ESA-Chef: "Angst vor Russen-Sabotage im Weltraum immer da

Russland hat bereits gedroht, westliche Satelliten abzuschießen oder gar die ISS (Bild) auf Europa stürzen zu lassen.
Russland hat bereits gedroht, westliche Satelliten abzuschießen oder gar die ISS (Bild) auf Europa stürzen zu lassen.picturedesk.com / NASA ("Heute"-Collage)
Auch in der Raumfahrt hat sich Europa zu stark auf Russland verlassen. In Paris beraten die EU-Minister über mehr militärische Investitionen im All. 

"Wir haben uns abhängig gemacht", gibt Josef Aschbacher, Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation (European Space Agency - ESA) im ORF-Interview offen zu. Er drängt die Mitgliedsländer der EU dazu, mehr in eigene Raketen und Raumfahrttechnik zu investieren, um im Weltraum aufzuholen.

ESA-Direktor Josef Aschbacher (l-r) und die Astronauten Matthias Maurer and Alexander Gerst.
ESA-Direktor Josef Aschbacher (l-r) und die Astronauten Matthias Maurer and Alexander Gerst.Wolfgang Kumm / dpa / picturedesk.com

Wie stark die Zusammenarbeit mit Russland in den vergangene Jahrzehnten geprägt war, zeigt beispielsweise die für Herbst geplante Mission auf den Mars. Gemeinsam mit der russischen Agentur Roskosmos wollte man Roboter auf den Roten Planeten schicken. Doch mit Kriegsbeginn in der Ukraine wurde die Zusammenarbeit aufgekündigt. Schwieriger ist die Situation bei der Internationalen Raumstation (ISS). Dort arbeiten europäische und russische Astronauten Seite an Seite.

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"Die ISS ist wie ein großes Gebäude, das im All fliegt", der westliche Teil werde von der NASA geleitet, der östliche Teil von Russland, "sonst würde die ISS nicht funktionieren. Auch hat Russland die Proton-Rakete, welche die ISS anhebt", stellt Aschbacher im Ö1-"Journal" kleinlaut fest, und fügt hinzu: "Die Angst vor Sabotage haben wir immer. Doch wir verlassen uns gegenseitig aufeinander". Und das, obwohl Russland bereits drohte, westliche Satelliten abzuschießen oder gar die ISS auf Europa stürzen zu lassen.

"Wake-Up-Call gehört – am Boden und auch im All"

Gefährdungen wie diese haben die ESA in den vergangenen Monaten wachgerüttelt, wie wichtig es sei, Sicherheit und Weltraum zunehmend enger zu verknüpfen, so der gebürtige Tiroler im Weltraum-Einsatz. "Natürlich sind wir spät dran, aber insgesamt hat Europa einen starken Wake-Up-Call bekommen, der wird am Boden gehört und auch im All", ist Aschbacher überzeugt.

Wie deutlich dieser Ruf gehört wurde, wird sich am heutigen Dienstag herausstellen, wenn sich die zuständigen EU-Minister in Paris treffen. Für Österreich nimmt Infrastrukturministerin Leonore Gewessler (Grüne) an den Verhandlungen teil. 18 Milliarden Euro mehr sollten für den Wettlauf im All investiert werden – ein Viertel mehr als bisher, doch immer noch ein Bruchteil davon, was die USA oder China dafür in die Hand nehmen.

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