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AstraZeneca-Impfungen sind "absolut zu verantworten"

Die Verunsicherung wegen Vorfällen nach AstraZeneca-Impfungen ist groß. Ein Experte sagt, warum dabei aber ganz falsche Schlüsse gezogen werden.
Rene Findenig
12.03.2021, 22:54

Der Experte Markus Zeitlinger von der MedUni Wien rückte am Freitagabend zur Verteidigung des AstraZeneca-Impfstoffs in die ORF-"ZiB 2" mit Moderatorin Lou Lorenz-Dittlbacher aus. Es sei nicht nur "absolut zu verantworten", wenn Menschen weiter mit AstraZenaca geimpft würden, sondern "die Impf-Kampagne jetzt zu stoppen wäre unverantwortlich". Die Vorfälle seien im Zusammenhang zu sehen, so der Experte.

Bei einem Todesfall oder einer schweren Erkrankung nach einer Impfung gebe es zwei Aspekte und drei Möglichkeiten: Im Einzelfall erstens, dass man den Nachweis für einen Zusammenhang bringen kann, zweitens, dass man zumindest einen "guten Grund" nennen kann, oder drittens, dass man einfach gar keinen Zusammenhang zwischen Impfung und Vorfall finden könne. Sei davon nichts der Fall, müsse man sich als zweiten Aspekt ansehen, wie es im Zusammenspiel mit der Anzahl der Impfungen insgesamt aussehe.

„"Wenn sie auftreten, treten sie sehr schnell auf"“

Dabei zeige sich, dass man bei AstraZeneca genau in jenem Spektrum der Vorfälle liegen würde, das bei jeglicher Impfung und jeglichem Medikament vorkomme und keinen Zusammenhang mit der Impfung bedeuten müsse: Von 140.000 Geimpften sei es bei nun drei zu solchen Vorfällen gekommen. Einen Schluss daraus zu ziehen wäre falsch, so Zeitlinger, denn dann könne man ebenso falsch mit dem Umkehrschluss argumentieren: "Von 140.000 Menschen haben drei eine Thrombose entwickelt, jetzt kann man sagen, Astrazeneca schützt vor Thrombosen, was auch falsch wäre".

Das allergische Reaktionen auftreten können, sei nicht neu, sondern bisher schon im Warnhinweis der Fachinformation enthalten gewesen, so der Experte. Diese habe man jetzt von den Warnhinweisen zu den Nebenwirkungen gezogen. Man habe "immer gewusst", dass "Impfstoffe, und da meine ich alle Impfstoffe gegen das Coronavirus" reaktogen seien und mehr Nebenwirkungen zeigen könnten. Deswegen sei es auch wichtig, als Geimpfter 15 Minuten in der Nähe des Arztes abzuwarten, "weil wenn sie auftreten, treten sie sehr schnell auf".

„"Der Imageschaden ist nicht nachzuvollziehen, aber er ist da"“

Wann eine Nebenwirkung wirklich gefährlich werde, hänge stark vom individuellen Patienten ab, so Zeitlinger. Wer ein bis zwei Tage leichte bis mittlere Nebenwirkungen spüre, müsse sich keine Sorgen machen, auch wenn es balstend sei. Wenn die Nebenwirkungen aber länger andauern oder nach dem Verschwinden zurückkehren sollten, "dass wäre unter Umständen ein Alarmsignal, das man mit dem Arzt abklären sollte".

Dass AstraZeneca durch die Vorfälle nun einen Imageschaden erleide, sah Zeitlinger kritisch: "Ich denke zu Unrecht, aber das hat sich einfach hochgeschaukelt". Medizinische Daten würden jedenfalls zeigen, dass bei den Corona-Fällen und der Schutzrate der Impfstoff von Biontech-Pfizer und AstraZeneca genau gleich gut seien. "Der Imageschaden ist nicht nachzuvollziehen, aber er ist da", so Zeitlinger.

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