Die WM in den USA geht in die entscheidende Phase – und wo ist Donald Trump? Der US-Präsident hat bisher kein einziges Spiel der US-Boys besucht. Steckt dahinter eiskaltes Kalkül? Bereits nach Abschluss der Gruppenphase warf die BBC die Frage auf: Hat Trump Angst vor einem peinlichen Auftritt vor einem Millionenpublikum?
Eigentlich hatte US-Präsident Donald Trump die WM 2026 längst zu seinem ganz persönlichen Großereignis erklärt. Doch während das Turnier in seinem Land steigt und die US-Nationalmannschaft bereits vier Spiele absolviert hat, sucht man den "Leader of the free World" auf den VIP-Tribünen vergeblich.
Stattdessen schickte er Außenminister Marco Rubio zum Eröffnungsspiel der Amerikaner gegen Paraguay nach Los Angeles. Trump selbst feierte an jenem Wochenende lieber seinen 80. Geburtstag – passenderweise mit einem professionellen UFC-Käfigkampf direkt auf dem Rasen des Weißen Hauses.
Dass Trump dem eigenen Team ausgerechnet bei einem Heimturnier die kalte Schulter zeigt, ist historisch höchst ungewöhnlich. Zum Vergleich: Der demokratische Präsident Bill Clinton ließ es sich 1994 nicht nehmen, das Eröffnungsspiel der letzten US-WM im Stadion mit warmen Worten zu eröffnen.
Auch andere Staatschefs wie Wladimir Putin 2018 in Russland waren bei den Auftaktspielen ihrer Länder präsent. Trumps Fernbleiben hat laut Experten einen ganz simplen, ungemütlichen Grund. "Er will unschönen Szenen aus dem Weg gehen", sagt US-Politik-Experte Federico de Jesus gegenüber der "BBC". Personen aus Trumps Umfeld sagen, dass seine bisherige Abwesenheit bei einem Spiel nicht bedeute, dass er nicht engagiert oder involviert sei, und verweisen darauf, dass er am Tag vor dem Eröffnungsspiel mit dem US-Team telefoniert habe.
Noch vor wenigen Wochen musste Trump bei den NBA-Finals in seiner Heimatstadt New York allerdings eine bittere Pille schlucken: Als sein Gesicht während der Nationalhymne auf dem riesigen Bildschirm der Halle auftauchte, brachen prompt Buhrufe und Pfiffe los. Dieses Erlebnis dürfte beim US-Präsidenten tief sitzen. Ein Auftritt in den riesigen WM-Stadien voller internationaler und durchaus kritischer Fans gleicht für ihn offenbar einem unkalkulierbaren PR-Risiko. Dazu kommt die politische Geografie der Spielorte: Die USA trugen ihre ersten Partien in Inglewood bei Los Angeles und in Seattle aus.
Beides sind tiefblaue, demokratische Hochburgen, in denen Trump auf massive Ablehnung stösst. Wie toxisch die Stimmung in diesen Arenen sein kann, musste bereits Trumps Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. am eigenen Leib erfahren: Er war beim US-Sieg gegen Australien in Seattle im Stadion und wurde vom Publikum gnadenlos ausgepfiffen.
Solche Szenen möchte sich Trump offensichtlich ersparen. Zumal der Weg der US-Boys bis zum Endspiel ausschließlich in demokratischen Gebieten stattfinden würde.