Österreich-News

"Am Beginn der 3. Welle, alles andere wäre leugnen"

Österreich steht am Beginn einer dritten Corona-Welle – alles andere zu behaupten, wäre leugnen. So deutlich äußert sich Experte Markus Zeitlinger.

Rene Findenig
Teilen
Ein Experte sagt zur Corona-Situation: Seinen Urlaub wird er lieber in Österreich planen.
Ein Experte sagt zur Corona-Situation: Seinen Urlaub wird er lieber in Österreich planen.
ALEX HALADA / picturedesk.com

Während die österreichische Bundesregierung den "Grünen Pass" als Ticket für den Sommerurlaub präsentierte, zeigt sich Experte Markus Zeitlinger von der MedUni Wien "relativ vorsichtig" mit der Planung seines Sommerurlaubs, wie er im Ö1-"Morgenjournal" sagt. "Wir sind am Beginn der dritten Welle, alles andere wäre leugnen." 2020 habe man im Sommer "relativ viel Ruhe gehabt", das klappe vielleicht mit dem strikten Einhalten der Maßnahmen und Impfen auch heuer.

"Man darf auch nicht zu prophetisch sein", so der Experte auf die Frage, ob der Sommerurlaub im Ausland möglich sein werde. Er sagt aber auch: "Ich plane den Urlaub in Österreich." Grundstein für einen Sommerurlaub sei jedenfalls die Impfung – und da hätte sich Zeitlinger einen gesamteuropäische Lösung beim AstraZeneca-Impfstoff gewünscht: "Ich halte nichts von der Staatenlösung". Bei den aufgetretenen Vorfällen sagt der Experte, er könne nicht ausschließen, dass es "ein Signal" für Nebenwirkungen gebe, bestätigt habe sich ein Zusammenhang aber bisher nicht.

"Signal kann auch Zufall sein"

Und man müsse auch den "Benefit" der Impfungen sehen – bei 100.000 Fällen trete bei jedem Impfstoff ein Vorfall auf, gleichzeitig schütze die Impfung mit einer Rate von bis zu 90 Prozent vor schweren Corona-Erkrankungen. Grundsätzlich erwarte man bei über einer Million Impfungen zwei Vorfälle wie jene mit den aufgetretenen Hirnvenenthrombosen. Bei sechs, sieben Fällen könne das "ein Signal sein, wenn das Signal aber nirgends anders auftritt, kann es auch Zufall sein".

Bei der Entscheidung zu AstraZeneca erwartet Zeitlinger, dass die Arzneimittelagentur EMA sich für die Aufnahme der Nebenwirkungen in die Fachinformation aller Vakzine ausspreche – und sich dann hinter die Verimpfung mit AstraZeneca stelle. Wichtig sei, dass man jeden Bürger über mögliche Nebenwirkungen aufkläre und jeder dann selber eine Risikoeinschätzung treffe. Denn stoppe man nun AstraZeneca, könnte man dieselbe Diskussion bald mit dem nächsten Impfstoff haben – was eine "eine Katastrophe" wäre, auch in Hinsicht auf Urlaubsplanungen heuer. "Als Erstes würde ich mal durchatmen", so der Experte.

"Lockdown wäre notwendig"

Erst am Mittwoch hatte sich ein weiterer Experte zur Corona-Situation geäußert und einen neuen harten Lockdown gefordert. "Es wurde in den letzten Wochen sehr stark eine Erwartungshaltung aufgebaut, dass wir jetzt bald die Schanigärten öffnen können und mehr Öffnungsschritte setzen werden können. Aber leider geht die epidemiologische Lage genau in die Gegenrichtung. Wir bewegen uns im intensivmedizinischen Bereich ganz klar auf die Kapazitätsgrenzen zu", sagte Komplexitätsforscher Peter Klimek in "Wien heute".

    Fast 600 <a href="https://www.heute.at/s/coronavirus-zahlen-oesterreich-ueberblick-bundeslaender-26-februar-100129986">Neuinfektionen</a> zählte die <a href="https://www.heute.at/s/461-corona-neuinfektionen-und-sieben-tote-in-wien-100130014">Bundeshauptstadt</a> am Donnerstag, fast 500 am Freitag. Vor einer Woche waren es mit rund 400 und rund 360 an den Vergleichstagen noch etwa ein Drittel weniger.
    Fast 600 Neuinfektionen zählte die Bundeshauptstadt am Donnerstag, fast 500 am Freitag. Vor einer Woche waren es mit rund 400 und rund 360 an den Vergleichstagen noch etwa ein Drittel weniger.
    Tobias Steinmaurer / picturedesk.com