Mit einem Bild im Arm und ChatGPT als Kunstberater landete ein 29-jähriger Bauarbeiter jetzt vor dem Wiener Landesgericht. Der Vorwurf: Er soll im Zeitraum zwischen Mai und Juni 2025 ein Gemälde des berühmten Künstlers Anselm Kiefer aus einer Villa in Währing gestohlen haben.
„Es tat mir leid, dass so etwas weggeworfen wird“Angeklagtervor Gericht
Der Rumäne arbeitete damals auf einer Baustelle. "Ich hab den Schutt rausgebracht und bin durch die Garage rausgegangen. Da hab ich das Bild auf einem Haufen Holzlatten entdeckt", erzählte er vor Gericht. "Es tat mir leid, dass so etwas weggeworfen wird."
Neugierig geworden, fragte er später nicht etwa einen Kunstexperten, sondern ChatGPT. "Ich habe Chat GPT gefragt, wie viel es wert sein könnte." Die KI schätzte den Wert auf rund 5.000 Euro. Erst danach fiel ihm auf, dass das Bild aus dem Dorotheum stammte – also fragte er dort nach.
Der Richter wollte wissen, ob der Angeklagte schon einmal mit Kunst zu tun hatte. Die trockene Antwort: "Nein, aber ich mag Flugzeuge." Seine Verteidigerin sprang ihm bei: "Ihm gefallen einfach Flugzeuge." Tatsächlich zeigt das Werk ein Bleiflugzeug.
Am Ende glaubte der Richter, dass der Mann den tatsächlichen Wert des Bildes nicht erkennen konnte. Weil außerdem nicht mehr eindeutig feststellbar war, wann genau die Tat passiert war, konnte eine Verjährung nicht ausgeschlossen werden. "Im Zweifel ist es verjährt", sagte der Richter und sprach den 29-Jährigen frei. Den Schlusssatz gab es gratis dazu: "Fragen Sie das nächste Mal nach, bevor Sie was mitnehmen."
Das Gemälde sorgte am Ende nicht für einen Millionenprozess – sondern für einen der wohl ungewöhnlichsten ChatGPT-Auftritte in einem Wiener Gerichtssaal.