österreichischen Erdbebendienst eine Magnitude von 4,5 – und war bis nach Wien zu spüren.
In den sozialen Medien häufen sich bereits die Berichte von Betroffenen. "Stark gespürt und einige Risse im zweiten Stock sowie kaputte Gegenstände", schreibt eine Userin. Auch aus Kapfenberg kommt eine Schilderung: "Um circa 2 Uhr haben schwere Kastentüren gewackelt", erinnert sich eine Facebook-Nutzerin. Gleich mehrere Augenzeugen berichten, durch das Beben und den Lärm aufgewacht zu sein. "Meine Tochter (14) hat es deutlich gespürt. Es fühlte sich an, als hätte jemand am Bett gerüttelt", schildert eine Mama.
Wolfgang Ruzicka, Bürgermeister von Schottwien, berichtet gegenüber "Mein Bezirk": "Es war gegen 1 Uhr früh. Mir sind im Keller Weinlagersteine samt Inhalt umgestürzt." Bis drei Uhr nachts habe er aufräumen müssen, sechs bis acht Weinflaschen seien völlig kaputtgegangen. Auch beim Kirchenwirt im Ort seien einige Gläser aus dem Regal gefallen.
Ein Betroffener aus Sinabelkirchen schreibt: "Ich lag auf der Couch und alles begann zu wackeln. Wenn ich nun weiß, wie weit es entfernt war, bin ich der Meinung, dass es sehr kräftig war." Ein weiterer Augenzeuge aus Rohrbach an der Lafnitz berichtet: "Ein dumpfes Grollen, danach Rütteln des Bettes."
Laut Seismologe Anton Vogelmann wurden bereits erste leichte Schäden registriert. Wie er gegenüber orf.at berichtet, handelt es sich dabei vor allem um Risse in Mauern und im Verputz. Dass es überhaupt zu Schäden kam, erklärt der Experte mit der außergewöhnlich geringen Tiefe des Bebens.
Dieses habe sich laut Vogelmann in nur rund vier Kilometern Tiefe ereignet. "Normalerweise sind Erdbeben in Österreich in acht bis zehn Kilometern Tiefe", erklärte der Seismologe gegenüber dem ORF. Durch die geringe Tiefe seien die Erschütterungen an der Oberfläche deutlich stärker wahrgenommen worden.
Binnen weniger Minuten gingen beim Österreichischen Erdbebendienst hunderte Meldungen aus Niederösterreich und der Steiermark ein. Selbst in der Bundeshauptstadt berichteten einzelne Bewohner von einem schwachen Zittern.
Ganz ausgestanden ist das Ereignis laut Vogelmann noch nicht. Der Experte rechnet damit, dass es in den kommenden ein bis zwei Wochen noch zu bis zu drei Nachbeben kommen könnte. Besonders aufmerksam müsse man im Wiener Becken sein, da diese Region geologisch als besonders anfällig gilt.